Bio-Landpartie in Langen Larchow : Sturmhof-Bauer verzichtet auf Chemie

Im ersten Jahr kommt Kleegras in den Boden. Dirk Saggau (r.) und seine Frau Petra (2. v. r.) führten Interessenten über ihren Hof und erläuterten die Biolandwirtschaft.
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Im ersten Jahr kommt Kleegras in den Boden. Dirk Saggau (r.) und seine Frau Petra (2. v. r.) führten Interessenten über ihren Hof und erläuterten die Biolandwirtschaft.

"Es ist nicht einfach, vernünftige Erträge herauszubekommen", sagt Dirk Saggau, der mit seiner Frau Petra einen Biobauernhof betreibt. Die Erträge sind höchstens halb so hoch wie in der konventionellen Landwirtschaft.

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23. September 2012, 06:44 Uhr

Langen Jarchow | "Es ist nicht einfach, vernünftige Erträge herauszubekommen", sagt Dirk Saggau, der mit seiner Frau Petra in Langen Jarchow einen Biobauernhof betreibt. Die Erträge sind höchstens halb so hoch wie in der konventionellen Landwirtschaft. Dafür gibt es aber auch deutlich mehr Geld. 40 Cent lassen sich beispielsweise pro Kilo Bioweizen erzielen, erklärt der Landwirt. Für konventionell produzierten Weizen gibt es dagegen nur 25 Cent. Saggau ist auch von der ökonomischen Seite überzeugt von der Biolandwirtschaft. "Wir können davon leben", sagt er. "Ein Jahr besser, ein Jahr schlechter".

Am Sonnabend zeigten Dirk und Petra Saggau Interessenten ihren Hof im Rahmen einer landesweiten Aktion, die Bio-Landpartie, die vom BUND organisiert wurde.

Etwa 380 Hektar Land beackert "Der Sturmhof", wie ihn der aus Schleswig-Holstein stammende Landwirt Dirk Saggau genannt hat, weil hier oft ein starker Wind bläst. Hier wirtschaftet er seit 1999 unter Verzicht auf Chemie zum Düngen und Pflanzenschutz. Er setzt stattdessen auf eine Fruchtfolge, die den Boden erhält. Im ersten Jahr wächst Kleegras, das dem Landwirt kein Geld bringt, aber den Boden aufbaut. Im zweiten und dritten Jahr folgen Getreide, im vierten Ackerbohnen oder Lupinen mit Hafer gemischt. Im fünften Jahr baut der Landwirt Roggen oder Triticale an, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, mit Kleegras als Unterwuchs, das bereits wieder den Boden aufbaut. "Wir wollen den Boden schonen, wir leben damit", sagt Saggau.

Der Sturmhof liefert über Großabnehmer Futter für andere Biohöfe und Getreide für die Nahrungsmittelproduktion. Aber es gibt auch direkte Beziehungen. Ein Bäcker aus Hamburg, der in der Nähe von Langen Jarchow Wald gekauft hat, erhält Hafer. Ein Bio-Hähnchenbetrieb aus Ludwigslust bekommt Futter. Im Austausch erhält der Ackerbauer Dung vom Hühnerhof.

Neben dem Ackerbau setzt der Sturmhof auf die Mast von bis zu 30 Rindern und vermietet Ferienwohnungen. Das gehört zum Part von Petra Saggau. Die aus Ventschow stammende junge Frau wollte eigentlich nie in die Landwirtschaft, lernte zunächst in Hamburg Speditionskauffrau und merkte dann doch, dass die Tätigkeit im Büro nichts für sie ist. Zwischenzeitlich absolvierte sie ein Agrarökologie-Studium.

"Man muss Bio unterstützen", meinte Eberhard Krafft aus Schwerin, ein Cousin der jungen Bäuerin, der zusammen mit seiner Frau Brigitte nach Langen Jarchow kam. Er esse heute bereits zu 90 Prozent Bio-Brot. Und Rindfleisch hole er sich vom Hof seiner Cousine.

Einige der Besucher auf dem Hof kamen von anderen Biobetrieben in der Region. Mittendrin aber auch Urlauber aus der Nähe von Scharbeutz in Schleswig-Holstein: Dr. Roland Wagner, seine Frau Maren und die Kinder Johanna (4) und Felix (2). Sie hatten ihren Wohnwagen auf den Sturmhof gestellt. Camping auf dem Bauernhof, das sei etwas ganz schönes, so Wagner. Aber dazu gebe es auch nur ganz wenige Möglichkeiten.

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