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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

16. August 2017 | 19:35 Uhr

Brüel : Stiller Protest gegen Kuhstall

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Bürgerschaft der Gemeinde Brüel lud zur „Demo auf dem Rathausplatz“ in Brüel ein.

Helga Helwing ist 73 Jahre alt. Wenn es um Natur- und Umweltschutzbelange geht, will sich die Seniorin aus Golchen nicht heraushalten. Für sie war es deshalb  selbstverständlich, am Mittwochabend bei der „Demo auf dem Rathausplatz“ in Brüel dabei zu sein. Eingeladen hatte dazu kurzfristig per an einige Haushalte verteilte Flyer die „Bürgerschaft der Gemeinde Brüel“ um Vorsitzenden Robert Klammer.   „Mit uns wird es diesen Kuhstall nicht geben“, war denn als Karikatur  auf einem Plakat zu lesen.

Gerichtet war die Aktion gegen das landwirtschaftliche Großvorhaben des Brüeler Agrarhofes. Wie SVZ berichtete, ist u. a. geplant, nahe Keez eine Milchviehanlage  für ca. 3000 Kühe zu bauen.

Im Brüeler Rathaus begann  an diesem Abend nur eine halbe Stunde später die zweite paritätische Gesprächsrunde mit  Stadtvertretern, Vertretern der BI und des Agrarhofes zur Thematik. Angeregt hatte eine solche, nicht öffentliche  Runde die Brüeler Stadtvertretung, um von  emotionaler auf eine sachliche Ebene  zu kommen. Eingeladen wird durch den Bürgermeister.

 „Warum eine so große Anlage?“, tat Helga Helwing denn vor dem Rathaus ihre Meinung kund. Sie habe nichts gegen Landwirtschaft und Tierhaltung, aber warum diese Massen? „In der Zeitung steht, dass wir in einem geschützten Naturpark wohnen und wenn ich die Warnow entlang gehe, sehe ich schon die Rohre liegen“, erklärte sie. Andreas Merten war aus Thurow zur Demo gekommen. Er sei Angler und Kleintierhalter und bemerke seit einigen Jahren, wie sich der Keezer See und kleine Gräben verändern, weil sie jetzt schon überdüngt wären. Was passiere, wenn dann noch Gülle aus der geplanten Großanlage hinzu käme, mag er sich gar nicht ausdenken, erklärte Merten. „Ich bin gegen Massentierhaltung“, machte Theo Jörgensmann klar. Der Musiker, der in Brüel wohnt und in der ganzen Welt Auftritte hat, sieht keinen Grund dafür, so eine Stallanlage zu bauen. Man sollte wieder zu kleinen Einheiten zurück kommen, forderte er. „Ich sehe auch keinen Vorteil für die Stadt, denke aber, dass wir dann starken Immissionen ausgesetzt sein werden“, erklärte er. 

„Das hier ist ein friedlicher Protest. Wir wollen die BI (Bürgerinitiative für nachhaltige Landwirtschaft in der Gemeinde Brüel/.d. R.) über die Bürgerschaft unterstützen. Die BI hat sich darüber gefreut, dass es nochmal  aus anderer Richtung Unterstützung gibt“, erklärte Birgit Jepsen, Vorstandsmitglied der Bürgerschaft und deren Bürgermeisterkandidatin.

Er finde es wirklich gut, dass sich viele Menschen mit dem Thema Großviehanlagen auseinandersetzen, erklärte Bürgermeister Jürgen Goldberg. Auch er wird  wieder kandidieren.  „Es  ist legitim, dass man seinen Protest zeigt. Dass man diese Situation für Wahlkampfzwecke nutzt, halte ich aber für bedenklich, weil das der Sache nicht dienlich ist“, erklärte er. Goldberg sprach mit  einigen  Teilnehmern der Demo und verabschiedete sich   ins Rathaus. Wie auch Weike Aselmeyer von der BI, ebenfalls Teilnehmerin der Gesprächsrunde. Die Aktion finde sie gut, meinte sie, werde so doch gezeigt, dass es mehr Leute gebe, die gegen  große Milchviehanlagen sind. Ebenfalls  mit am „runden Tisch“ sitzt  Monika Göppinger aus Hallerndorf in Bayern, die, wie SVZ berichtete, mit ihrem Mann nach Keez ziehen und  dort   das Projekt „FEWO Keezer See“ umsetzen will. „Beim letzten Mal war ich nur stiller Zuhörer, heute kann ich mich aktiv einbringen“, so Göppinger. Sie finde es gut, dass sich etwas bewege. Zu dem stillen Protest  meinte sie: „Jeder muss  auf seine Art zeigen, wie er mit der Thematik umgeht“. Bezüglich ihres Bauvorhabens in Keez werde es keinen Rückzieher geben, erklärte sie.

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von
erstellt am 03.Apr.2014 | 16:49 Uhr

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