zur Navigation springen

Serie „Sternberger Kuchen“ – Teil 15 : Steinchen aus den Ohren

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die nur wenige Millimeter langen Otolithen sorgen bei Fische für den Gleichgewichtssinn.

von
erstellt am 12.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Während einzelne Individuen, eingestreut im Muschelschill des Sternberger Gesteins, allgegenwärtig sind, werden ganze Pflaster mit zusammen geschwemmten Exemplaren deutlich seltener gefunden. Die Abbildung zeigt ein – in der Kiesgrube Kobrow gefundenes Handstück aus meiner Sammlung – mit dicht an dicht liegenden Gehörsteinen (Otolithen), die als Reste von Echten Knochenfischen (Teleostei) überliefert wurden.

Die aus kalkigem Material aufgebauten Gehörsteine kommen im stato-akustischen Organ (Innenohr) der Fische vor, wo sie für das Hörvermögen und für den Gleichgewichtssinn verantwortlich sind und somit dem Fisch wichtige Informationen über die Orientierung im Wasser liefern. Jeder der meist nur wenige Millimeter langen Otolithen hat eine charakteristische, gut bestimmbare Gestalt, die einer Fischart zugeordnet werden kann.

Da komplett erhaltene Fischskelette aus dem Oligozän eine absolute Rarität sind, lassen sich somit fossile Arten bzw. ganze Faunen nachweisen, ohne einen Knochen der Tiere vorliegen zu haben.

Für das Sternberger Gestein konnten anhand der unterschiedlichen Otolithen bisher 75 Arten von Echten Knochenfischen identifiziert werden, wobei ein Großteil zur Familie der Dorsche (Gadidae), gehört. Aktuell ist eine Revision der Fischfauna aus dem Sternberger Gestein in Arbeit, die durch einen Wissenschaftler vom Royal Belgian Institute of Natural Sciences durchgeführt wird.

Aufgrund des deutlichen Rückgangs der Dorsch-Population in der Ostsee und den damit verbundenen Fangbeschränkungen führt das Rostocker Thünen-Institut für Ostseefischerei seit Oktober 2014 Untersuchungen an lebenden Jungdorschen durch. Auf diese Weise soll herausgefunden werden, wie alt Dorsche bei einer bestimmten Länge sind, wie schnell sie wachsen und sich verbreiten.

Hierzu wurden die Dorsche äußerlich mit einer Kunststoffmarke an der Rückenflosse markiert. Zusätzlich erfolgte eine innerliche Markierung durch einen Farbstoff, der sich an den Gehörsteinen anlagert. Da Otolithen Wachstumsringe (Sommer- und Winterringe, vergleichbar mit den Jahresringen bei Bäumen) aufweisen, kann für die Altersbestimmung der Dorsche die Zuwachsrate und damit die Zeit nach Einbringung der Farbmarkierung abgelesen werden.

 



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen