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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 17:21 Uhr

Sternberg : Sternberg offen und tolerant

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Fraktionen der Stadtvertretung haben eine gemeinsame Erklärung gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt beschlossen.

von
erstellt am 08.Okt.2015 | 21:37 Uhr

Zwölf Wohnungen hat die Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (Stewo) dem Landkreis Ludwigslust-Parchim für die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen angeboten. Drei nahm er bislang in Anspruch. Darin leben 15 Flüchtlinge aus Syrien, eine Familie mit Kindern sowie alleinstehende junge Männer, Brüder oder Freunde. Wenige Tage später sind 14 unbegleitete Minderjährige hinzugekommen, die im ehemaligen Seehotel wohnen und in einem speziellen Programm betreut werden.

Diese Fakten zur aktuellen Flüchtlingssituation in Sternberg nannte Bürgermeister Jochen Quandt auf der Sitzung der Stadtvertretung am Mittwochabend. Es gebe eine große Hilfsbereitschaft, aber „auch Vorbehalte und Ängste, die wir sehr ernst nehmen“. Die Kommune erwarte, dass Bund, Land und Landkreis „so abgestimmt zusammenarbeiten, dass wir in die Lage versetzt werden, Hilfe leisten und Fragen beantworten zu können“, schloss der Bürgermeister an. Das sei im Moment nicht gesichert und führe zu den Vorbehalten und Ängsten. Doch alle bisherigen Gerüchte, die in den zurückliegenden Wochen durch die Stadt gewabert seien, hätten sich „wie Seifenblasen aufgelöst“, so Quandt.

Die Frage eines Einwohners, wie viele Flüchtlinge noch nach Sternberg kommen und wie lange jene bleiben, die bereits hier sind, konnte der Bürgermeister nicht beantworten. Es sei Sache des Landkreises, ob und wann er die neun noch zur Verfügung stehenden Wohnungen anmietet. Die Flüchtlinge bleiben, das war bei der Begrüßung der jungen Syrer vor zwei Wochen im Rathaus bereits gesagt worden, mindestens drei Monate in dem ihnen zugewiesenen Ort (SVZ berichtete). Dann erhalten sie Ausweise und können sich in Deutschland frei bewegen.


Wohnungsknappheit ist „Quatsch“


Ein weiterer Einwohner wollte in der Fragestunde wissen, warum sich die Wohnungssuche in Sternberg so schwierig gestalte. Auf Nachfrage Quandts, was damit gemeint sei, sagte der junge Mann, er wolle in eine andere Wohnung ziehen, finde aber keine. Angesichts von Leerstand an Wohnungen sei das für ihn unverständlich, entgegnete Quandt und machte das Angebot, bei Stewo und Wohnungsgenossenschaft zu vermitteln. Darauf ging der Fragesteller allerdings nicht ein. Der Bürgermeister widersprach strikt, dass die Zuweisung von Flüchtlingen zu Wohnungsknappheit in der Stadt führen könne. „Das ist Quatsch.“

Zusätzlich auf die Tagesordnung gekommen war eine gemeinsame Erklärung der drei Fraktionen, die einmütig Zustimmung fand. Darin treten die Stadtvertreter für den Schutz der Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte sowie gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt ein. Bereits auf seiner Sitzung am 15. April habe sich das ehrenamtliche Gremium „für die Aufnahme von Flüchtlingen und deren Unterstützung in Sternberg ausgesprochen“. Seitdem sei der Zustrom nach Europa und Deutschland stetig gewachsen und die Herausforderung riesengroß geworden. Eine Musterlösung zu ihrer Bewältigung gebe es nicht. „Viele Menschen machen sich Sorgen, empfinden in Anbetracht der Größe der Aufgabe Ängste“, heißt es in der Erklärung. „Dies stellt unser Dilemma dar, denn wir wollen helfen, müssen aber erkennen, dass unsere Möglichkeiten begrenzt sind.“ Jede noch so große Hilfsbereitschaft oder Willkommenskultur gehe verloren, wenn die Hilfe für Flüchtlinge zu einer dauerhaft nicht mehr zu bewältigenden Belastung wird. „Auch wir sorgen uns darum.“


Mit Laternen vor die Stadtkirche


In dieser Situation habe die MVgida für Montag auf dem Marktplatz in Sternberg eine Demonstration angemeldet. Diese Bewegung habe in der Vergangenheit immer wieder rechtsextreme Tendenzen gezeigt, sie werde speziell in MV nicht nur als Plattform der NPD genutzt, sondern von ihr zum Teil auch gelenkt. Die Initiatoren wollten Vorurteile, Ängste und Hass gegen Ausländer und Flüchtlinge schüren. Dieser Entwicklung müsse entgegengetreten werden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der drei Fraktionen. „Sternberg lichthell, offen und tolerant“ – unter diesem Motto präsentiere sich die Stadt gegenüber den Flüchtlingen. In diesem Sinne rufen die Stadtvertreter am Montag um 19 Uhr vor der Stadtkirche zu einer Demonstration mit Laternen und Lampions auf.

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