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Senioren beklagen Holperpflaster beim Überqueren von Straßen : Sternberger Testfahrt mit Rollator

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Die Altstadt ist schön geworden, sagen Einheimische und Besucher. Senioren machen da keine Ausnahme, im Gegenteil. Schade nur, fügen sie an, dass es an manchen Stellen so schwierig ist, über die Straße zu kommen.

svz.de von
erstellt am 27.Aug.2013 | 10:38 Uhr

Sternberg | Die Altstadt ist schön geworden, sagen Einheimische und Besucher. Senioren machen da keine Ausnahme, im Gegenteil. Schade nur, fügen sie an, dass es an manchen Stellen so schwierig ist, über die Straße zu kommen. Nicht etwa, weil hier Auto an Auto fährt - sondern weil das Pflaster so holprig ist und älteren Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, enorme Anstrengungen abverlangt. Für den Seniorenbeirat der Stadt sind das "mittelalterliche Zustände", ein historisches Pflaster eben. Vor allem mittwochs am Markttag kommen zahlreiche Sternberger mit Rollator in die Stadt. Der Vorschlag: Wo Straßen mit solchem Pflaster zu überqueren sind, sollten glatte Über wege, ca. einen Meter breit, geschaffen werden. In Ludwigslust gäbe es schon so einen Rolli-Weg durch die Stadt.

SVZ hat nun Jutta Lübchow sozusagen als Rollator-Testfahrerin bei einem Gang vom Finkenkamp zum Markt begleitet. Sie ist hier seit sieben Jahren im Betreuten Wohnen zu Hause, war von Teterow hergezogen, weil fast die ganze Familie - Tochter, drei Enkel und mittlerweile vier Urenkel - in Sternberg und Umgebung leben. In Teterow gäbe es mehr Möglichkeiten der ärztlichen Betreuung, was gerade im Alter zähle, doch ihr gefalle es in Sternberg so gut, dass sie noch nie an eine Rückkehr gedacht habe, sagt die 81-Jährige.

Wir starten an der Rückseite des DRK-Seniorenzentrums. "Der Gehweg ist hier schön gemacht", meint die Seniorin zufrieden. Auch die immer gepflegt aus sehenden Grünanlagen am Haus gefallen ihr. Im Finkenkamp geht es natürlich über den Zebrastreifen. Sie sei dabei gewesen, als vor knapp zwei Jahren zahlreiche Bewohner beim Ortstermin mit einem Vertreter des Verkehrsministeriums mehr Sicherheit beim Überqueren des viel befahrenen Finkenkamps einforderten. Als Kompromiss gibt es inzwischen den Zebrastreifen. Einige hätten zwar "gemosert", dass es nun einige Meter mehr zum Edeka-Markt sind, doch dass der Überweg nicht genau an der Zufahrt zum Parkplatz entstehen konnte, leuchte doch ein.

In Richtung der Ampelkreuzung ist es ziemlich abschüssig. Kein Problem, lachend führt die Probandin die Bremse vor. "Der Rolli ist eine gute Erfindung." Die Überquerung des Mecklenburgrings hat es auf völlig andere Art in sich: Als wir auf Mitte der Fahrbahn sind, schaltet die Ampel wieder auf Rot, obwohl Jutta Lübchow nicht die Langsamste ist. Von den Beinen her brauche sie eigentlich keinen Rollator, erklärt die 81-Jährige. Sie kenne andere Bewohner, die noch mehr darauf angewiesen seien. Doch die Bandscheiben bereiteten ihr Schmerzen, und so sei das kleine Gefährt eine große Hilfe. "Sie glauben nicht, was das ausmacht." Die Sicherheitsphase zwischen Rot hier und Grün dort reicht offenbar aus, um die andere Straßenseite gefahrlos zu erreichen. Eine längere Grünphase für die Fußgänger würde den Verkehrsfluss auf der Bundesstraße erheblich beeinträchtigen, begründet die zustän dige Behörde ihre Ablehnung einer anderen Ampelschaltung. Wenn Jutta Lübchow zum Arzt gehe, nehme sie lieber den Weg über die Verkehrsinsel ein Stück weiter, der sei ihr sicherer.

An der Kreuzung geht es problemlos über die Luckower Straße. Auch den Gehweg findet die Testfahrerin in Ordnung. Aber auf der Ritterstraße holpert es das erste Mal, und erst recht auf der Kleinen und Großen Belower Furt an der Apotheke. Der Wagen springt wie der Teufel. "Probieren Sie selbst mal", übergibt sie für einige Schritte den Rollator. Hier ist es unebener als auf der Fahrbahn der Luckower Straße. Hier mache ein Rad schnell mal eine Drehung oder stelle sich quer. Selbst das Pflaster auf dem Markt habe es in sich. "Dort kommt einem das Ende so lang vor. Wenn es geht, suche ich mir einen anderen Weg nicht direkt über den Markt, auch wenn der ein paar Minuten länger ist", sagt Jutta Lübchow. Wenn sie zum Kaufhaus wolle, mache sie das genauso.

Bürgermeister Jochen Quandt kennt die Sorgen der älteren Sternberger. Da es für die Sanierung der Straßen seinerzeit Fördermittel gab, habe die Stadt anfragen müssen, ob Veränderungen möglich sind. "Als vor 20 Jahren geplant und gebaut wurde, hat keiner von uns oder bei der öffentlichen Vorstellung der Vorhaben an Rollatoren gedacht", räumt der Bürgermeister ein. "Wir dürfen und werden aber verändern." Straßenübergänge erhalten, wo nötig, einen Streifen, auch gepflastert, aber mit anderen Material, das eben sei, kündigt Quandt an. Begonnen werde in der Luckower Straße an der Kleinen und Großen Belower Furt. Die Ausschreibungen seien durch, im September nach der Urlaubshochsaison solle es losgehen.

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