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Entkernung eines Wohnblocks in Kobrow II : Stewo reißt leerstehende Häuser ab

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Die letzten Stunden haben geschlagen für ein in den 60er-Jahren gebautes Mehrfamilienhaus. "Es geht los mit der Entkernung", sagt Richard Nowakowski. Die alten Küchen, Türen, Fenster und Installationen müssen raus.

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erstellt am 02.Aug.2012 | 10:40 Uhr

Sternberg | Die letzten Stunden haben geschlagen für ein Mitte der 1960er-Jahre gebautes 21-Familien-Haus in Kobrow II. Gestern früh stand Richard Nowakowski mit Mitarbeitern seines Unternehmens bereit, um mit dem Abriss des seit anderthalb Jahren leer stehenden Gebäudes zu beginnen.

"Es geht los mit der Entkernung", sagt Nowakowski. Die alten Küchen, Türen, Fenster und Installationen müssen raus. Die Mitarbeiter können dabei aber nicht überall mit roher Gewalt vorgehen. Sie bauen alles aus, was sich noch verwerten lässt. Beispielsweise die Fenster, die erst nach der Wende erneuert wurden.

1996 wurde das Gebäude teilsaniert und dabei wurden beispielsweise auch Haustüren, Heizkörper und Fenster erneuert. Leider gebe es kein baugleiches Haus bei der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (Stewo), sagt Geschäftsführerin Regina Nienkarn. Was für die eigenen Bestände noch benötigt wird und gut erhalten ist, hat sich das Wohnungsunternehmen aber gesichert. Dazu gehören Herde, WC- und Waschbecken im Top-Zustand.

Für die Fenster finden sich Abnehmer, ist sich Nowakowski sicher. Ein Unternehmer aus der Region hat sich bereits gemeldet, da er sie für Ferienwohnungen benötigen könnte. Ein Sternberger meldete Bedarf für ein Dachfenster an. Alles Verwertbare wird verkauft, so auch die Heizkörper.

Wenn nur noch die Hülle steht, rückt die schwere Technik an. Mit einer 29 Tonnen schweren Abrissbirne wird dem Haus endgültig der Garaus gemacht. Was dabei zu Boden fällt, soll sortiert und wieder verbaut werden. Dazu gehören der Ziegelbruch aus Zwischenwänden und Stallungen, vor allem aber der Beton aus den seinerzeit in Blockbauweise errichteten Hauptwänden. Diese gewonnenen Teile zerbröckelt eine Fachfirma mit Hilfe von großen Brechern. Das Material kommt beispielsweise im Straßenbau zum Einsatz. Da gebe es einen riesigen Bedarf, sagt Nowakowski.

Der Abrissunternehmer muss gegenüber seinem Auftraggeber, der Stewo, nachweisen, wie die Materialien verwertet bzw. entsorgt werden. Das gilt natürlich auch für die Schadstoffe, von denen in den 1960er-Jahren zum Glück noch nicht so viel verbaut wurden. Nur die Balkonumrandung am Haus in Kobrow II ist aus Asbest. Wenn sie abgebaut wird, kommen Mitarbeiter unter Vollschutz zum Einsatz. "Weil sich Fasern beim Losschrauben lösen können", erklärt Nowakowski, der übrigens nicht zum ersten Mal eine Ausschreibung der Stewo gewonnen hat.

Angesichts des hohen Leerstandes und mit Hilfe von Fördergeldern aus dem Projekt Stadtumbau Ost hat die Stewo seit 2004 insgesamt 192 Wohnungen abreißen lassen, erklärt Regina Nienkarn. Betroffen waren Gebäude in Brüel, Weitendorf, Jülchendorf, Müsselmow, Kuhlen, Mustin und Warin. Die Gemeinden können für den Abriss der nicht mehr benötigten Häuser eine Förderung von 50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in Anspruch nehmen. Außerdem werden den Eigentümern der abgerissenen Häuser die so genannten Altschulden aus DDR-Zeiten erlassen. Dennoch bleiben sie oft auf Verbindlichkeiten sitzen, nämlich auf den Krediten, die sie nach der Wende zur Modernisierung der Häuser aufgenommen haben. So ergeht es auch der Stewo in Kobrow II. Dafür reicht die Förderung, um die Abrisskosten zu bezahlen. In manchen Orten wird es bedeutend teurer, beispielsweise wenn mehr Schadstoffe entsorgt werden müssen oder wenn auf Grund der Lage eines Objekts viel Handarbeit nötig ist. So war es kürzlich beim Abriss eines Gebäudes in der Wismarschen Straße in Warin, direkt an der Bundesstraße.

Für die Sternberger Wohnungsbau gesellschaft ist es auch auf Grund einer Vereinbarung mit finanzierenden Banken zwingend, weitere leer stehende Wohnungen zurückzubauen und dabei gleichzeitig etwas gegen so genannte "bauliche Missstände" auf den Dörfern zu unternehmen. Zu beobachten sei, dass Mehrfamilienhäuser im ländlichen Bereich nicht mehr als Wohnstandort nachgefragt werden, so Nienkarn. Sie gehe derzeit davon aus, dass die Stewo weitere sechs Prozent des Bestandes - 150 bis 160 Wohnungen - zurückbauen müsse. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll ein leer stehendes Haus mit 18 Wohnungen in der Mustiner Kastanienallee abgerissen werden. In Vorbereitung sind der Abriss eines Plattenbaus aus den 1970er-Jahren mit 24 Wohnungen in der Straße zu den Neubauten in Zahrensdorf und des so genannten Armenhauses in der Güstrower Chaussee in Witzin mit vier Wohnungen.

Anstelle der abgerissenen Häuser entstehen zunächst Grünflächen. Bisher sind noch auf keinem der Grundstücke, auf denen sich früher ein Stewo-Block befand, Eigenheime errichtet worden. Zeitweise gab es Überlegungen, auf diesen Grundstücken Photovoltaikanlagen zu installieren, sagt Regina Nienkarn. Das sei aber gescheitert, da solche Anlagen nicht auf früheren Wohnstandorten gefördert werden. Dafür aber beispielsweise in Industrie- und ehemaligen Militärgebieten oder auf Müllhalden.

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