Einwohner dürfen entscheiden : Straßennamen? Pennewitt ist gefragt

<strong>In dem kleinen Dorf</strong> könnten höchstens  vier Straßennamen vergeben werden. Hier geht es von Warin aus nach Pennewitt hinein. <fotos>rüdiger rump</fotos>
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In dem kleinen Dorf könnten höchstens vier Straßennamen vergeben werden. Hier geht es von Warin aus nach Pennewitt hinein. rüdiger rump

Pennewitt, der Ortsteil von Warin, hat Probleme: Das idyllisch gelegene Dorf hat keine Straßennamen. Nun bekommen die Einwohner Varianten zur Auswahl - oder entscheiden sich für Beibehaltung der bisherigen Hausnummern.

svz.de von
01. Juni 2012, 05:31 Uhr

Pennewitt | 30 Häuser stehen in Pennewitt, der Ortsteil von Warin hat nach Angaben aus dem Amt 128 Einwohner, Tendenz steigend. Sie mögen ihr idyllisch gelegenes Dorf, das von Hügeln, Seen und Wäldern umgeben ist. In diese Beschaulichkeit platzt auf einmal große Aufregung. Ein Schreiben kursiert, wonach es fünf vor zwölf sei - das alte Dorf solle künftig nicht mehr Pennewitt heißen, behaupten der oder die anonymen Verfasser. Dagegen müssten sich alle wehren, die Jagd auf Unterschriften beginnt, Ortsteilvertreterin Eliana Picha wird persönlich angegriffen und in rüder Art nahe gelegt, ihren ehrenamtlichen Posten aufzugeben. Sie ist auch Vorsitzende der Ortsteilvertretung Warin. Als Picha auf der turnusmäßigen Sitzung dieses Gremiums, das diesmal nicht in Klein Labenz, sondern in Pennewitt tagt und anders als sonst gut besucht ist, darüber spricht, spürt jeder ihre Erregung. Die ganze Stimmung wirkt gereizt. Dabei sei es nie um die Abschaffung des Dorfnamens gegangen, sondern allein um die Bezeichnung von Straßenzügen - vielleicht Haupt- oder Dorfstraße, Dorfplatz, Kranichwiese, Mümmelberg.

Kurze Rückblende zum Hintergrund: Im Herbst wendet sich eine Familie an die Ortsteilvertreterin. Es gäbe mitunter Probleme, vor allem im Internet, dass Pennewitt keine Straßennamen hat, sondern die Häuser nur durchnummeriert sind. Picha hört von anderen, dass es ihnen genauso gehe. Sie führt Gespräche, wendet sich an Warins Bürgermeister Michael Ankermann. Dieser sagt, grundsätzlich sei es möglich, Straßennamen einzuführen. Dazu kommt ein Vorschlag zu Papier, den die Ortsteilvertretung auf ihrer öffentlichen Sitzung am 24. April behandelt. Aus Pennewitt sind Picha zufolge drei Einwohner anwesend. Es gibt keine Einwände, der Vorschlag könne an die Stadtvertretung gehen, denn beschließen darf nur sie.

Dann taucht das ominöse Schreiben auf. Das müsse in mehreren, mindestens in zwei Ausführungen existieren, wie aus der Reihenfolge der Unterschriften ablesbar sei, sagt Eliana Picha. Einwohner, die zur öffentlichen Sitzung in dieser Woche gekommen sind, springen ihr bei. Sie hätten zwar gegen die Abschaffung des Dorfnamens unterschrieben, von Anschuldigungen oder gar Rücktrittsforderungen auf diesem Papier wüssten sie aber nichts.

Die Wogen im ehemaligen LPG-Speisesaal schlagen zuweilen höher. Von der Sitzung am 24. April und dass es da um Straßennamen geht, habe niemand etwas gewusst, wird in den Besucherreihen gegrummelt. Termin und Tagesordnung stehen jedes Mal rechtzeitig im Schaukasten, wird entgegnet. Dann geht es durcheinander, und das immer lauter: Eine Dorfstraße gab es in Pennewitt schon mal, da landete die Post des öfteren in Mankmoos oder umgekehrt. Was solle das denn nun wieder mit Straßennamen?! Probleme bei der Zustellung gäbe es auch jetzt, wirft eine junge Frau ein, die seit zwei Jahren in dem Dorf wohnt. Aber die Leute seien so nett und bringen die Post, wenn sie woanders abgegeben wurde. Ron Beike, Ortsteilvertreter aus Mankmoos, nennt "nachvollziehbare Gründe, die für Straßennamen sprechen". Bei Eingabemasken im Internet werde die Straße abgefragt. Fehle die, gehe es einfach nicht weiter. "Als in Mankmoos Straßennamen verändert wurden, hatte uns keiner vorher gefragt. Hier wird darüber gesprochen. Schade, dass sich manche überrollt fühlten. Das ist offenbar dumm gelaufen. Bei so einer Brisanz ist es vielleicht besser, Informationsblätter zu verteilen", so Beike.

Hier knüpft Petra Köster an. Die Geschäftsführerin von Köster und Paschke GbR in Mankmoos sitzt eigentlich wegen eines anderen Themas unter den Besuchern. Sie schlägt vor, an die Bürger Vordrucke zu verteilen, auf denen mehrere Varianten zur Einführung von Straßennamen - bis zur Ablehnung - stehen. Darauf könne jeder ankreuzen, wofür er ist. Eine solche Befragung findet Zustimmung. Der Bürgermeister sichert zu, dass die Stadt sich um die Vordrucke kümmert. "Die Entscheidung liegt bei ihnen", wendet sich Ankermann an die Pennewitter. "Die Stadtvertretung will keinem Ortsteil etwas überstülpen. Nur wenn die Mehrheit hier Straßennamen wünscht, werden sich die Stadtvertreter damit befassen", betont der Bürgermeister und rät dazu, alles in Ruhe, ohne Zeitdruck anzugehen.

Eliana Picha, als selbstständige Mediatorin und Schiedsperson für das Amt Neukloster-Warin daran gewöhnt, Streit zu schlichten, fällt ein Stein vom Herzen. Vor allem der Dank der älteren Einwohner, aus erster Hand informiert zu sein, deren Beifall, habe sie gefreut. Und jetzt sind alle Pennewitter gefragt.

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