Auch neue Back-Manufaktur gerät in finanzielle Schieflage : Sternbergs Bäcker bangen um Jobs

  <fettakgl>Optimistischer Neustart: </fettakgl>Hermann Josef Taterra  (l.) hatte vor knapp einem Jahr die seit Oktober 2010 insolvente Sternberger Bäckerei übernommen und hier die Back-Manufaktur gegründet. Mittlerweile ist auch das neue Unternehmen   in eine  finanzielle Schieflage gekommen. <foto>Archiv-Rüdiger Rump</foto>
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Optimistischer Neustart: Hermann Josef Taterra (l.) hatte vor knapp einem Jahr die seit Oktober 2010 insolvente Sternberger Bäckerei übernommen und hier die Back-Manufaktur gegründet. Mittlerweile ist auch das neue Unternehmen in eine finanzielle Schieflage gekommen. Archiv-Rüdiger Rump

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre Bangen um einen wichtigen Arbeitgeber der Region: um die Bäckerei mit derzeit 58 Mitarbeitern im Gewerbegebiet Rachower Moor und in elf Filialen Westmecklenburgs.

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10. Januar 2013, 06:48 Uhr

Sternberg | Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre Bangen um einen wichtigen Arbeitgeber der Region: um die Bäckerei mit derzeit 58 Mitarbeitern im Gewerbegebiet Rachower Moor und in elf Filialen Westmecklenburgs. Gerade wird die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen die Sternberger Back-Manufaktur GmbH geprüft.

Im Betrieb, den Unternehmer Hermann Josef Taterra erst vor knapp einem Jahr übernommen hatte, nachdem der Vorgängerbetrieb, die Sternberger Bäckerei, in die Insolvenz geschlittert war, haben derzeit zwei andere Männer das Sagen. Der Schweriner Rechtsanwalt Andreas Franz wurde zum "vorläufigen Sachwalter" bestellt und ist damit Herr über die Kasse. Als Geschäftsführer fungiert Andreas Romey, ein Fachmann für Insolvenzen aus Hamburg.

"Zu geringe Umsätze", nennt Romey als Grund für die finanzielle Schieflage der Sternberger Back-Manufaktur. Als "toll" bezeichnet er die Mitarbeiter, die Läden und die Backstube. Und der Hamburger schwärmt auch vom Brot, das in Sternberg gebacken wird - nach dem alten Prinzip, ohne Zusatzstoffe. Man sei derzeit dabei zu untersuchen, wie sich der Betrieb auf gesunde Füße stellen lässt.

Derweil läuft die Produktion in Sternberg weiter. Die Back-Manufaktur beliefert ihre eigenen Filialen in Hagenow, Schwerin, Wismar, Grevesmühlen, Neubukow, Warin und Sternberg und versorgt 68 Filialen eines Discounters in ganz Norddeutschland. Um die Löhne zu finanzieren, kam auf der Grundlage des Insolvenzeröffnungsverfahrens Hilfe von der Arbeitsagentur.

Ende November des vergangenen Jahres wurde die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Die Besonderheit in diesem Fall ist, dass es in so genannter Eigenverwaltung abläuft. Das wurde erst durch eine Reform des Insolvenzrechts möglich, sagt Andreas Romey. Das Prinzip: Die Geschäfte werden nicht durch jemanden von außen geführt. Das spare Kosten und das Unternehmen könne selbst weiter agieren. Dabei passt der vorläufige Sachwalter auf die Finanzen auf. Als Andreas Franz diese Aufgaben übernahm, behielt Hermann Josef Taterra zunächst noch die Geschäftsführung, bis Andreas Romey das Zepter übernahm. Wegen der Kosten reiche ein Geschäftsführer, so Romey. Vermutlich fällt Ende Januar, Anfang Februar die endgültige Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Im Herbst 2010 war gegen den Vorgängerbetrieb, die Sternberger Bäckerei, das vorläufige Insvolvenzverfahren gestartet, nachdem in den Vorjahren erhoffte Einnahmen ausgeblieben waren. Seinerzeit wurde ebenfalls der Schweriner Rechtsanwalt Andreas Franz eingesetzt. Der Geschäftsbetrieb lief unter seiner Verantwortung weiter. Dem Insolvenzverwalter gelang es, die Firma über ein Jahr am Leben zu halten und schließlich einen neuen Investor zu finden. Hermann Josef Taterra, langjähriger Geschäftsführer der Eisengießerei Torgelow, der den dortigen Betrieb aus Krankheitsgründen verlassen hatte, kaufte mit einem Mitgesellschafter im Februar 2012 die Sternberger Firma.

Taterra hatte gehofft, dass der Ausbau des Filialnetzes schneller voran geht, wie er noch im Oktober des Vorjahres gegenüber SVZ erklärte. 600 000 Euro seien in Backhalle, Filialen und Technik geflossen.

Andreas Romey betont: "Ziel ist, dass wir das Unternehmen sanieren." Zu den Chancen will er sich derzeit nicht äußern. "Wir sind noch in der Findungsphase", erklärt er. Damit das Sanierungsverfahren erfolgreich ist, wird ein Investor gesucht, der neues Geld in die Kasse gibt.

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