Warin : Stressabbau zwischen Pferd und Hund

<strong>Das klappt perfekt:</strong> Aniko Rinnau auf Donna Ramira (l.) und Frank Werner auf Privetta führen den gut ein Jahr alten Labrador 'Schoko' bzw. den zweijährigen Lino, eine Mischung aus Rhodesian Ridgeback und Jagdhund, sicher an der Leine, und auch bei allen weiteren Teilnehmern dieser ungewöhnlichen  Trainingsstunde zeigt sich, dass  es keinen Stress geben muss, wenn  Pferd und Hund sich begegnen.
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Das klappt perfekt: Aniko Rinnau auf Donna Ramira (l.) und Frank Werner auf Privetta führen den gut ein Jahr alten Labrador "Schoko" bzw. den zweijährigen Lino, eine Mischung aus Rhodesian Ridgeback und Jagdhund, sicher an der Leine, und auch bei allen weiteren Teilnehmern dieser ungewöhnlichen Trainingsstunde zeigt sich, dass es keinen Stress geben muss, wenn Pferd und Hund sich begegnen.

Knisternde Spannung: Wie werden sich die Tiere verhalten, wenn sie plötzlich aufeinander treffen? Die knapp 20 Hunde liegen ruhig auf dem Boden, von manchen schauen nur die Ohren aus dem stellenweise hohen Gras heraus.

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29. Juni 2012, 10:52 Uhr

Warin | Knisternde Spannung: Wie werden sich die Tiere verhalten, wenn sie plötzlich aufeinander treffen? Die knapp 20 Hunde liegen ruhig auf dem Boden, von manchen schauen nur die Ohren aus dem stellenweise hohen Gras heraus. Ihre Besitzer haben, die Leine in der Hand, erst eine Gasse auf dem Feldweg gebildet, später auf der Wiese vor dem Wald einen großen Kreis. Zwei Pferde nähern sich im Schritt, geritten vom Sternberger Frank Werner und Aniko Rinnau aus Brüel, die dem Reitverein in Klein Raden angehören.

Doch zur Freude aller passiert so gut wie gar nichts - keiner der Hunde springt auf oder beginnt unbändig zu kläffen. Die Pferde passieren unbehelligt und scheuen auch nicht. Erst als sie auf der Wiese zum Galopp angehalten werden, kommt im hohen Gras etwas Unruhe auf. Ein Belgischer Schäferhund hat anscheinend genug von dem Spiel, das keines ist, und wird aufmüpfig. Vielleicht möchte er einfach nur zeigen, dass es ihn auch noch gibt. Hundeverhaltenstrainerin Helga Kastirke, die mit Herbert Kasten, 1. Ausbildungswart des Wariner Hundesportvereins, das erste Mal so eine Trainingsstunde mit beiden Tierarten durchführt, ist gleich zur Stelle und packt energisch zu. "Hör mir zu, was ich gesagt habe", bedeutet sie dem just zu lebhaften Vierbeiner. Mancher in der Runde staunt, denn die zierliche Frau ist eigentlich für ihren betont ruhigen Umgang mit den Tieren bekannt. Es komme eben auf die Situa tion an, sagt Herbert Kasten, der das Geschehen einige Meter entfernt beobachtet. "Mitunter muss einem Hund intensiver verdeutlicht werden, dass er sich unterordnet. Der Halter ist der Chef."

Erst ruhig liegen und zwischendurch eine Auflockerung wie ein Spaziergang oder Gassigehen, bei dem urplötzlich Pferde auftauchen können. In diesem außergewöhnlichen Training werden alltägliche Situationen nachempfunden, keine auf dem Hundeplatz einstudierten. Es kommt immer wieder vor, dass sich beide Tierarten unerwartet begegnen und dabei Stress haben, erklärt Kasten. Hunde würden ihre Gene als Beutegreifer entdecken und deren Halter oft machtlos zusehen oder sich gar über ihren agilen Liebling amüsieren, weil doch nichts passieren könne. Pferde dagegen sind Fluchttiere und scheuen schnell. Manchmal genüge schon, dass ein Vogel aus dem Gebüsch flattert, weiß Frank Werner, ein erfahrener Reiter, der gern im Warnowtal oder einfach zwischen Wiesen unterwegs ist. "Ich begegne oft Spaziergängern mit Hunden. Mein Pferd ist mit seinen 16 Jahren abgeklärt", erzählt der Sternberger. Dennoch fühle auch er sich vor heiklen Situationen nicht gefeit.

Für Herbert Kasten steht gegenseitige Rücksicht ganz vorn. Für beide, Hundehalter und Reiter, sei es ein Hobby. Ein Hund könne lernen, sich richtig zu verhalten. Sein Besitzer müsse ihm rechtzeitig klar machen: Das Futter bekommst du von mir, das Pferd ist für dich tabu. Insofern, räumt Kasten schmunzelnd ein, sei dieses Training natürlich auch eines für die Hundehalter.

So unterschiedlich wie die Rassen sind die Erfahrungen der Hundehalter, von denen nur zwei dem Wariner Verein angehören. Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen, Kay Kölpin mit seinem Belgischen Schäferhund sogar aus der Bundeshauptstadt. Er macht in Bolz eine Woche Urlaub. Herbert Kasten kennt ihn aus seiner Zeit in Berlin, natürlich vom Hundeplatz. Das liege zwei Jahrzehnte zurück und habe so lange gehalten.

Laika, die vier Monate alte Entlebucher Sennenhündin, ist mit vier Monaten am jüngsten. "Laika ist unser erster Hund. Wir gehen mit ihr in die Welpenschule. Sie hat auch zu Hause schon einiges gelernt, das klapp ganz gut", freut sich Heike Schmidtke aus Sülten. Einen Monat älter ist der Labrador-Boxer-Rüde "Abby" von Irene Lale aus Kuhlen. Auch er besucht sonnabends die "Welpenspielstunde", vor allem, um Kontakt zu anderen Artgenossen zu bekommen, wie die Besitzerin sagt. Für sie ist es bereits der dritte Hund. Im September soll er mit in den Urlaub nach Dänemark. Beide Frauen sind stolz, wie sich ihre Lieblinge bei dem ungewohnten Programm verhalten, voll dabei und gar nicht verspielt, wie bei diesem Alter zu erwarten.

Christel Klein ist vom Kleinen Gnadenhof in Letschow bei Schwaan gekommen. Dort finden Vierbeiner, die in Tierheimen schwer vermittelbar, die behindert oder schon durch mehrere Hände gegangen sind, ein Zuhause. So wie Sally, jetzt sieben Monate alt, die in ihren ersten vier Lebensmonaten schon drei Besitzer hatte. Sie habe einen starken Charakter und die Gabe, sich um ängstliche Artgenossen zu kümmern. Jetzt solle die Hündin auch Verhaltensregeln bei Begegnungen mit Pferden kennen lernen, sagt Christel Klein. Ihr und "Gassi-Geherin" Bärbel Klingenberg, die ihr eine große Hilfe sei, mache das Training in Warin großen Spaß, und es sei sehr lehrreich.

Der Sternberger Reiter und Hundehalter Frank Werner sieht das genauso - und schlägt vor, so eine Trainingsstunde schon bald zu wiederholen.

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