Brüel : Stammtisch wie ein Klubkonzert

Beim 7. Wirtschaftsstammtisch in Brüel hatte Gastgeberin Gabriele Schumacher-Poschmann Michael Kremp, Geschäftsführer des Seehafens Wismar, auf dem Roten Sofa.
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Beim 7. Wirtschaftsstammtisch in Brüel hatte Gastgeberin Gabriele Schumacher-Poschmann Michael Kremp, Geschäftsführer des Seehafens Wismar, auf dem Roten Sofa.

Zur siebenten Auflage kamen weniger Gäste – aber sie hatten eine Vielzahl fachlicher Fragen. Zu Gast auf dem Roten Sofa in Brüel war der Wismarer Hafenchef.

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03. Juli 2015, 21:16 Uhr

Die Runde im „Mecklenburger Hof“ war diesmal sichtlich kleiner. Eigentlich wie erwartet. Fanja Pon, Michael Klingohr alias Bauer Korl oder Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung in MV, die zuletzt auf dem Roten Sofa von Gastgeberin Gabriele Schumacher-Poschmann saßen, sind in der Region bekannter als Michael Kremp. Der Geschäftsführer des Wismarer Seehafens war Gesprächspartner beim nunmehr

7. Wirtschaftsstammtisch.

Sie vergleiche die Veranstaltungen nicht, so Schumacher-Poschmann mit Blick auf den überschaubaren Teilnehmerkreis. Und es sei nicht das Wichtigste, den Saal bis auf den letzten Platz zu fül-len, sondern dass das Thema interessierte Leute anspricht. Diese würden „gezielt kommen und mit neuem Wissen nach Hause gehen“. Sie seien „gute Multiplikatoren“.


Neues Traumschiff legt am 10. Juli an


Der Gast hatte auch kein Problem damit, nur einem Dutzend von Besuchern gegenüber zu sitzen. „Ich finde, das ist ein angenehmes Format, schön locker wie bei einem kleinen Klubkonzert. Da fühlt man sich auch besonders wohl“, meinte Kremp, im Anschluss nach seinem Eindruck befragt. Positiv überrascht gewesen sei er von den fachlichen Fragen, die reges Interesse verdeutlichten und schnell einen Dialog in Gang brachten. So habe er das nicht erwartet, sagte der Chef des Seehafens, obschon er die Einladung der Brüeler Unternehmerin ohne Zögern gern angenommen habe.

Wismar und Brüel würden letztlich nur wenig auseinander liegen; und Berührungspunkte gäbe es seit langem, fügt Schumacher-Poschmann an. Die Mathias-Thesen-Werft hatte ein Ferienlager am Roten See in Kronskamp. Viele Leute aus Brüel und Umgebung würden in Wismar arbeiten. Der Seehafen, der in der Region eine große wirtschaftliche Rolle spiele, habe auch für die hiesigen Touristiker genau in der Mitte des Dreiecks zwischen Schwerin, Wismar und Güstrow Bedeutung. Am 10. Juli lege dort das neue Traumschiff an. Es sei wie andere Kreuzfahrer eine Attraktion und ziehe in Scharen Schaulustige an. Und selbst der ganze normale Güterumschlag finde mitunter zahlreiche Zaungäste, hat der Geschäftsführer festgestellt. „Das Hafengelände ist zwar wie überall abgesperrt, doch die Leute kommen bei uns näher an die großen Schiffe heran als anderswo. Außerdem liegt es fast mitten in der Stadt“, sagt Kremp.

In den nächsten Jahren soll der Seehafen weiter wachsen. So entstehen eine 332 Meter lange Kaianlage sowie eine 41 500 Quadratmeter große Erweiterungsfläche, die aufgespült wird und dann Gleisanschluss wie Straßenanbindung erhält. Bis Mitte 2018 soll alles fertig sein. Die Investition umfasst 35,6 Millionen Euro. Von Bund und Land kommt ein Zuschuss von ca. zwei Dritteln. Ministerpräsident Erwin Sellering und
Minister Christian Pegel haben im Juni einen Fördermittelbescheid über 23,5 Millionen Euro überbracht. Die verbleibenden zwölf Millionen muss der Seehafen selbst beisteuern. Kremp zufolge sollen die Bauarbeiten im Oktober beginnen.

Wismar ist mit einem durchschnittlichen Jahresumschlag von ca. vier Millionen Tonnen der zweitgrößte Umschlagplatz in MV. Die größten Posten nehmen Holz, Kali- und Salzprodukte sowie Schrott ein. Der Hafen, dessen Hauptgesellschafter die Hansestadt mit 90 Prozent ist und dazu das Land mit zehn Prozent, hat bislang Liegeplätze für 15 Schiffe. Mit Holzverarbeitungs- sowie Zulieferbetrieben für die Offshore-Windkraft-Branche haben sich seit Ende der 90er-Jahre auch Unternehmen direkt an der Kaikante angesiedelt.

Als weiteres wichtiges Vorhaben will der Seehafen die Fahrrinne von 9,50 auf 11,50 Meter vertiefen. Um es realisieren zu können, setzt sich das Land dafür ein, dass das Riesenprojekt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Damit würde die Leistungsfähigkeit deutlich steigen. Als beispielsweise im Juni ein Frachtschiff mit Auftausalz für die USA beladen wurde, konnte es wegen der zu geringen Wassertiefe in der Hafenzufahrt Wismar nur 22 000 statt sonst möglicher 35 000 Tonnen aufnehmen.

Wie üblich beim Brüeler Wirtschaftsstammtisch wollte die Gastgeberin auch Persönliches wissen. Unter anderem, ob es für den Chef eines Seehafens ein Muss sei, schwimmen zu können. Er könne schwimmen, ein Muss sei das freilich nicht, entgegnete Kremp und setzte schlagfertig hinzu: Für jeden Unternehmer sei es von Vorteil, den Kopf über dem Wasser halten zu können.

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