Sternberger Seenland : Stopp für Paddler im Warnowtal?

<fettakgl>Kanuten im Warnowtal</fettakgl> bei Karnin. Der Wasserstand ist hier seit Jahren extrem flach. <foto>Naturparkverwaltung Sternberger Seenland</foto>
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Kanuten im Warnowtal bei Karnin. Der Wasserstand ist hier seit Jahren extrem flach. Naturparkverwaltung Sternberger Seenland

Ein Damoklesschwert schwebt über dem Kanutourismus im Seenland. Die schönsten Abschnitte auf der Warnow, die Durchbruchstäler bei Karnin und Görnow, könnten zum Schutz der Natur vollständig für Paddler gesperrt werden.

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08. Januar 2013, 06:13 Uhr

Sternberg/Warin | Ein Damoklesschwert schwebt über dem Kanutourismus im Sternberger Seenland. Die schönsten Abschnitte auf der Warnow, die Durchbruchstäler bei Karnin und Görnow, könnten zum Schutz der Natur vollständig für Paddler gesperrt werden. Dieser generellen Stopp soll abgewendet werden.

Eine Idee ist, künftig in Karnin nur noch eine begrenzte Zahl von Booten zuzulassen. Über diese Möglichkeit beriet gestern erstmalig die Arbeitsgruppe "Qualität im Kanutourismus" in Warin. Sie setzt sich aus Unternehmern der Branche und Vertretern von Behörden zusammen.

Das Problem ist der niedrige Wasserstand auf einigen beliebten Kanu strecken. Paddeln ist dann nach Ansicht von Naturschützern beispielsweise tödlich für die streng geschützte Flussmuschel Unio Crassus, weil die Muschelbänke zerstört würden. Im Sternberger Seenland gibt es einige der wenigen Bestände in Mecklenburg-Vorpommern, die überhaupt noch Nachkommen zeugen. Etliche Kanuanbieter aus der Region hatten 2011 eine freiwillige Vereinbarung unterzeichnet, dass sie sensible Flussabschnitte bei einem Wasserstand unter 30 Zentimetern nicht mehr befahren.

Nachdem im Vorjahr die Pegel an den Flüssen engmaschiger als früher unter die Lupe genommen wurden, kam es zu ersten generellen Sperrungen für Kanuten. Als besonders sensibler Bereich erweist sich das Durchbruchstal bei Karnin. Bei einer Beratung mit Kanu verleihern Ende vergangenen Jahres berichtete eine Mitarbeiterin aus dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu), dass bei Karnin eigentlich schon seit Jahren nicht mehr der Mindestwasserstand von 30 Zentimetern erreicht wird - höchstens im zeitigen Frühjahr. Außerdem besage eine Verordnung aus Vorwendezeiten, dass in diesem Naturschutzgebiet keine Wasserfahrzeuge erlaubt sind, weiß Jan Lippke, stellvertretender Naturparkleiter im Sternberger Seenland. Bei Karnin sei also in Vorjahren das Paddeln lediglich toleriert worden.

Aber selbst das aus touristischer Sicht wichtige Große Warnowdurchbruchstal bei Görnow wurde im Vorjahr zeitweise für Paddler für tabu erklärt. 2012 war vom Wasserstand her das viertschlechteste der vergangenen zwei Jahrzehnte, hieß es aus dem Stalu. Das hätte aber noch drastischer werden können, wenn der letzte Sommer trockener und heißer gewesen wäre und es folglich mehr Verdunstung gegeben hätte.

Probleme gab es auch auf einem anderen Paddler-Revier im Sternberger Seenland, auf der Bresenitz zwischen Garder und Woseriner See. Ab Mitte Februar des Vorjahres und damit die gesamte letzte Saison lag hier der Pegelstand unter 30 Zentimetern. Der Fluss war damit nicht befahrbar, so Lippke.

Im Naturschutzgebiet bei Karnin wurden die Sperrungen für Paddler im Vorjahr eingehalten, erklärt der Mann aus der Naturparkverwaltung in Warin, auf der Bresenitz gab es trotz Niedrigwassers Bootsverkehr, beispielsweise vom Campingplatz in Garden aus. Dabei stehen an den sensiblen Abschnitten überall Pegelscheiben, an denen ersichtlich ist, ob die Fahrt für Boote frei oder gesperrt ist. "Ein Großteil der Leute nimmt Rücksicht", so Lippke. Bootsverleiher würden ihren Kunden bei Niedrigwasser andere Angebote machen. Lippke: "Einige Anbieter machen mit, andere jammern." Das Stalu als zuständige Behörde habe indes angekündigt: Wenn die bisherigen Regelungen nicht funktionieren, werde die Wasserstraße ganz dicht gemacht. Das wolle keiner.

In der Arbeitsgruppe Kanutourismus wird über Alternativen nachgedacht. "Ziel soll es sein, Qualitätskriterien und deren Kontrolle zu definieren, die naturbewusst handelnde und qualitativ hochwertige Kanu-Anbieter erkennbar machen. Diesen soll damit eine Perspektive eröffnet werden, wie auch in Zukunft unsere sensiblen Gewässer touristisch genutzt werden können", sagt Sven-Eric Muskulus, Initiator der Arbeitsgruppe und selbst Kanuverleiher.

Dahinter steckt der Gedanke, sensible Flussabschnitte ganz zu sperren und über Ausnahmegenehmigungen eine bestimmte Anzahl von Booten zuzulassen. Und zwar von Anbietern, bei denen gesichert ist, dass die Natur geschützt wird. Behörden prüfen, ob eine solche Regelung bereits bis zur neuen Saison in Karnin umgesetzt werden kann, zumal der Bootsverkehr hier heute bereits verboten ist. Kanuanbieter, die sich zum schonenden Umgang mit der Natur verpflichten, könnten profitieren. Geprüft wird dabei auch der mögliche Einsatz von Booten mit weniger Tiefgang und die Begleitung durch Flussranger.

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