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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 03:08 Uhr

Sternberg : Spendenschwein für einen Treppenlift

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Bei Brillen-Müller in Sternberg summieren sich auch kleine Beträge. Nach SVZ-Artikeln entwickelte sich breite Unterstützung für eine junge Frau aus Mankmoos.

von
erstellt am 07.Jan.2015 | 16:51 Uhr

Mancher Kunde möchte gern ein Trinkgeld
geben. Dann rückt Augenoptikermeisterin Marion Müller das große, bunt bemalte Sparschwein auf dem Ladentisch zur Mitte und erklärt, wofür das Geld gedacht ist. „Das ist gewissermaßen ein Spendenschwein“, sagt sie schmunzelnd. Damit unterstützt die Sternbergerin diesmal eine Spendenaktion für Tanja Techentin aus Mankmoos, über die SVZ mehrmals berichtet hat.

Die junge Frau leidet an spinaler Muskelatrophie. Ein genetischer Defekt gilt als Ursache für den hochgradigen Muskelschwund, der vom ersten Lebensjahr an zu schwerster Körperbehinderung geführt hat. Tanja liegt
in einem maßgefertigten Wagen. Wenn es nach draußen gehen soll, der Vater aber zur Arbeit ist, braucht ihre Mutter Katja Techentin fremde Hilfe, die sich in dem kleinen Dorf tagsüber schwer finden lässt.


Auch ein oder zwei Euro summieren sich


Die Lösung: ein Lift für die Außentreppe des Hauses. Von der Krankenkasse kommt nur ein geringer Anteil des benötigten Geldes. Deshalb gab Hans-Jürgen Zutz, der die Familie kennt, im Juli 2014 den Anstoß, sich über die SVZ an die Öffentlichkeit zu wenden. Er ist seit dem Vorjahr Wariner Stadtvertreter aus dem Ortsteil Klein Labenz.

Nach verhaltenem Start und einem weiteren SVZ-Beitrag kam eine Welle der Unterstützung ins Rollen. „Es hat seine Zeit gebraucht, aber dann lief die Spendenaktion super. Da ist dann ganz schön was abgegangen“, freut sich auch Hans-Jürgen Zutz.

Die Sternberger Augenoptikermeisterin hat das Spendenschwein, dessen Inhalt stets einem guten Zweck in der Region dient, bereits einmal geleert. Vor Weihnachten und Jahresende würden Kunden besonders häufig „ein Trinkgeld da lassen oder jeweils nach ihren Möglichkeiten spenden“, sagt Marion Müller. Auch ein oder zwei Euro summierten sich mit der Zeit. Rund 50 Euro enthielt das Sparschwein, als es zum ersten Mal seinen Inhalt hergeben musste. Die Geschäftsfrau, die ihr Fach in Jena gelernt und studiert, dann in Industrieläden von Carl Zeiss gearbeitet hat und sich am 1. Juli 1993 in Sternberg selbstständig machte, als der alt eingesessene Optiker schräg gegenüber ebenfalls in der Kütiner Straße in den Ruhestand ging, legte noch einen Hunderter dazu und überwies 150 Euro auf das Spendenkonto. Danach habe sie sich gleich erkundigt, so Müller, als ihr die Aktion in der SVZ aufgefallen war.

„Wenn die Leute wissen, wo ihr Geld bleibt und völlig unbürokratisch damit geholfen wird, ist die Bereitschaft zu spenden am größten“, hat Müller festgestellt. Sie wollten Gewissheit haben, dass das Geld dort ankomme, wo es dringend gebraucht werde. „Den Kunden, denen ich von dieser Spendenaktion für Tanja erzählt habe, fanden das gut.“ Das Sparschwein stehe weiter auf dem Ladentisch bereit und könne gefüttert werden, ob mit Geldscheinen oder Münzen, sagt Marion Müller.

Der Silvesterlauf, den der Inlineskating-Verein Witzin jährlich veranstaltet, wurde bei seiner nunmehr 16. Auflage zum Spendenlauf. Starteinnahmen, dazu Spendengelder sowie Erlöse aus dem Verkauf von Speisen und Getränken erbrachten eine Summe von 400 Euro für den Treppenlift.


Hauptsponsor mit einem guten Herz


Zudem sei eine Reihe kleinerer und größerer Beträge eingegangen, sagt Hans-Jürgen Zutz, der übers Internet (hans.zutz@gmx.de bzw. tanja.techentin@web.de) weitere Informationen und die Bankverbindung bereit hält. Und ein Hauptsponsor aus der Region, der gleichfalls auf die SVZ-Veröffentlichung reagiert hat, aber ungenannt bleiben möchte, übernimmt den größten Teil der benötigten Summe. „Der Mann hat ein gutes Herz und ein gutes Händchen, wo Hilfe gebraucht wird“, meint Zutz tief bewegt. Die Familie in Mankmoos sei „überglücklich“. Denn erst habe sie sich allein gelassen gefühlt, „und auf einmal kümmert sich die ganze Welt“.

Eine niederländische Familie, die selbst von einem solchen Fall betroffen ist, hat die benötigten 9600 Euro für den Speziallift vorgeschossen und ihn nach Mankmoos gebracht. Für die Refinanzierung läuft die Spendenaktion noch bis Mitte Januar.

 

 

 

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