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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. November 2017 | 01:09 Uhr

Sternberg : Sporthalle wird zur Opernbühne

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Sternberger Grundschüler erleben „Die Zauberflöte“ in kindgerechter Aufführung.

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 20:37 Uhr

Die Turnbänke sind auf einer Hälfte des Parketts zu Sitzreihen zusammengestellt. Weil die nicht ausreichen, liegen davor noch Matten. Gegenüber steht das bunte Bühnenbild. Von der Empore kommen ungewohnte Stimmen, die sich einsingen, bevor die Aufführung beginnt. Die Sporthalle am Finkenkamp wird an diesem Vormittag zur Opernbühne. Die neun Klassen mit fast 200 Mädchen und Jungen an der Sternber-ger Grundschule „Alexander Behm“ haben keinen Unterricht, sondern erleben „Die Zauberflöte“, Mozarts am häufigsten aufgeführte Oper.

„Im ersten Schulhalbjahr fahren wir ins Schweriner Theater, nach den Winterferien organisieren wir hier eine Veranstaltung“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Viola Petra Marx. „Im Vorjahr war es Umwelttheater, jetzt geht es mehr musikalisch zu.“ Ermöglicht wird die Aufführung durch Sponsorengelder von Firmen aus Sternberg und Umgebung, fügt Schulleiterin Heike Schwedt hinzu. „Dafür sind wir sehr dankbar.“

Die KinderOper Bravissimo, kurz KOBRA, kommt aus der Nähe Weimars. Sie bestreitet ihre 16. Spielzeit, ist seit 2006 als eigenständiges deutsches Kulturinstitut staatlich anerkannt und tritt bundesweit auf, „von Sylt bis Garmisch-Partenkirchen, von Frankfurt/
Oder bis Aachen“, sagt Christoph Reinecke, Intendant und künstlerischer Leiter.

Alle Sänger hätten eine Hochschulausbildung und an Theatern gearbeitet, betont Reinecke. Er selbst sei Musikpädagoge und absolviere noch eine Ausbildung zum Musiktherapeuten, wohl wissend, welche Kraft Musik habe. Der eigene Anspruch sei groß. Eine „gern singende Hausfrau“ würde da nicht hineinpassen.

Dass die Oper in einer Sporthalle aufgeführt wird, sei das Ensemble gewöhnt. „70 Prozent der Schulen haben keinen anderen Raum. Darauf kommt es auch gar nicht an, entscheidend ist das kulturelle Interesse an der Schule. Dann funktioniert der Zauber des Theaters“, ist Reinecke überzeugt. Die Schüler würden ganz schnell vergessen, dass sie in einer Turnhalle sitzen. „Und interaktive Elemente helfen, die Hemmschwelle zu nehmen. Bei uns heißt es nicht, still sitzen und die Klappe halten, es soll ein kulturelles Erlebnis für die Kinder sein“, sagt der künstlerische Leiter.

Kindern und Jugendlichen die Scheu vor den Formen des Musiktheaters zu nehmen, sei das Hauptanliegen. Die Akzeptanz dieses wichtigen Teils der abendländischen Kultur befinde sich immer weiter auf dem Rückzug und erfasse leider auch schon die Elterngeneration der heutigen Schulpflichtigen, bedauert Reinecke. Dem entgegen zu wirken, hätten sich die KOBRA-Mitstreiter verschrieben. Ihr Credo: Nicht stures Verhalten auf alten Traditionen, sondern die Vermittlung von Spaß und Freude an klassischer Musik in all ihren Facetten soll der verbreiteten Ablehnung bei der Jugend entgegen gesetzt werden.

Schon bei der Einführung in die Oper bezieht Reinecke die Kinder ein. Auf seine Fragen gehen wie sonst im Unterricht mehrere Finger hoch. Später in der Szene, in der im Opernhaus Balletttänzer als wilde Tiere und Helfer von Sarastro auf die Bühne schweben, werden Schüler mit selbst gebastelten Masken zu Akteuren. „Wir geben vorab eine Information. Es soll kein Riesenaufwand für die Schule sein, doch so können sich die Kinder beteiligen“, erklärt Reinecke. Schon zuvor im Gewand der Schlange, die von der Königin der Nacht vertrieben wird,
stecken vier Schüler.

Zwischendurch wird das junge Publikum auch mal lauter. Und ein Raunen geht durch die Reihen, als die schöne Prinzessin Pamina erstmals in
Erscheinung tritt. Nun, die Arien sind offensichtlich nicht jedermanns Sache. Doch dass alle Kinder gleich Opernfreunde werden, erwartet auch Vollprofi Christoph Reinecke nicht.

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