zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 10:47 Uhr

Sternberger Seenland : Sorgen um Holzbrücke bleiben

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Eine bezahlbare Variante für die Erneuerung im Warnowdurchbruchstal lehnt die Naturschutzbehörde ab. Im Sternberger Haushalt ist Geld für Reparaturen eingestellt.

von
erstellt am 21.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Mehr Idylle und Urwüchsigkeit als im Warnowdurchbruchstal geht hier zu Lande kaum. Und dort führt eine Holzbrücke für Fußgänger von Groß Görnow aus über den stellenweise ungestümen Fluss, ermöglicht Wanderern, die bei Klein Raden zurück auf diese Seite gelangen, einen Rundkurs. Aber die beliebte Warnowquerung bereitet Sorgen. Als vor knapp drei Jahren bei einem Unwetter die Krone einer riesigen Buche darauf gestürzt war, musste sie gesperrt werden, aus Kostengründen drohte sogar ihr Aus. Von Rangern des Naturparks Sternberger Seenland in Ordnung gebracht und auch danach mehrmals ausgebessert, lässt sich die Brücke wieder sicher passieren. Zu wenig allerdings, damit das auf Dauer so bleibt.

Zwei Varianten nicht umsetzbar

Ein Neubau wie ursprünglich würde rund 125 000 Euro kosten, sagt der Sternberger Bürgermeister Armin Taubenheim. Die in Aussicht gestellte Förderung beliefe sich auf 90 000 Euro; für die Stadt, die in der Verantwortung steht, bliebe folglich ein Eigenanteil von 35 000 Euro. „Das hätten wir sofort gemacht“, so der Bürgermeister.

Dann begann das Ungemach: Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) habe die Auflage erteilt, bei dem Neubau ein Brückenfeld auf zwölf Meter zu erweitern, damit Treibgut ungehindert mit der Strömung fließe. Dazu müssten Stahlträger eingebaut werden, sonst sei die Statik nicht gewährleistet. Zur Gründung seien zwei Varianten vorgelegt worden. Die Stadt habe neben dem Ingenieurbüro aus Borkow, das das Vorhaben planerisch betreut, noch Spezialisten aus Raben Steinfeld, die sich hauptsächlich mit Brücken befassen, zu Rate gezogen.

Brunnenringe ins Flussbett zu bringen und mit Beton zu füllen, habe die Naturschutzbehörde sofort abgelehnt. Bliebe folglich nur Pfahlgründung. Die Finanzierung sei geprüft worden: 294 000 Euro. Bei einer möglichen Förderung von 215 000 Euro hätte der Eigenanteil 79 000 Euro betragen. „Bis dahin sind wir noch mitgegangen, um die einzigartige Holzbrücke zu erhalten. Auch der Hauptausschuss hat das befürwortet“, sagt Taubenheim.

Die Untersuchung des Baugrundes habe jedoch schwierigste Gründungsverhältnisse mit meterdicken Gesteinsschichten ergeben. Somit wäre schweres Gerät notwendig. In einem Naturschutz- und FFH-Gebiet nicht machbar, entschied die Naturschutzbehörde. Es ist ein nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesenes spezielles europäisches Schutzgebiet für Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und Habitate (Lebensraumtypen). Nicht einmal die Absicht eines Professors aus Rostock, mit Wathose die Bachmuscheln in dem Bereich behutsam einzusammeln und umzusetzen, habe nichts am behördlichen Bescheid ändern können, sagt der Bürgermeister. Gegenwind sei vor allem aus dem Landkreis Rostock gekommen, der für die andere Uferseite zuständig sei.

Die nächste Variante der Planer aus Raben Steinfeld habe eine Brücke ohne Stützen im Flussbett vorgesehen – mit Widerlagern zu beiden Seiten sowie einem Pylon, der die Leichtbaubrücke aus Aluminium abfängt. Die Naturschützer hätten Hurra gerufen, dies sei der geringste Eingriff in die Natur, erzählt der Sternberger Bürgermeister. So eine Brücke würde sicher Jahrzehnte überdauern, passe aber überhaupt nicht in diese Landschaft und sei mit rund einer halben Million Euro viel zu teuer. „Diese Summe ist keinem Bürger zu vermitteln. Wir haben Fördermittel deshalb gar nicht erst geprüft, sondern die Variante verworfen“, sagt Taubenheim.

Jetzt bleibt es bei Reparatur und Instandhaltung. Die Stadtvertretung hat jeweils 35 000 Euro in die Haushalte 2017 und 2018 eingestellt. Doch damit ist die Holzbrücke nicht erneuert, sondern kostet auch danach Geld. Noch einmal zum Vergleich: Bei der ersten Variante hätte die Stadt einmalig einen Eigenanteil von 35 000 Euro, bei der zweiten Variante von 79 000 Euro – für eine neue Brücke.

Nutzungsvereinbarung – aber kein Zuschuss

Mit der Gemeinde Warnow gebe es eine Nutzungsvereinbarung für das andere Flussufer. An Finanzierungshilfe sei allerdings nicht zu denken, sagt Taubenheim. Als flussabwärts von Klein Raden aus „mit Riesenaufwand“ eine Brücke errichtet worden sei, um den Rundweg zu ermöglichen, habe sich Sternberg auch nicht beteiligt. Bis die Reparaturarbeiten voraussichtlich im Herbst beginnen, kontrollieren die Ranger regelmäßig die Brücke, erledigen Kleinigkeiten selbst, damit sie begehbar bleibt und niemand zu Schaden kommt.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen