Woserin : Super Ambiente für Korbmarkt

Rainer Groth aus dem oberfränkischen Bad Staffelstein beginnt, einen Vogel zu flechten.
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Rainer Groth aus dem oberfränkischen Bad Staffelstein beginnt, einen Vogel zu flechten.

Das erste Flechtertreffen in Woserin soll nach guter Resonanz nächstes Jahr eine Fortsetzung finden.

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08. Juni 2017, 05:00 Uhr

Es ist erstaunlich, was sich aus Weidenstöcken alles herstellen lässt. An erster Stelle natürlich Körbe, in der Größe und Form genauso
unterschiedlich wie in ihrer Bestimmung. Zudem weitere Behältnisse, ob zum täglichen Gebrauch für eingewickelte Süßigkeiten und Obst oder völlig anderweitig, eine riesige Auswahl zur Dekoration in Haus, Hof und Garten bis hin zu Schmuck. In Woserin stellten sieben Korbmacher, darunter gut die Hälfte aus MV, dieses alte Handwerk in seiner ganzen Vielfalt vor. Jeder gehe anders heran, hatte Ralf Eggert als Organisator und Gastgeber schon im Vorfeld gesagt. Nach drei Tagen freute er sich wie seine Berufskollegen und die tüchtigen Helfer über eine gelungene Premiere.

Die Brüeler Gabriele Schumacher-Poschmann und Ehemann Ralf Schumacher sind zielgerichtet gekommen, um ein geflochtenes Schiff für den Garten zu kaufen. „Wir haben schon eins, das hängt in einem Baum und weht schön im Wind. Man kann so viel hinein interpretieren“, sagt Schumacher-Poschmann. Mit den Jahren sei es verwittert und soll nun ersetzt werden. Ralf Eggert hat keines mehr, fertigt aber auf Bestellung wieder ein Schiff an. Eine Libelle auf einem langen Stab, für den Gartenteich gedacht, und ebenso einen geflochtenen Fisch für den Sohn haben die Brüeler bereits erworben.

Auch bei Charlotte Sell wird die breite Palette dieses Kunsthandwerks deutlich. Sie ist mit ihrem Mann Sven Lange vor einem Jahr von Rostock nach Marlow gezogen. Für ihn fertige sie sogar Requisiten und Kostümteile für Stelzfiguren sowie Bondottis, statt aus Plaste von Hand geflochten und einmalig. Letztere liegen mit auf dem Verkaufstisch. Der Diplomschauspieler braucht solche Dinge für sein Dramaukles-Theater mit Comedie, Clownerie, Artistik und Jonglage. Er spielt solo oder in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und Theatern.

Über das Flechtertreffen freue sie sich „total, weil ich den Austausch gut finde“, sagt Charlotte Sell. Es gebe „nicht so viele Flechter“. Und sie habe das Gefühl, dass die Besucher interessiert seien und die Arbeit wertschätzen. Klaus Schultz aus Blankenhagen bei Rostock hat gleich mehrere Fragen. Er habe angenommen, Korbmacher würden Kopfweiden schneiden, um Material zu erhalten. Doch viele bauen selbst Weiden an und ernten jedes Jahr, erfährt er. „Wieder was dazu gelernt“, sagt der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger. Ehefrau Martina Schultz ist Malerin und hat sich stets an „KunstOffen“ beteiligt, diesmal nach mehr als zehn Jahren nicht, um selbst über Land zu fahren und Eindrücke zu sammeln.

Für Renate Derstappen aus Neu Dragun bei Gadebusch ist die Woseriner Premiere eine gern gesehene Wiedergeburt, denn von 2003 bis 2013 hat sie bei sich Flechtertreffen organisiert. Das sei sehr aufwändig, deshalb hätten sie und „viele Helfern an der Seite“ nach zehn Jahren aufgehört. Umso mehr begrüße sie, dass Ralf Eggert einen Neustart wage und das „wunderbare Gelände“ zur Verfügung stelle. Das Ambiente stimme, sei super. „Ich finde es schön, dass die Leute Korbwaren sehen, die von Handwerkern in Handarbeit angefertigt werden“, so Derstappen. Sie sei zuversichtlich, dass sich der Korbmarkt in den Jahren entwickle, das sei bei ihr auch so gewesen.

Rainer Groth aus Bad Staffelstein, nahe der „deutschen Korbstadt“ Lichtenfels in Oberfranken, fühlt sich richtig wohl, wie er sagt, „wegen des für mich lukrativen Korbmarktes und der schönen Umgebung sowieso“. Zudem sei es für die Flechter, die sonst meist allein in ihrer Werkstatt sitzen, gut, „abends gemütlich zusammen zu sein und sich auszutauschen“. Mit Groths Kontakten nach Dänemark kämen 2018 möglicherweise Korbmacher von dort dazu, blickt Gastgeber Ralf Eggert schon voraus.

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