A14 : Spektakuläre Brunnenfunde

Bisher nicht publik gemacht: Der beim A14-Bau in Beckentin bei Grabow gefundene Baumstammbrunnen ist bronzezeitlich (1000 bis 800 v.u.Z.)
1 von 2
Bisher nicht publik gemacht: Der beim A14-Bau in Beckentin bei Grabow gefundene Baumstammbrunnen ist bronzezeitlich (1000 bis 800 v.u.Z.), Fotos: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV

In Beckentin bei Grabow wurden im Herbst 2014 Brunnen aus zwei Epochen gefunden: Röhrenbrunnen aus der Bronzezeit und Kastenbrunnen aus der Slawenzeit

23-11371790_23-66107974_1416392433.JPG von
25. März 2015, 22:29 Uhr

Groß Raden/Schwerin Einmal im  Jahr treffen sich die aktuell 46 Grabungsleiter des Landes –  zum dritten Mal hintereinander im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden. Am Sonnabend zwischen 9 und 16 Uhr ist es wieder soweit. „Es wird ein harter Tag“, so die gastgebende Museumsleiterin Heike Pilz angesichts der gleich 17 Vorträge.

Den Anfang macht Marlies Konze, die Ausgrabungsleiterin beim Schweriner Schloss. Laut Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen ist das eine „schwierige Baustelle. Es gibt noch keinen Endtermin  der Grabungen.“  Marlies Konze und ihre Mannschaft seien gegenwärtig  „im vorletzten Segment“ des hölzernen Wallkomplexes   (965 bis 970 n. Chr.). Weitere Themen in Groß Raden sind unter anderem die „mittelalterliche Kalkbrennerei in MV“ und die  „Eisenverhüttung in  einer Älter Kaiserzeitlichen Siedlung bei Klevenow“, Landkreis Vorpommern-Rügen.

Zudem spricht Dominik Forler, der Grabungsleiter beim A 14-Weiterbau erstmals über  die spektakulären Brunnenfunde in Beckentin bei Grabow, was deren Zahl und Erhaltungszustand  betrifft. Wie Dr. Jantzen auf SVZ-Nachfrage bestätigte, wurden „die Funde bisher nicht publik gemacht“. Genaueres könne Dr. Jens-Peter Schmidt sagen, der im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege seit 1993 das Referat Sonderprojekte leitet. Dazu gehörten solche Großbaustellen wie die Erdgastrassen Opal und NEL, hier waren die Archäologen von 2008 bis 2011 zugange. Oder eben der aktuelle  Weiterbau der A 14 im Raum Grabow. Auf einer Fläche von nur 400 m2 wurde „ein ganzes Fass aufgemacht, ein Brunnen nach dem anderen trat zutage“, so die Worte von  Dr. Schmidt, der nach eigenem Bekunden bei dem Thema immer noch glasige Augen bekommt. „Beckentin ist schon Klasse. Ich habe seit 1993 schon vieles gesehen, aber so was noch nicht!“

In Beckentin wurden  im Herbst 2014 Brunnen aus zwei Epochen gefunden: Ausgehöhlte Baumstämme als Röhrenbrunnen, „die offensichtlich aus der jüngeren Bronzezeit  von 1000 bis 800 vor unserer Zeitrechnung stammen“, so Dr. Schmidt. „Zudem sind es Kastenbrunnen aus der Slawenzeit. Hier liegen die  dendrologische Daten bereits  vor – um das Jahr 820 nach Christus.“ In einem Slawenbrunnen lag zudem ein großer Holzeimer von 65 cm Höhe und einem 44er-Durchmesser. Dr. Schmidt: „Bis auf den Boden ist er vollständig, so was haben wir noch nicht gehabt.“

Und noch ein anderer Vortrag verspricht Spannung: „Hinweise neuzeitlicher Glasproduktion in Badow“ von Dr. Frank Wietrzichowski.  Im Zuge  des Baus eines  Windenergieparks in dem  Dorf bei Lützow wurde am künftigen Startort sowie der Zuwegung von Dr. Wietrzichowski und seinem Team „ein stehendes und ein liegendes Glaszentrum der frühen Neuzeit entdeckt.  Anhand von  Abfallprodukten wie Reste der Glasschmelze sowie  Flaschen, Schalen und Bechern, aber auch durch Münzfunde konnte das Jahr exakt auf 1714 datiert werden. „Damals wurde die Glashütte  von Dümmer nach Balow umgesetzt“, so der Archäologe. „Erstmals wissen wir jetzt, wie groß wirklich die Öfen waren. Bisher hatten wir nur Urkunden über solche Hütten“, erläutert der in Wessin wohnende Dr. Wietrzichowski.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen