Vortrag im Museum Groß Raden zum Jahrhundertfund : Silberne Ernte in Zaschendorf

 <fettakgl>Landesarchäologe Detlef Jantzen  </fettakgl>mit  Teilen  des größten und ältesten Geldschatzes Mecklenburg-Vorpommerns. Insgesamt wurden mehr als 1600 hervorragend erhaltene Silbermünzen geborgen <foto>Jens Büttner/dpa </foto>
1 von 2
Landesarchäologe Detlef Jantzen mit Teilen des größten und ältesten Geldschatzes Mecklenburg-Vorpommerns. Insgesamt wurden mehr als 1600 hervorragend erhaltene Silbermünzen geborgen Jens Büttner/dpa

Der Silberschatz auf dem Acker - Mecklenburgs älteste Münzen. Bei diesem Thema war der Vortragssaal im Freilichtmuseum Groß Raden am Mittwoch abend brechend voll. Bernd Wollschläger und Wolfgang Virk berichteten.

svz.de von
07. März 2013, 07:00 Uhr

Groß Raden/Zaschendorf | Der Silberschatz auf dem Acker - Mecklenburgs älteste Münzen. Bei diesem Thema war der Vortragssaal im Freilichtmuseum Groß Raden am Mittwoch abend brechend voll. Der Archäologe Bernd Wollschläger und der Münzkundler Wolfgang Virk berichteten über den bedeutendsten Fund alter Münzen in unserer Region.

Wer eine mittelalterliche Kriminalgeschichte erwartet hat mit Raub, Totschlag oder Verstecken, der mag enttäuscht worden sein. Aber spannend war es doch, spannend durch die wissenschaftliche Akribie, mit der die Fundgeschichte und insbesondere die Bearbeitung des Jahrhundertfundes geschildert wurde.

Die Entdeckung des Fundes war ein Nebenergebnis, das zur Hauptsache werden sollten. Im Jahre 2003 suchten Mitglieder und Freunde des Vereins "Das Warnow-Richenberger Land e.V." nach Hinweisen zur Warnow-Burg, als sie auf einer Ackerfläche nahe Zaschendorf eine runde Metallscheibe entdeckten. Es sah wie eine alte Silbermünze aus. Die gezielte Suche ließ sie noch mehrere Exemplare entdecken.

Pflichtgemäß wurde eine Fundmeldung an das Landesamt gerichtet. Nach einer ersten Sondierung kam es erst 2008 zu neuen Suchaktionen. Bessere Suchsonden und ausgebildete Spezialisten fanden in zwei Suchgängen über 500 Münzen. Alle konzentrierten sich über ein Gebiet von 25 mal 30 Metern.

Im Jahre 2011/2012 entschied man sich zu Baggergrabungen. Mit Zustimmung des Gustävlers Eigners der Flächen hielt nun das Landesamt silberne Ernte. 1600 Einzelstücke konnten geborgen werden.

Keramikreste, die auf eine Vergrabung des Geldschatzes gedeutet hätten, wurden nicht gefunden. Das spricht für eine Aufbewahrung in Stoff oder Leder, verloren gegangen und später durch landwirtschaftliche Bearbeitung verteilt.

Die Bearbeitung des Jahrhundertfundes steckt noch in den Anfängen. Es ist eine unendlich anmutende Fleißarbeit. Diese alten Zahlungsmittel wurden aus dünnem Silberblech einseitig geprägt. Sie galten nur regional und zum jeweiligen Markttag. Alte Münzen hatten nur noch den Silberwert und sie konnten gegen geltendes Zahlungsmittel eingetauscht werden. Vier alte gegen drei neue. Diese etwa fünf Zentimeter messenden Hohlmünzen mit einseitiger Prägung nennt der Fachmann Brakteaten. Sie sind im 12./13. Jahrhundert im Umlauf.

Die Zaschendorfer Brakteaten sind um 1200 zu datieren. Bisher sind 25 verschiedene Münztypen gefunden. Der erfahrene Numismatiker Wolfgang Virk belegte eindrucksvoll die Zuordnung zu bereits beschriebenen Prägungen bekannter Prägeorte. Interessant auch viele bisher noch nicht in der Fachliteratur bekannte Prägungen. So Brakteaten mit der Abbildung eines geflügelten Lindwurmes, der die Deutung auf die Grafschaft Schwerin und den Regenten Gunzelin II zu lässt.

Den Vortrag von Wolfgang Virk bereicherten Fotos der wichtigsten gefundenen Münztypen. Die Darstellungen sind einfach und liebevoll im Detail ganz im Stile der Romanik, sind Ausdruck für längst vergangene Lebensart, die so wieder lebendig wird.

Leider, so Dr. Stefan Jantzen vom Landesamt in einem anschließenden Gespräch, ist wegen der vielseitigen Aufwendungen eine öffentliche Ausstellung des Münzschatzes von Zaschendorf nicht in Sicht. Um so verdienstvoller das Angebot der Veranstalter in Groß Raden, derartige archäologische Höhepunkte durch aktiv Beteiligte vermittelt zu bekommen.

Der Förderverein des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden und das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hatten zu dem Vortrag eingeladen. Es war der letzte in der Wintersaison 2012/2013. Im Herbst 2013 soll es weiter gehen. Freunde der Archäologie freuen sich schon darauf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen