Andreas Jesse als Windkraft-Lobbyist : Sternberger dreht groß am Windrad

Vier der ältesten, aber auch garantiert  buntesten 500-kW-Windräder in MV stehen seit 1996 in Lübow an der Straße nach Jesendorf. Sie wurden durch einem Künstler bemalt -  nach Ideen von Schülern aus Lübow und Wismar. Dieser Tage war mal wieder der Wartungs trupp gefragt. 'Ich musste lediglich eine Platine wechseln', sagt  Kay T. vom 'Enercon'-Serviceteam aus Schönberg. Das Windrad  hat übrigens   fast 128 000 Betriebsstunden auf dem 'Buckel' und dabei 13,6 Millionen Kilowatt  Strom produziert.  Roland Güttler
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Vier der ältesten, aber auch garantiert buntesten 500-kW-Windräder in MV stehen seit 1996 in Lübow an der Straße nach Jesendorf. Sie wurden durch einem Künstler bemalt - nach Ideen von Schülern aus Lübow und Wismar. Dieser Tage war mal wieder der Wartungs trupp gefragt. "Ich musste lediglich eine Platine wechseln", sagt Kay T. vom "Enercon"-Serviceteam aus Schönberg. Das Windrad hat übrigens fast 128 000 Betriebsstunden auf dem "Buckel" und dabei 13,6 Millionen Kilowatt Strom produziert. Roland Güttler

„Der Gegenwind ist da besonders groß, wo gar keine Windräder stehen“, sagt der Sternberger Andreas Jesse. Der 45-Jährige ist schon seit über 12 Jahren im Bundesverband der Windenergie.

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03. Mai 2013, 10:49 Uhr

Sternberg | "Ich hätte auch in Hamburg oder Berlin mein Büro aufmachen können, aber auch da hätte ich stets fahren müssen. Also warum dann nicht in Sternberg, wo ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin? Und wo ich mich am wohlsten fühle", betont An dreas Jesse. Der 45-Jährige, bis Juni 2000 im Elektroanlagenbau Warin als Bauleiter tätig, hat sich seitdem selbstständig gemacht.

Und als Projekt- und Baubetreuer vor allem im Bereich erneuerbarer Energien, dreht Jesse sozusagen groß am Windrad. Seit über zwölf Jahren gehört der Sternberger dem Bundesverband Windenergie an, zehn Jahre lang ist er zudem dessen Landesvorsitzender. Jesse ist nicht nur in ganz Norddeutschland unterwegs, sondern hat mittlerweile auch Firmen in Polen sowie im marokkanischen Laayoune. "Wöchentlich bin ich einmal in Polen, da kommt jedes Mal ein Tausender aufs Tacho. Insgesamt sind es 5000 Fahrkilometer im Monat." Polen sei nach Deutschland "der nächste Zukunftsmarkt in Sachen Windenergie".

Aktuell ist er gerade dabei eine 300-kW-Anlage in Barth zu demontieren. An anderer Stelle soll dort dafür eine mit 3-MW-Leistung neu entstehen. "Die größten Anlagen haben aktuell 7,5 MW." Eine davon steht bei Neubukow. In der Sternberger Region existiert hingegen seit über zehn Jahren nur eine einzige Anlage - in Hohen Pritz mit 14 Windrädern. Der Bereich Warin - Neukloster ist "spargelfrei". Und es seien, so Jesse "nach dem Raumentwicklungsplan von 2011 in der Region auch keine neuen Eignungsräume für Windenergie ausgewiesen". Allerdings arbeite die Landesregierung an einer Teilfortschreibung, weshalb Sellering & Co. ein dickes Lob vom Lobbyisten Jesse erhalten: "Das Land kämpft wie ein Tiger für die Umsetzung der groß propagierten Energiewende und hat dazu auch einen Bundesratsbeschluss eingebracht."

Allerdings verspürt auch der Windkraft-Verfechter den Widerstand gegen die "Verspargelung" der Landschaft. "Der Gegenwind ist da besonders groß, wo gar keine Windräder stehen und wo in absehbarer Zeit auch nichts geplant ist ", kontert der Sternberger mit Blick auf die jüngsten Proteste etwa durch den Plauer Tourismus-Verein. "Auch Schleswig-Holstein ist ein Tourismusland und da stehen 2920 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 3571 MW (Stand Ende 2012 - d. A.). Zum Vergleich: In MV sind es 1507 mit 1950 MW. Selbst ein Binnenland wie Brandenburg hat mit 3135 Anlagen und 4814 MW entschieden mehr."

In Meckpomm sind 2012 allerdings mit 124 neuen Anlagen (307,92 MW Zubau-Leistung) die drittmeisten nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein entstanden. So bei Bützow, Hohen Luckow, Gägelow/Wismar und Kalsow. "Wir haben aber auch kräftigen Nachholbedarf. Aktuell sind 0,6 Prozent der Landesfläche freigegeben, mit der Umsetzung des Raumentwicklungsplans von 2011 wären es 1,1", so Jesse, der "zwei Prozent als Ziel" in MV sieht. Dieser versteht durchaus den Ärger der Bürger, die "schimpfen, dass sie die Teuerung der EEG-Umlage (erneuerbares Energien-Gesetz - d. Red.) zahlen müssen. Doch die Schuldigen sind ganz andere - die Energieversorger. Die haben jahrelang verschlafen, die Netze auszubauen." Bei der 2013er-EEG-Umlage von 5,21 Ct./ kWh mache, so Jesse, "die Windenergie an Land gerade mal 0,21 Cent/ kWh aus" (siehe nebenstehende Grafik). Dafür steige das Industrieprivileg für Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind, weiter. Und unter "Nachholung von 2012" verberge sich laut Jesse: "Hier haben sich Regierung und/oder E-Versorger verrechnet. Das wird 3013 jetzt draufgeschlagen." Und noch einen kontroversen Punkt führt er an: "Die Preise für Windenergie an der Leipziger Strombörse sind so niedrig wie nie. Ich kenne aber keinen Versorger in der Region, der dies an den Kunden weitergibt."

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