zur Navigation springen

Dreikönigs-Stiftung würdigt Eckardt Meyers Engagement : Sternberger bekommt Sozialpreis

vom

Im kommenden Jahr hat Eckardt Meyer, in Sternberg aufgewachsen, ein Vierteljahrhundert bei der freiwilligen Feuerwehr voll. Nun erreichte ihn die Nachricht, dass er den Siemerling-Preis 2012 zuerkannt bekommen hat.

Sternberg | Mit dem Anruf konnte er zunächst gar nichts anfangen, erzählt Eckardt Meyer und hebt noch einmal ungläubig die Augenbrauen. Er sei völlig sprachlos gewesen. Der Mann am anderen Ende der Leitung habe das wohl bemerkt und dann gemeint, dass alles seine Richtigkeit habe. Rainer Prachtl, einst Landtagspräsident und jetzt Kuratoriumsvorsitzender der Dreikönigs-Stiftung in Neubrandenburg, teilte dem überraschten Sternberger mit, dass ihm gemeinsam mit Andreas Elmer aus Reddelich/Brodhagen der Siemerling-Preis 2012 zuerkannt worden ist. "Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung teilen sich zwei Menschen, die sich im besonderen für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft verdient gemacht haben", begründete Prachtl gestern die Entscheidung des Kuratoriums. Meyer stehe "stellvertretend für Tausende Feuerwehrleute in unserem Land, die sich ehrenamtlich für unsere Sicherheit einsetzen und dabei immer damit rechnen müssen, ihr Leben zu riskieren". Der Sozialpreis des Dreikönigsvereins wurde 1994 erstmals ausgeschrieben. Die Auszeichnung, die die vom Franziskaner pater Laurentius Englisch geschaffene Skulptur "Das Lamm im offenen Buch" symbolisiert, wird Anfang Januar in Neubrandenburg verliehen.

Im kommenden Jahr hat Eckardt Meyer, in Sternberg aufgewachsen, ein Vierteljahrhundert bei der freiwilligen Feuerwehr voll. Er nimmt das digitale Notizbuch zur Hand und kann sogar das Datum seines Eintritts nennen: 15. November 1987. Meyer mischte schon damals beim Sternberger Carneval Club (SCC) mit, bei dem er heute als Vizepräsident und Zeremonienmeister agiert. Zwei Feuerwehrleute mussten bei den Veranstaltungen Brandwache halten. Das seien begehrte Posten gewesen. Bei der Feier am 14. November unterhielt sich Meyer mit den Brandschützern und fragte, ob er bei der Feuerwehr auch Lkw fahren könne. Den ganzen Tag über, lautete die Antwort; am nächsten Vormittag sei übrigens Dienst. Wie vereinbart stand der junge Mann auf der Matte und unterschrieb seinen Aufnahmeantrag. "Das Lkw-Fahren hatte mich besonders gereizt, aber schon mein Opa, Vater und seine Brüder waren bei der Feuerwehr. Das wollte ich dann weiterführen und habe es nicht bereut, obwohl mir die Beiden von der Brand wache nicht erzählt hatten, was da alles dranhängt", erinnert sich der 44-Jährige. Seit 2001 ist er Sternbergs Wehrführer. Durch seine Arbeit als Leiter des Ordnungsamtes, übrigens seit 1. Juli 1990, habe er die Möglichkeit, das mit diesem Aufwand zu machen, sagt Meyer. Sein Chef, Bürgermeister Jochen Quandt, der auch Dienstherr der Feuerwehr ist, "steht voll dahinter".

Menschen retten oder Sachwerte schützen, mache stolz, sagt Meyer ohne Pathos. Er mag keine großen Worte um seine Person, sondern betont immer das vertrauensvolle Miteinander der Kameraden, in der Sternberger Feuerwehr wie im gesamten Amt mit seinen elf Ortswehren. Konkurrenz zwischen ihnen sei fehl am Platze. "Wir brauchen uns gegenseitig. Wer sagt, er schafft das allein, wird irgendwann von der Wirklichkeit eingeholt. Ich glaube, die Ämter, in denen die Zusammenarbeit so funktioniert wie bei uns, kann man suchen. Das hat sich über die Jahre entwickelt", sagt Meyer. Sternberg ist die einzige Schwerpunkt-Feuerwehr und hat die beste technische Ausstattung. 2008 erhielt sie dank Unterstützung von Land, Kreis und Stadt ein Fahrzeug mit Drehleiter. Da gehe ihm das Herz jetzt noch auf, gesteht Meyer. Als am 2. Januar 2010 in der Fischerstraße ein Dachstuhl brannte, sei es nur mit der Drehleiter möglich gewesen, ein Übergreifen des Feuers auf das Nachbarhaus zu verhindern.

Doch es gäbe auch bedrückende Momente, "ganz besonders, wenn es um Kinder geht und man nichts machen kann". Einmal sei ein Kind verbrannt, überall im Haus sei Feuer gewesen, niemand konnte mehr hinein. Ein anderes wurde bei einem Verkehrsunfall getötet. Er selbst sei etwas abseits gewesen, um die Straße abzusperren. "Alle waren total verstört. Zu Hause bin ich erstmal ans Bett unseren Jungen gegangen und habe nach ihm geschaut. Und das trägt man tagelang mit sich herum", sagt Meyer. Dem stünden Unfall opfer gegenüber, die schwer verletzt aus Autowracks gezogen und dem Rettungsdienst übergeben wurden. Ein Mann sei später gekommen und habe sich bei den Feuerwehrleuten bedankt, dass sie ihm das Leben gerettet hätten. Das habe alle sehr gerührt, sei aber die Ausnahme.

Das Kuratorium würdigt auch Meyers Einsatz für den Spielmannszug, der zur FFw Sternberg gehört. "Ihm ist es zu verdanken, dass die Kapelle trotz aller Nachwuchsprobleme heute noch musiziert." Dieses "Steckenpferd" bedeute ihm sehr viel, so Meyer. Er freue sich, dass Jugendliche Spaß am Musizieren hätten. Er würde gern als Trommler dabei sein wie mal sein Vater, doch es fehle die Zeit. Auf dem Hof der Großmutter in Pastin warten Ponys, Hühner, Hund, Katze und vier Trecker, die der gelernte Landmaschinenschlosser selbst pflegt, damit die Wiese mäht und Holz holt.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Dez.2011 | 07:41 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen