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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 09:02 Uhr

Warin : Streifzug zu den Gräbern berühmter Personen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Prof. E. Buchwald und Dr. J. Gundlach fanden auf dem Wariner Friedhof die letzte Ruhe.

Gräber sind zumeist sehr individuelle Orte für die Familie, für Freunde und gute Bekannte. Die Gräber von überregional bedeutenden Persönlichkeiten finden allgemeine Beachtung. Auf dem gepflegtem Wariner Friedhof verdienen zwei dieser Grabstätten Beachtung.

Am östlichen Rand des Friedhofes, gleich unterhalb der Grabstätte der Mühlen-Familie Koch, fällt ein roter Granitfeldstein auf. Er trägt das altchinesische Yin und Yang Zeichen, das für die Kraft steht, die aus der Harmonie der Gegensätze, wie Himmel und Erde, Licht und Dunkel, Mann und Frau, fließt. Hier sind Eberhard Buchwald und Frau beigesetzt.

Professor Eberhard Buchwald wurde 1886 in Breslau geboren. Er studierte Physik, promovierte 1909, war Privatdozent an der Universität Breslau, ordentlicher Professor für Theoretische Physik an der TH Danzig und von 1945 bis 1954 lehrte er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er veröffentlichte über Optik und über Goethes Naturlehre.

Als Emeritus fand er an der Wariner Natur so viel Gefallen, dass er hier auf dem Hang hinter der Ehlerschen Villa (heute Sozialhaus) ein Bungalow baute, wo er sich oft aufhielt. Legendär sind seine Vorträge an der Uni Rostock Ende der 1950er-Jahre. Er sprach über die Grundgesetze der Physik und des Lebens. Ehemalige Studenten erinnern sich noch heute, dass man schon zeitig erscheinen musste, um im großen Hörsaal des Physikalischen Institutes wenigstens noch einen Sitzplatz auf den Treppenstufen des ansteigenden Hörsaales zu finden. Professor Buchwald starb am 14. August 1975 in Warin.

Der Weg an der Grabstelle des Ehepaares Buchwald vorbei führt zur Grabstelle der Familien Wille-Zinzow-Gundlach. Hier ist kürzlich Dr. Jürgen Gundlach beigesetzt worden. Gundlach, 1926 in Plau geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie und widmete seine ganze Arbeitskraft den mecklenburgischen Dialekten. Er war Mitarbeiter und später auch Leiter der Arbeitsgruppe „Mecklenburgisches Wörterbuch“. Unter seiner Leitung wurden die letzten beiden Bände des „Mecklenburgischen Wörterbuches“ herausgegeben. Dazu war er, ähnlich wie Richard Wossidlo, im Lande unterwegs, um den „Plattsnackern aufs Maul zu hören“.

Mehrfach ist er auch zu diesem Zweck in Warin gewesen. Dr. Jürgen Gundlach ist aufrecht durchs Leben gegangen, widerstand allen Werbeversuchen für einen Parteibeitritt, beschwerte sich in einen Brief an den damaligen Ministerpräsidenten Otto Grotewohl gegen den Abriss des Kirchenschiffes der Marienkirche in Wismar und blieb doch, was er war: der führende Kenner des Niederdeutschen. Hut ab vor dieser Haltung!

Nach der Wende übertrug Dr. Gundlach die mecklenburgische/ vorpommersche Verfassung ins Niederdeutsche. Seine überragende Tätigkeit für die Sprache seiner Heimat trug ihm viele Ehrungen ein, 1994 auch das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.
Nach langer Krankheit verstarb Dr. Gundlach am 3. Dezember 2014 in Wismar. Seinem Wunsch entsprechend fand er in Warin im Kreise der Familien der mütterlichen Linie seine letzte Ruhe.

 









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