zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

17. Oktober 2017 | 08:08 Uhr

Groß Raden : Spannende Feuerstellen aus Bronzezeit

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Schon die frühen Vorfahren schmausten in Geselligkeit gegartes Fleisch. Das belegt ein Vortrag im Ärchäologischen Freileichtmuseum Groß Raden.

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 16:50 Uhr

Auch die Menschen im Bronzezeitalter liebten schon das gemeinsame Schmausen in der Geselligkeit. Ähnlich zu vergleichen mit unserem heutigen Grillverhalten in der Freizeit.

Dazu hoben unsere frühen Vorfahren eine mulden- und wannenähnliche Grube aus von etwa einem bis 1,50 Meter Länge, legten schichtweise Steine und Holz hinein, entzündeten die Feuerstelle und deckten sie ab. Zwischen die heißen Steine wurden die Speisen gelegt, die Stunden später dann verzehrt werden sollten. So könnte es bei der früheren Schlemmerei gewesen sein, mutmaßte Dr. Jens Peter Schmidt vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege am Mittwochabend in seinem Vortrag im Hauptgebäude des Archäologischen Freileichtmuseums in Groß Raden. Der stand unter dem Titel „Feuer, Fleisch und Festtagslaune“ und befasste sich mit den Ausgrabungsstellen von Feuerstellen der Bronzezeitlager in Naschendorf in den Jahren 2010/2011.


Über 300 Plätze bei Jesendorf als Oberflächenfunde entdeckt


Seit 1970 wird in Naschendorf Kies abgebaut, verstärkt erfolgte der Abbau in den 1990er-Jahren. Bisher sind von diesem Fundplatz 290 Feuerstellen bekannt. Diese werden in zwei Typen eingeteilt: in ungeregelte- und Haufenfundstellen. Angelegt in sieben Reihen auf einem 160 Meter breiten und 84 Meter langen Streifen. In den Feuermulden fanden die Archäologen zwischen 100 und 500 vom Feuer zermürbte Steine. Holzkohlefunde belegen, dass Brennmaterial von Eiche, Ahorn und Kernobst verwendet wurde. Zwar fanden sich auch Keramikscherben an einigen Feuerstellengruppen, die aber einer anderen Zeit zugeordnet werden mussten; ansonsten war das Fundmaterial spärlich, erfuhren die Gäste. Fest steht, dass der Fundstellenplatz über einen längeren Zeitraum von den Bronzezeitmenschen aufgesucht wurde.

„In elf Tagen waren die Ausgrabungen abgearbeitet. Das ist nicht nur den Mitarbeitern zu verdanken, sondern auch der guten Zusammenarbeit mit der
Geschäftsleitung des Kieswerkes“, so Dr. Schmidt. „Wir unterstützten mit unserer Technik vor Ort. Ich hatte die ersten Fundstellen gemeldet und natürlich alles live verfolgt. So waren wir bestens informiert über den Verlauf“, sagte Peter Klüdtke. Er ist seit 22 Jahren Geschäftsführer des Naschendorfer Kieswerkes und hatte zu dem Vortragsabend seine Frau Karin mitgebracht.

Mehr als 300 Plätze wurden auch bei Jesendorf in der Nähe des Tarzower Sees im Zuge des Autobahnbaus als Oberflächenfunde entdeckt. 26 nachweisliche Feuerstellen gibt es insgesamt in Mecklenburg. Oftmals lagen sie in der Nähe von Gewässern, auf Höhen, an Oberhängen, immer an exponierten Lagen. Noch heute wird auf den Osterinseln zu besonderen Anlässen ein Umu (Erdhaufen) in Betrieb genommen. Die Speisen werden schichtweise zwischen die heißen Steine gelegt. Auch hier findet das Essen einige hundert Meter ab von der eigentlichen Ortslage, so wie bei den Bronzezeitmenschen.

„Den eigentlichen Anlass, den die Menschen damals hatten, um solche Feuerstellen anzulegen, und warum nicht immer ein und dieselbe Stelle
genutzt wurde, können wir heute nur mutmaßen. Vielleicht war der Anlass die Sonnenwende oder eine Ahnenehrung. Die Menschen liebten aber anscheinend das Essen in der Geselligkeit“, so Dr. Jens Peter Schmidt.

Die Eickelbergerin Andrea Haß, die ihren Mann Stephan Haß immer zu Vortragsreihen nach Groß Raden begleitet, sagte: „Mir war es bisher unbekannt, das es solche Orte mit massenweise Feuerstellen gab. Eine Feuerstelle im Lager, dass wusste man ja, aber etwas außerhalb und dann so viele, das ist spannend. Enorm finde ich, dass alles geometrisch in Linie angelegt wurde. Schade, dass man nicht genau weiß, zu welchem Zweck diese Plätze genau angelegt wurden. Vielleicht trafen sich dort die Clans zur Beratung oder Großfamilien? Auf welche Art und Weise fällten sie die Bäume, waren es große oder kleine? War es ein freier Platz oder von Wald umgeben? Es sind noch so viele Fragen, die mich dazu interessieren würden.“ Und Wilfried Böttcher, der mit Frau Ute aus Rostock angereist war, meinte: „Uns interessieren meistens die Themen, die hier, verständlich für Laien, vorgebracht werden, und wir erfahren immer etwas Neues über die Geschichte. Ich finde nach diesem Vortrag, dass Mecklenburg damals vielleicht doch gar nicht so sehr dünn besiedelt war. Wer weiß, wie viele unentdeckte Feuerstellen es noch gibt.“





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen