Über 50 Einsätze : Stürmisches Jahr für Wariner Wehr

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54 Einsätze 2015 gegenüber 32 im Zeitraum davor / Angebot für neu aufgebautes Hubrettungsfahrzeug hielt nicht das, was es versprach.

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06. Januar 2016, 17:16 Uhr

Knapp unter 40 Aktive sowie 21 Mädchen und Jungen in der Jugendwehr hat die Freiwillige Feuerwehr Warin aktuell. „Qualität, nicht Masse zählt“, verkündet Wehrführer Timo Untrieser mit Blick auf den Feuerwehr-Nachwuchs. Seit vergangenem Spätherbst ist der Wehrchef zugleich kommissarisch auch Jugendwart. Auf der Jahreshauptversammlung im März soll der Posten dann neu besetzt werden. Die bisherige Jugendwartin Bianca Waack sei „aus persönlichen Gründen nicht mehr in der Feuerwehr“, betont Untrieser.

2015 war für die Wariner Kameraden ein im wahrsten Sinne des Wortes stürmisches Jahr. Untrieser: „Wir hatten 54 Einsätze, viele Sturmschäden. Zum Vergleich: 2014 waren es nur 32 Einsätze gewesen.“


Einsatzbereich A 14 zusammen mit Jesendorf


Anders als die Wehren im Sternberger Seenland sind die aus den Ämtern Neukloster-Warin sowie Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen auch auf Autobahn-Abschnitten im Einsatz. Zusammen mit der Wehr aus Jesendorf werden die Wariner z. B. alarmiert, wenn auf dem A14-Abschnitt von Jesendorf bis Schwerin-Nord ein größerer Unfall passierte. Im Vorjahr wurden die Wariner Kameraden zu zwei Kfz-Bränden auf der A 14 gerufen. Und vergangenen Sommer gab es auch einen tragischen Unfall nahe Schwerin-Nord. Da dieser sich am Tage ereignete, hatten die beiden Einsatzwehren nicht genügend Kräfte, so dass zusätzlich die Wehren aus Lübow und Hohen Viecheln alarmiert wurden. „Wir sind eben eine freiwillige Feuerwehr und es fehlte an dem Tag auch an Führungspersonal“, erläutert Timo Untrieser die nicht einfache Situation, wenn viele Wehrleute die Woche über auswärts auf Arbeit sind.

Zu Unfällen mit Todesfolge müssen die Wariner Kameraden leider immer wieder mal ausrücken, sodass sich dabei gewisserweise schon Routine einstellt. Anders wäre die Sache auch nicht verkraftbar. Die in solchen Fällen angebotene psychologische Betreuung zur Nachbereitung „wurde erst einmal in Anspruch genommen, weil ein Bekannter betroffen war. Ansonsten findet nach solch einem Einsatz das Gespräch in der eigenen Truppe statt“, sagt Untrieser. Dieser steht bereits seit elf Jahren der Wariner Wehr vor. „Und davor war es schon ein Jahr kommissarisch.“


Neues Feuerwehrauto jetzt erst für 2017 geplant


Zerschlagen hat sich indes das Angebot, noch 2015 ein Fahrzeug mit einer so genannte Refurbishment-Leiter DLK 23-12 samt Korb von Metz Aerials zu bekommen. Konkret ging es im Juli, wie die SVZ-Nachfrage seinerzeit beim stellvertretenden Wehrführer Stephan Buchs ergab, um ein komplett generalüberholtes Fahrzeug, wahrscheinlich MAN. Vom Preis her wäre dieses nur halb so teuer wie ein nagelneues gekommen. Ein neues komplettes Hubrettungsfahrzeug kostet 650 000 Euro. Was die Qualität betrifft, so ist die Refurbishment-Variante laut Fachleuten allerdings genauso hochwärtig.

Die Wariner haben mit ihrer Feuerwehr in einem so genannten Grundzentrum Leiter-Nachholbedarf, um im Ernstfall etwa eine Evakuierung im städtischen Altersheim vornehmen zu können. Darum wollte man auch zugreifen bei diesem Angebot, welches seitens des Fahrzeug-Umrüsters aber nur für 2015 galt.

Dennoch wäre solch eine Anschaffung ohne Fördermittel für eine Kommune wie Warin nicht denkbar. Damit die Zweiseenstadt ihren Eigenanteil hätte stemmen können, fällte die Stadtvertretung Anfang Juli fraktionsübergreifend den Beschluss, die benötigten Finanzen aus dem „2. und 3. Bauabschnitt der Sanierung des Cords-Parks“ zu nehmen. Eile war geboten, um alles noch bis Jahresende über die Bühne zu bekommen.

Dann jedoch wurde das Projekt fast so schnell wieder begraben, wie es aus der Taufe gehoben worden war. „Als ich die Infos des Angebots mit dem verglich, was in den Papieren stand, war schnell klar: Es läuft nicht zu den Konditionen“, so Untrieser. Normale Feuerwehrautos sind bis zu einem Alter von zehn Jahren förderungswürdig. „bei Hubrettungsfahrzeugen sind es 15 Jahre. Bei dem uns angebotenem haben gerade mal zwei Monate gefehlt“, erläutert der Wehrführer. Dieser fügt hinzu: „Als Feuerwehrmann hätte ich es vielleicht noch gemacht; als Feuerwehrmann und Stadtvertreter jedoch nicht.“ Timo Untrieser, Mitglied der Fraktion „Für Warin“, wurde 2014 zum 1. stellvertretenden Bürgermeister gewählt.

Und so sieht der Plan vor, das neue Feuerwehrauto „2017 wieder auf die Liste zu schreiben“. Als Wehrführer hätte er dann natürlich am liebsten ein nagelneues. „Aber das dürfte finanziell nicht zu stemmen sein.“ Darum peilt Timo Untrieser erneut die Refurbishment-Variante an.

Es gebe viele Aufbauhersteller. „Alle setzen nur auf Chic und tolle Werbung. Bei vielen gibt es jedoch inzwischen einen Abfall, was Leistung und Verarbeitung angeht. Überall wird nur noch gespart“, hat der Wariner Wehrführer die Erfahrung gemacht. Und darum kämen für ihn auch nur wenige Angebote in Frage, „von Anbietern, die man kennt“.

Und bis dahin geht es eben weiter mit dem in die Jahre gekommenen W 50 und dessen Drehleiter 30 zum Einsatz.

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