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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

17. Dezember 2017 | 13:05 Uhr

Straßenkampf in Woserin

vom

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erstellt am 03.Mai.2010 | 06:46 Uhr

Woserin | Neun Jahre schon dauert ein Streit um die Erneuerung der Woseriner Dorfstraße. Jetzt hat sich zum Erhalt der alten Pflasterstraße an den Petitionsausschuss des Landes gewandt. Die Kontroverse: Die Mehrzahl der Anwohner im Ort will die historische Passage von 1860/61 erhalten und sanieren; die Gemeinde hat sich jedoch für eine Asphaltierung der knapp 700 Meter langen Strecke ausgesprochen. Neuen Mut schöpfen die Vereinsmitglieder durch eine Art Gutachten einer Firma, das auch die Straßenbauklasse 6 festhält, nicht aber die von der Gemeinde erklärte 4. Gelegentlich benutzte Straße statt Schnellstraße? Für den Ausbau der Straße hat die Gemeinde Borkow für ihren Ortsteil Woserin Sondermittel beim Innenministerium in Schwerin beantragt. Der Verein hatte eine Verkehrszählung veranlasst: 116 Fahrzeuge passieren demnach im Schnitt täglich die Straße, steht im Schreiben der Firma.

"Wir brauchen die neue Straße nicht", sagt Katrin Otolski, Vorsitzende des Vereins. Sie wälzt einen dicken Ordner: Schriftverkehr zu Pflasterstraße in Woserin. 2002 kam die Straße zwischen Gutshaus und Pfarrhaus auf die Denkmalliste des Kreises Parchim, drei Jahre später verschwand die daraus wieder. 2002 stellte das Kultusministerium fest: Für die Geschichte des Verkehrs im Land stelle die Straße "einen wichtigen Schritt dar". 2005 erklärte der Leiter der Kulturabteilung im Ministerium, Enoch Lemcke, dagegen: Durch die großen Schäden im Unterbau sei "eine Erhaltung des Denkmals Pflasterstraße technisch ausgeschlossen".

Die Woseriner glauben dies nicht und kämpfen weiter: Kommunalaufsicht, Landesrechungshof, nun der Petitionsausschuss. Die Pflasterstraße müsse erhalten werden im historischen Ensemble mit Pfarrhaus, Kirche und Gutshaus. Die Pflastersteine emotionalisieren: Fotografin Tille Ganz hat der Straße eine ganze Ausstellung gewidmet. Zum Tag des offenen Denkmals will der Verein wieder Touristen in den Ort locken.

"Wir haben erneut eine Befragung bei den Einwohnern gemacht", erklärt Katrin Otolski. "Zwei Drittel sind für den Erhalt der Pflasterstraße." Zwei Drittel von 40. Eine Baufirma habe mitgeteilt, dass die Sanierung des einst denkmalgeschützten Teils 64 000 Euro kosten würde. Die Gemeinde geht von 553 000 Euro Kosten für die gesamten 700 Meter aus: als Bitumen mit Pflaster-Rand. Sie hat aber kein Geld und erhofft sich Sonderbedarfsmittel des Innenministerium, das klammen Gemeinden unter die Arme greift. Gut 190 000 Euro blieben Eigenanteil der Anwohner von Woserin. "Für eine Straße, die hier niemand will", so Otolski.

Jochen Gülker, Bauamtsleiter in Sternberg, ist genervt von der Woseriner Pflasterstraße: "Mit keiner Straße im Amtsbereich habe ich mich so viel befassen müssen." Gülkers Fakten: Der Baugrund sei im Ergebnis einer Fachmessung nicht ausreichend - zu geringe Tragfähigkeit. Die Straße müsse also komplett ausgetauscht werden. Laut DIN-Vorschriften gehe das aber nicht mit dem alten Pflaster: "Die Steine sind zu klein." Eine Pflasterstraße nach neuen Anforderungen wäre zu teuer. Würden nur die alten Steine neu sortiert, hätte weiterhin in die Gemeinde die Haftung für den Baugrund.

Das Schreiben der Firma, die eine Straßenbauklasse 4 fixiert, sei kein Gutachten, so Gülker. Die Firma habe lediglich den Verkehr im Ort gezählt.

Im kommenden Jahr könnte der Ausbau der Straße in Woserin starten. Die Gemeinde Borkow habe Fördermittel über die Dorferneuerung beantragt. Der Eigenanteil steht noch aus.

Die Woseriner werden ihren Straßenkampf fortsetzen.

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