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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 01:35 Uhr

Warin : Steinköpfe treffen Acrylbilder

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Eine gemeinsame Ausstellung von Christoph von Fircks und Jürgen Buchholz wurde im Wariner Naturparkzentrum eröffnet.

von
erstellt am 21.Mai.2015 | 21:36 Uhr

Den ersten Kopf hat er als Grundschüler geformt. Seine ältere Schwester und deren Freundin kneteten mit Lehm. „Das wollte ich auch.“ Der Kopf mit einer Walnuss als Unterlage sei „echt gut“ gelungen. Am nächsten Tag hätten ihn allerdings unzählige Risse durchzogen. Schrumpfender Lehm und quellende Nuss seien eben eine schlechte Kombination für Nachhaltigkeit. Auf amüsante Art beschreibt Christoph von Fircks seine Anfänge bei der Schaffung von Skulpturen. Steinköpfe, die jetzt unter seinen Händen entstehen, sind nachhaltig – und gegenwärtig zusammen mit Bildern von Jürgen Buchholz aus Groß Lantow bei Laage im Wariner Naturparkzentrum zu sehen. Die gemeinsame Ausstellung wurde am Mittwochabend mit einer gut besuchten Vernissage eröffnet. Für einen klangvollen Auftakt sorgte Theo Jörgensmann, Jazzgröße auf der Klarinette.

Er habe später noch oft Köpfe modelliert, setzt von Fircks seine kurzweilige Einleitung fort. „Meistens gefielen sie mir nicht.“ Einer bekam einen Anstrich mit Silberbronze auf Nitrobasis. Der habe entsprechend streng gerochen und den Namen „stinkender Jakobiner“ erhalten. Ein anderer musste von der Vogelscheuche im Garten herunter, weil der Vater erschrak, wenn er in Gedanken versunken von der Arbeit kam.

Viel, viel später habe er bei einem Freund in Hamburg, so von Fircks weiter, einen Bronzekopf gesehen, der ihm und seiner Frau gefiel. Nicht aufgesetzt wirkend und auf Vorzeigen gemacht, wäre der eine Zier im Garten gewesen. Ein Geschäft hatte mehrere Bronzeköpfe, und „einer hätte zu uns gepasst. Aber als ich den Preis sah, da passte er doch nicht zu uns, passte ganz und gar nicht“, erzählt der Wariner schmunzelnd. Da sei ihm die Idee gekommen, es mit Feldstein, Flex und Dremel zu versuchen und selbst ein Weihnachtsgeschenk anzufertigen. Seine Frau „war so nett, sich sehr darüber zu freuen“.

Er werde manchmal gefragt, sagt von Fircks, wie er bei der Kopfherstellung vorgehe. So genau könne er das nicht erklären. „Der Stein gibt fast alles vor. Tut er nicht dergleichen, dann fange ich nicht an.“ Zuerst sorge er für Standfestigkeit des Steines. Standfest zu sein, bedeute Verlässlichkeit. „So entsteht die Freiheit einer guten Partnerschaft. Der Rest ergibt sich.“

Seinen Partner in der Ausstellung, Dr. Jürgen Buchholz, habe er in der Wendezeit kennen gelernt. „Ich war im Betonwerk Ventschow so etwas wie der Türsteher für Einlass begehrende Westfirmenvertreter“, bleibt von Fircks seiner lockeren Diktion treu. Buchholz habe die westlichen Vorschriften mitgebracht, nicht die üblichen „Glasperlen“ für die Eingeborenen, wie Eiskratzer, Kugelschreiber, Flaschenöffner. „Er wurde mein Chef, der beste, den ich hatte.“ Dieser sei vom Dozenten an der Fachhochschule Wismar durch Intelligenz und Menschenkenntnis, „einer brisanten Mischung“, aufgestiegen bis in das höchste Management des Baustoffkonzerns und immer der „Dok“ geblieben, auf den sich alle verlassen konnten. „Als er dieses im Konzern nicht mehr sah, war er standhaft, stieg aus.“ Nach schwerer Krankheit habe Buchholz es geschafft, das wieder aufzunehmen, was er lange verdrängt hatte: die geistige Auseinandersetzung, um etwas darzustellen. Die Schwierigkeit des Malens sei, den eigenen Weg zu finden. „Jürgen Buchholz, so denke ich, ist bei sich angekommen.“ Dieser drückt es so aus: Malen sei für ihn die Möglichkeit, neu schöpfen zu dürfen. Mit den Bildern schaffe er sich eine Intensität und formale Ruhe, die ihn das Leben aushalten lasse.

Für die Ausstellung in Warin hat Buchholz im Unterschied zu der im September vorigen Jahres im Brüeler Bürgerhaus Winterbilder in Acryl ausgewählt, von den Anfängen vor zehn Jahren bis heute. Sie würden seine „Wegsuche“ zeigen, denn er habe systematisch an sich gearbeitet, so der Künstler gegenüber SVZ. Den Sommer über widme er sich im Atelier der abstrakten Malerei in Öl.

Die Berliner Renate und Bernd Kreuscher, seit 25 Jahren regelmäßig in ihrem Wariner Feriendomizil, erfreuen sich an der Ausstellung. Sie wollen künftig mehr am Leben in der Stadt teilnehmen, nachdem zuvor das Grundstück viel Zeit abverlangt hatte.

Die Ausstellung dauert bis zum 30. Juni und kann mit einem Besuch der naturkundlichen Dauerausstellung verbunden werden. Der Eintritt ist frei. Das Naturparkzentrum hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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