Warin : So behindertengerecht ist Warin

Seit 2014 fertig: Beim Bau der Treppe wurden die Belange von Behinderten nicht berücksichtigt, ärgert sich der Wariner Wolfgang Griese, Vorsitzender des Behindertenbeirates in Nordwestmecklenburg.
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Seit 2014 fertig: Beim Bau der Treppe wurden die Belange von Behinderten nicht berücksichtigt, ärgert sich der Wariner Wolfgang Griese, Vorsitzender des Behindertenbeirates in Nordwestmecklenburg.

Wolfgang Griese: Stadt ist „in Sachen Barrierefreiheit absolut am Anfang“.

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06. März 2018, 20:45 Uhr

Wenn es um Barrieren geht, wird er ungeduldig. Seit nunmehr 18 Jahren ist der Wariner Wolfgang Griese Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderung im Landkreis Nordwestmecklenburg. Und auch mit fast 70 Jahren, das Jubiläum begeht er im Mai, setzt er sich leidenschaftlich für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen ein.

Mit 39 Jahren habe ihn „die Krankheit erwischt“. Verdacht auf Multiple Sklerose, „von der man nicht weiß, woher sie kommt und wie man sie wegkriegt“. Damals wurde im Behindertenbeirat des Kreises wurde ein Fachmann für barrierefreies Bauen gesucht. Eine Sache wie auf dem Leib geschnitten für den Wariner. Der Diplom-Ingenieur für Bauwesen studierte von 1966 bis 1971 in Weimar und arbeitete danach in dem Metier.

Er fehlt: Bei drei Stufen zwingend vorgeschrieben – ein Handlauf.
Güttler
Er fehlt: Bei drei Stufen zwingend vorgeschrieben – ein Handlauf.
 

Darum kann ihm heute auch keiner ein X vorm U machen, wenn er Projekte im ganzen Nordwestkreis begleitet und die Barrierefreiheit konsequent einfordert. „Alle öffentliche Bauten müssen barrierefrei sein, sonst gibt es keine Fördermittel.“ Derzeit ist er bei den Umbaumaßnahmen an den Bahnhöfen in Bad Kleinen und Wismar involviert.

Und auch durch sein geliebtes Warin, wo er seit 1959 lebt, geht er mit offenen und zugleich kritischen Augen. Wie behindertengerecht ist die 3500-Einwohner-Stadt? Das wollte SVZ wissen. „Warin ist in Sachen Barrierefreiheit absolut am Anfang“, konstatierte Wolfgang Griese und fuhr mit dem SVZ-Reporter einige neuralgische Punkte an.

Station Nummer 1 war die Bushaltestelle in Warin-Waldeck. „Wie soll ein Rolli hier rauf und wenden?“ Zugleich müsste der Fahrplan tiefer gehängt werden, der Rollstuhlfahrer könne einen Teil der Abfahrtszeiten gar nicht lesen.

Mühlenbruchstraße ist für Wolfgang Griese in Warin das beste Beispiel eines behindertengerechten Ausbaus.
Güttler
Mühlenbruchstraße ist für Wolfgang Griese in Warin das beste Beispiel eines behindertengerechten Ausbaus.
 

Zurück in der Innenstadt. Wolfgang Griese bemängelt, dass Rollstuhlfahrer die Bundesstraße 192 von der Ampel beim Hotel „Am Wariner See“ bis hin zur Abbiegung zum Rathaus nirgendwo überqueren können. Eine Lösung ist bei der kurvigen Strecke freilich schwierig.

Richtig ärgern konnte sich Wolfgang Griese an der Böschungstreppe zu den Wohnhäusern am Waldheim. Mit der Fertigstellung der Glammseestraße im Juni 2014 wurde diese Treppen am ehemaligen Rodelberg angelegt. Mit dem Kinderwagen geht das. „Aber wie soll hier der Rollstuhlfahrer rauf- und runterkommen? Und die Oma schafft es mit dem Rollator auch nicht!“ Die Steigung der Stufenflächen schätzt der Experte „auf 40 Prozent. Viel zu steil. Das hätte länger ausgeführt werden müssen.“ Der Behindertenbeirat wurde bei der Maßnahme nie gefragt.

Dann stellt der Zwei-Seen-Städter selbst eine Frage, um sie sogleich selbst zu beantworten: „Wie viele Behindertenparkplätze gibt es wohl in der Innenstadt? Genau – einen!“ Und der sei in der Straße Am Markt ganz schlecht eingerichtet. Vor dem Rathaus hingegen: Fehlanzeige. Zudem ist in der Langen Straße etwa die Bürgersteigkante nicht leicht erhöht. Daran orientiere sich aber ein Blinder mit Hilfe seines Stocks. Manchmal seien es kleine Dinge. Die könnten auch schnell in Ordnung gebracht werden, wie in der behindertengerechten Toilette in der neuen Stadthalle: Der weiße Alarmknopf hängt an einer weißen Schnur. Griese: „Wie soll ein stark Sehbehinderter bei weißem Hintergrund das erkennen. Warum keine rote Schnur?“ Dabei wolle er nicht kritisieren oder meckern. „Das Ganze will ich als Hinweis verstanden wissen“. Er kennt eben sein Warin und die Wariner…

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