Nisbill : „Sind auch Frisör und Seelentröster“

Auszubildende zum Altenpfleger im „Haus am Bibowsee“ zusammen mit der Praxisanleiterin Verena Dombrowsky (2.v.r.) von der Pflegedienstleitung des Hauses: (v.l.) Willi Henke, Nisbill, 3. Lehrjahr; Mandy Eppner, Ventschow, 3. Lehrjahr; Anna Riegel, Wismar, 3. Lehrjahr und Manuel-René Wiesemann, Warin, 2. Lehrjahr. Fotos: Roland Güttler
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Auszubildende zum Altenpfleger im „Haus am Bibowsee“ zusammen mit der Praxisanleiterin Verena Dombrowsky (2.v.r.) von der Pflegedienstleitung des Hauses: (v.l.) Willi Henke, Nisbill, 3. Lehrjahr; Mandy Eppner, Ventschow, 3. Lehrjahr; Anna Riegel, Wismar, 3. Lehrjahr und Manuel-René Wiesemann, Warin, 2. Lehrjahr. Fotos: Roland Güttler

Vier Altenpflege-Azubis aus dem dritten und zweiten Lehrjahr an der Fachpflegeeinrichtung in Nisbill berichten über ihre Berufswahl und Motivation.

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19. September 2017, 12:41 Uhr

Der Fachkräftemangel in der Altenpflege wird landauf, landab beklagt. Die Situation kennt man auch in der Fachpflegeinrichtung „Haus am Bibowsee“ in Nisbill, so dass man sich bereits Pflegeassistenten aus China holte (SVZ berichtete). „Einen Mangel an Fachkräften gibt es gerade in diesem Beruf. Darum muss man selbst ausbilden und versuchen, die Leute zu halten“, sagt Verena Dombrowsky von der Pflegedienstleitung und zugleich Praxisanleiterin. „Fürs jetzige 1. Lehrjahr haben wir leider keinen Azubi bekommen können“, bemerkt die Wismaranerin, die selbst 1996 als 16-Jährige mit ihrer Lehre anfing.

Um so stolzer ist sie auf ihre vier Azubis aus dem dritten bzw. zweiten Lehrjahr, die sie geradezu über den grünen Klee lobt, dass es dem Quartett beim SVZ-Gespräch schon fast peinlich wird. Dabei wünscht sich jeder Ausbilder solch jungen Leute, für die die Berufswahl mit Berufung einhergeht. Willi Henke (19) aus Nisbill wohnt gleich um die Ecke und kommt per Rad zur Arbeit. „Es macht mir Spaß, jeden Tag mit Menschen zu tun zu haben, das ist abwechslungsreich“, sagt Willi, der bereits als Schüler Praktika in der Einrichtung absolvierte. Als Kind erlebte er, wie sein Opa Demenz bekam und „ich fragte mich, warum kann ich nicht helfen? Meine Schwester hat übrigens auch die Lehre als Altenpflegerin gemacht.“

Mandy Eppner erlebte als prägendes Erlebnis, wie ihre Oma die Ur-Oma pflegte. „Da habe ich als kleines Kind mitgeholfen“, erzählt die Ventschowerin, die erst einmal Hauswirtschaft lernte, dabei fast alle Praktika aber in der Pflege machte. „Ich war einmal auch in einer Kita, aber das war nicht mein Ding“. Zwei Jahre lang arbeitete die mittlerweile 29-Jährige im „Haus am Bibowsee“ als Pflegeassistentin. Verena Dombrowsky sah ihre Arbeit und speziell den Umgang mit den Bewohnern und fragte sie: „Du bist so jung. Wäre nicht Fachkraft was für dich?“ Auch der Wariner Manuel-René Wiesemann (22) ist von zu Hause aus „vorbelastet“, pflegte die Großmutter. Er kann bereits eine abgeschlossene Ausbildung als Gesundheits- und Altenpflegerhelfer vorweisen. Die zusätzliche Fachkraftausbildung wurde ihm aber verweigert, bis er in Nisbill vorsprach…

Anna Riegel aus Wismar, mit 34 Lenzen die Älteste im Quartett, ist hingegen eine Quereinsteigerin: Kellnerin gelernt, eine Zeit lang als Zimmermädchen gearbeitet, war in einer Kita und hat auch „sauber gemacht“. Dann wagte sie in Nisbill den beruflichen Umstieg. „Die ersten drei Wochen habe ich mit mir gekämpft, ob ich in der Pflege bleibe. Es gab auch Tage, an denen ich geheult habe“, bekennt sie freimütig. Anna Riegel musste „erst den Zugang zu den Bewohnern finden, aber man wächst mit seinen Aufgaben.“

Heute bekennt sie: „Das ist genau mein Beruf. Man lernt auch Mensch zu sein, ich bin eh so’n Herzmensch“, verkündet Anna. Und Manuel-René fügt hinzu: „Wir sind nicht nur Pfleger, sind auch Frisör, Hausmeister und Seelentröster – das gehört alles mit dazu.“

Dabei weiß nicht nur Willi Henke um die Vorurteile, wonach „wir die Sch… von anderen wegmachen. So wird unsere Arbeit von der Gesellschaft runtergeputzt“. Für Verena Dombrowsky bleibt eines klar: „Der Beruf muss attraktiver gemacht, besser bezahlt werden.“ Eine Forderung (nicht nur) an die Politik…

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