Klein Labenz : Streit um drei Meter Badesteg

Rechts von dem Steg dürfte Axel Willsch auf einer Breite von 30 Metern allen Bewuchs entfernen, hat er aber nicht, sondern ein Biotop erhalten und Schilf stehen lassen. Die drei Meter Quersteg nach links soll er zurückbauen, damit dort Schilf wächst.  Fotos: Rüdiger Rump
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Rechts von dem Steg dürfte Axel Willsch auf einer Breite von 30 Metern allen Bewuchs entfernen, hat er aber nicht, sondern ein Biotop erhalten und Schilf stehen lassen. Die drei Meter Quersteg nach links soll er zurückbauen, damit dort Schilf wächst. Fotos: Rüdiger Rump

Die Untere Naturschutzbehörde Nordwestmecklenburgs fordert im Klein Labenzer Feriendorf „Warnabi“ den Rückbau wegen Schilf – genehmigt aber auf der anderen Seite des Stegs einen 30 Meter breiten Kahlschlag.

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16. Juni 2016, 05:00 Uhr

Eine schöne Landschaft biete auch die Oberpfalz, aus der er komme, doch die Seen würden fehlen. Peter Dankesreiter, „ein alter Angler und Jäger“, wie er sagt, macht in Klein Labenz das zweite Mal Urlaub, mit Tochter, Enkelkind und Freunden zwei Wochen lang. Die Anlage habe ihm auf Anhieb gefallen, sagt der Amberger. Lilo Rzeznitzeck aus Rostock, das fünfte Mal hier, bestätigt das von ganzem Herzen.

Axel Willsch hat mit Jens Buhse vor vier Jahren das 35 000 Quadratmeter große ehemalige LTA-Gelände aus einer Insolvenz gekauft. Sieben Wohnungen sind vermietet, und es gibt zehn Ferienwohnungen. Jetzt wird erweitert, 15 Wohnungen sollen es werden und 14 Zimmer als Landpension. Hier ist auch der Wirtschaftsteil fürs Feriendorf gedacht. Die Baugenehmigung liegt seit kurzem vor.


Beabsichtigte Sanierung kam nicht in Frage

Für Willsch wäre die Welt in Ordnung, gäbe es nicht den Streit mit der Unteren Naturschutzbehörde in Nordwestmecklenburg, der Nerven und Zeit koste. Es geht um den erneuerten Steg. Auf dem zuvor lag, als Willsch das Objekt übernahm, ein Baum. Als der weggeräumt war, kam der ganze Rost zum Vorschein, so dass aus der beabsichtigten Sanierung nichts wurde. Das Eisen ersetzte der Investor durch Holz, Eiche und Douglasie aus heimischen Wäldern, nicht imprägniert, den Belag durch Meranti-Hartholz. Die Landgesellschaft, von der Willsch die Wasserfläche pachtete, empfahl ihm, wegen der Steganlage beim Landkreis nachzufragen. Die sei genehmigungspflichtig und dazu nun ein Antrag auf nachträgliche Baugenehmigung nötig. Das war Anfang Juni 2012, unmittelbar vor der ersten Urlaubssaison. Bis zur Entscheidung über den Antrag hieß es Baustopp. In einem Schreiben vom 26. September wurde verlangt, den Oberbau des östlichen mittleren Querstegs zu entfernen, damit das Schilf nicht beeinträchtigt wird, ein Tag darauf ein Nachweis, welche Baustoffe verwendet wurden. „Obwohl es etwa drei Wochen vorher eine Begehung gab“, ärgert sich Willsch. Er antwortete am 8. Oktober, dass der geforderte Rückbau ökonomisch nicht vertretbar sei und zudem die statische Sicherheit gefährde. „Und vorher war dort auch ein Steg mit Belag, das zeigen Luftaufnahmen.“ Die Behörde schickte aber am 21. Dezember die Baugenehmigung mit der Auflage, den Oberbau vollständig zu entfernen. Willsch fügte sich.

Westlich vom Steg könnten indes 30 Meter vollständig von Bewuchs frei gehalten werden für Badestelle und Bootsliegeplätze. Den Platz für Letztere überließ Willsch einem Biotop, nahm in dem Bereich auch nicht alles Schilf weg.

Nachdem 2014 dort, wo der Belag runter musste, ein Kind und ein Angler ins Wasser gefallen waren, baute Willsch ihn wieder drauf. Das bemerkte die Behörde bei einer Begehung, von der er erst hinterher erfuhr. Sie ordnete 500 Euro Zwangsgeld für die Zuwiderhandlung – Belag wieder aufgebracht – an und droht weitere 750 Euro an, wenn die Unterkonstruktion nicht entfernt wird.

Auf SVZ-Anfrage beim Landkreis hält Mathias Diederich, Beigeordneter und 1. Stellvertreter der Landrätin, entgegen, für den linken Seitensteg konnte keine nachträgliche Genehmigung erteilt werden, weil dieser den angrenzenden Schilfgürtel beeinträchtige. „Für einen solchen Eingriff in ein gesetzlich geschütztes Biotop hat der Landkreis kein Ermessen.“ Der dürfe auch nicht durch ein Biotop an anderer Stelle ausgeglichen werden. „Insofern war die Naturschutzbehörde gesetzlich verpflichtet, einen Rückbau anzuordnen“, so Diederich.

Kommentar: "Ohne Augenmaß" von Rüdiger Rump
Da baut einer was auf, wo ein wunderschön gelegenes Gelände verwahrlost war,  einer aus der Region, der Urlauber herholt. Schritt für Schritt, um sich nicht zu übernehmen. In manchem war Axel Willsch vielleicht unbedarft, doch das ist der einzige Vorwurf, der ihm gemacht werden könnte. Da verdiente er doch erst recht Hilfe. Die Naturschutzbehörde muss sich freilich an Recht und Gesetz halten. Mag sein, dass sie sich in diesem Rahmen bewegt, aber wie es scheint, ohne Augenmaß. Statt dessen schriftliche Anordnungen, Zwangsgeld, eine Begehung ohne den Eigentümer, bei der die beste Gelegenheit gewesen wäre, miteinander zu sprechen. Dafür sollte es aber auch jetzt  nicht zu spät sein.
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