Parchim/Brüel : Stollen diesmal etwas zu viel gepudert

Butter- und Mohnstollen für die Prüfung und dazu eine kleine Auswahl aus dem vorweihnachtlichen Sortiment  präsentierten gestern in Parchim die Brüeler Bäckermeisterin Petra Schulz (M.), Tochter Anja Gerecht  (l.) und Konditorin Dana Dießner.
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Butter- und Mohnstollen für die Prüfung und dazu eine kleine Auswahl aus dem vorweihnachtlichen Sortiment präsentierten gestern in Parchim die Brüeler Bäckermeisterin Petra Schulz (M.), Tochter Anja Gerecht (l.) und Konditorin Dana Dießner.

Die Brüeler Bäckerei stellt sich in Parchim erneut der jährlichen Bewertung durch Experten und kehrt mit zwei Silbermedaillen zurück.

svz.de von
05. Dezember 2013, 17:27 Uhr

Lieber hätte sie
natürlich Gold bekommen so wie vor
einem Jahr, gesteht Petra Schulz. Doch dazu bedarf es der vollen Punktzahl 100. Diesmal wurden ihr zwei abgezogen. Die 98 Punkte für den Butter- und den Mohnstollen brachten immerhin Silbermedaillen. Nach Meinung des Prüfers, Lebensmittelexperte Michael Isensee vom
Institut für Qualitätssicherung, waren die Stollen zu viel gepudert, erklärt die Brüelerin. Den zweiten Punktabzug gab es, weil die Kruste etwas zu stark
gebacken war. „Das sind Dinge, die sich
abstellen lassen. Wenn wir morgen wieder Stollen backen, achten wir mehr darauf“, so Schulz.

Sie beteiligt sich jedes Jahr an diesem freiwilligen Qualitätstest der Bäcker- und Konditoreninnung Südwestmecklenburg, im Frühjahr mit Broten und in der Adventszeit mit Stollen, so wie gestern in der Sparkasse am Parchimer Moltkeplatz. Das sei für die Selbstkontrolle „sehr wichtig“, denn „die Qualitätsmerkmale müssen bei dem, was wir verkaufen, stimmen“, sagt die Bäckermeisterin. Der Prüfer sei „sehr gut“, er verteile nicht nur Punkte oder ziehe eben mal den einen oder anderen ab, sondern spreche mit den Beteiligten darüber und gebe Tipps. „Ich sehe das jetzt völlig
positiv.“ Zudem biete sich die Gelegenheit, mit Berufskollegen ins Gespräch zu kommen sowie „andere Kundschaft
anzusprechen“.

Die Stollen werden zum Abschluss mit Puderzucker oder weißem Schnee abgestäubt, wie es fachlich heißt. „Das habe ich bei denen für diesen Tag selbst
gemacht. Mir schmeckt der Stollen am besten, wenn die süße Schicht obendrauf etwas reichhaltiger ist. Besonders mit weißem Schnee wird das für mich ein richtiges Geschmackserlebnis“, erzählt Petra Schulz schmunzelnd. Den weißen Schnee, auch eine Art Zucker, verwende sie hauptsächlich für Stollen, gelegentlich aber auch für anderes Gebäck. Der sei nicht nur gut für den Geschmack,
sondern auch fürs Auge, und das esse
bekanntlich mit. Bei der Prüfung vor
einem Jahr sei zu wenig Puderzucker bzw. weißer Schnee auf den Stollen
gewesen, habe allerdings nicht zum Punktabzug geführt, diesmal halt zu viel, meint die Bäckermeisterin gelassen.

Petra Schulz übernahm vor fast acht Jahren die Bäckerei Schultz, die 1896 von ihrem Urgroßvater gegründet worden war, und führt sie somit in vierter Generation, übrigens als erste Frau. Netter
Zufall am Rande: Als die Bäckersfrau heiratete, änderte sich ihr Name so gut wie gar nicht, denn aus Schultz wurde Schulz, lediglich ein Buchstabe fiel weg. Die Bäckerei trägt weiterhin den Namen ihres Gründers. In dem Betrieb arbeitet auch Tochter Anja Gerecht.

Etwa jeden zweiten Tag werden in
Brüel Stollen gebacken. Dass sei zwar ein Dauergebäck und müsse keineswegs frisch sein, doch so lasse sich der Nachfrage am besten beikommen. Die mittlere Größe von 750 Gramm, ob Butter- oder Mohnstollen, „geht besonders gut“, hat Schulz festgestellt, auch als Hälfte, wenn es beispielsweise nur einen Stollen-Esser in der Familie gibt. Zahlreiche Kunden kämen auch von außerhalb der Region oder ließen sich dieses typische Adventsgebäck schicken, sogar aus Köln, Nürnberg oder Dresden. Die beiden letztgenannten Städte seien zwar selbst Hochburgen des Stollens, doch „paar Leute“ hätten einmal mit dem aus der
Bäckerei Schultz Bekanntschaft gemacht, „und deshalb soll es jedes Jahr der von uns sein“, freut sich Petra Schulz.

Zur gestrigen Prüfung hatte sie auch
eine kleine Auswahl aus dem vorweihnachtlichen Sortiment mitgenommen, neben Pfefferkuchenhäuschen und Lebkuchenherzen eigens kreierte Dominosteine mit Gelee aus eigener Herstellung. „Wir haben das seit vier Wochen ausprobiert. Ich koche zwischendurch immer mal Marmelade von Sauerkirschen und bin so auf die Idee gekommen. Eine Schicht Marzipan, wie man das kennt, und eine aus dem Gelee, und das Ganze wird in Kuvertüre eingetaucht. Das ist
eine Schokoladensorte, die im Wasserbad erhitzt wird, aber nicht zu heiß werden darf“, erklärt Petra Schulz.

Im nächsten Jahr werde sie bei der Stollenprüfung bestimmt wieder dabei sein. Dann klappe es vielleicht erneut mit Gold, denn diese Farbe der Medaillen sei ihr doch lieber.

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