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Erfahrungen in Frankreich gesammelt : Sternberger bauen Mittelalterburg

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Zwei Lehrer aus Sternberg, Heike und Thomas Prütz, zog es nach Frankreich. Sie sammelten Erfahrungen mit experimenteller Archäologie und bauten mit Handwerkstechniken aus dem Mittelalters an einer Burg mit.

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erstellt am 12.Okt.2012 | 10:07 Uhr

Sternberg | Es war das historische Interesse, das Heike und Thomas Prütz, beide Lehrer an der Sternberger KGS, zu einem ganz besonderen Urlaubsort zog. In Guedelon, etwa 150 Kilometer südlich von Paris, soll eine Burg entstehen, so hatten sie im Internet recherchiert. Bereits 1996 begannen dort die Bauarbeiten. Das Besondere - gebaut wird unter Bedingungen des Mittelalters, das heißt ohne Baumarkt, Bagger, Kran und Bohrmaschine.

Das Angebot für Interessierte, an diesen Arbeiten teilzunehmen, nutzten sie nun schon zum zweiten Mal. Über ihre Eindrücke und Erfahrungen berichteten sie am Mittwochabend im Freilichtmuseum Groß Raden.

"Eigentlich wollten wir gern zwei Wochen bleiben", so Thoma Prütz, "dann aber waren wir ganz froh, dass die Bestimmungen nur eine Woche für Volontäre zuließen. Die körperlichen Anstrengungen, die ein achtstündiger Arbeitstag unter diesen Bedingungen erforderte, waren doch immens. Aber es hat viel Spaß gemacht."

Bei vielen Gewerken gingen die beiden "Gastarbeiter" in die Lehre. Anhand von Bildern und kleinen Videos hatten sie dokumentiert: hier waren wirklich acht Stunden lang Kraft, Ausdauer und handwerkliches Geschick gefordert. Balken - mit der Axt aus dem Stamm geschlagen, Steine - mit Keilen gespalten, Eisen - aus Erz selbst gewonnen..."Hier habe ich erstmals richtig verstanden, wie ein Meiler funktioniert", kommentierte Thomas Prütz die Bilddokumente zur Arbeit des Köhlers.

"Die Mühsal der Arbeit in früheren Zeiten, auch die lernt man hier richtig zu begreifen", ergänzt seine Frau Heike und erinnert sich an ihre Tätigkeiten beim aufwändigen Reinigen des Lehms von Grobteilen oder beim Spalten von Holz für Dachschindeln. Einblicke gab es auch in die Mühseligkeiten des Transports. Zig Tausende Tonnen Steine wurden mit einfachen Karren bewegt, "Hamsterräder", angetrieben von menschlicher Kraft, beförderten Baumaterial bis zu einem Gewicht von 500 Kilo in die Höhe.Seiler, Färber, Weber, Korbmacher, die Köchin mit ihren mittelalterlichen Rezepten - sie alle haben auf der Baustelle ihre Arbeit und gewähren Einblick in alte Handwerkskunst für die Besucher, jährlich sind es inzwischen 350 000.

Zum Abschuss des Vortrags gab es einen Rundgang per Foto durch bereits fertiggestellte Bereiche der Burg, Kreuzgewölbe, Festsaal, Türme, Wendeltreppen, schwere Türen mit Eisenbeschlägen, beeindruckende Details handwerklicher Kunst.

Eine ganze Kiste voller Anschauungsmaterial hatten Heike und Thomas Prütz an diesem Abend zum "Begreifen" mitgebracht, Holzschindeln, Steinproben, geschmiedete Nägel, ein auf der Baustelle verwendetes Längenmaß …

Als besonders faszinierend erlebten sie das Pendeln zwischen zwei Welten. Am Tage die Baustelle, mittelalterliche Kleidung, kein Handy, nicht mal eine Sonnenbrille war erlaubt, am Abend der Campingplatz und - noch mittelalterlich gekleidet - der Griff zu Handy und Laptop, Anschluss an die Neuzeit!

Wertvoll war für sie auch das Erleben des freundschaftlichen Miteinanders der verschiedensten Nationen. "Mit Ägyptern, Russen, Neuseeländern, Australiern, Niederländern haben wir zusammengearbeitet, haben Kontakt mit vielen Besuchern gehabt", berichtet Heike Prütz und erinnert sich an das Gespräch mit einer französischen Seniorin. "Es ist gut für den Frieden", kommentierte diese, sicher noch Zeugin weniger rühmlicher Zeiten in den deutsch-französischen Beziehungen, das Projekt in Guedelon.

Mit ihrem Vortrag eröffneten Heike und Thomas Prütz die Vortragsreihe des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden in der Wintersaison 2012/13. Bis einschließlich März findet jeweils am ersten Mittwoch des Monats eine Veranstaltung statt.

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