Dabel : Sie fanden nicht zueinander

Die Galerieholländer-Windmühle in Dabel steht seit 1892 und ist seit 1932 im Besitz von Familie Döscher.
Die Galerieholländer-Windmühle in Dabel steht seit 1892 und ist seit 1932 im Besitz von Familie Döscher.

Mühlenverein-Gründung war nur ein kurzes Intermezzo

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09. August 2018, 20:45 Uhr

„Wir möchten keinen Mühlenverein mehr, es hat sich alles zerschlagen“, erklärt der Dabeler Mühlenbesitzer Eckart Döscher gegenüber SVZ. Er hat sich seit dem Tod seines Zwillingsbruders Müllermeister Fritz Döscher Ende 2014 dem Erbe angenommen. Fritz Döscher war von September 1968 an der elfte und letzte Dabeler Müller.

An dem 1892 errichteten Dabeler Wahrzeichen, der Galerieholländer-Windmühle „Vom Rothen Strumpf“ nagt freilich der Zahn der Zeit, der Windmühlen-Kopf muss dringend erneuert werden. Der 75-jährige Eckart Döscher und seine Frau Brigitte besprachen die Thematik – wie berichtet – denn auch in Ludwigslust bereits mit der Denkmalpflege des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Doch das Geld von 140 000 Euro können die Eheleute allein nicht aufbringen. Privatpersonen bekommen höchstens eine Förderung von 35 Prozent, eingetragene Vereine hingegen bis zu 85.

So kam es zur Idee und zur Gründung eines Mühlenvereins, doch nach einem Monat – eine Woche nach der offiziellen Eintragung ins Vereinsregister! – ist der bereits wieder Geschichte. Eckart und Brigitte Döscher wollten nicht mehr. „Ich hätte dann 15 Jahre lang nichts mehr zu sagen gehabt“, meint der Mühlenbesitzer gegenüber unserer Redaktion.

Bauunternehmer Michael Kunst aus Mustin, der sich bestens mit der Sanierung von denkmalgeschützten Objekten auskennt, war Mitglied des Mühlenvereins und erklärte auf SVZ-Nachfrage: „Wir haben es nur gut gemeint, um im Bürokratie-Dschungel die Gelder (für die Mühlenkopfsanierung – d. Red.) zu besorgen.“ Keineswegs ging es, so Kunst, um die Enteignung von Eckart Döscher. „Er wäre natürlich weiter der Mühlenbesitzer geblieben.“ Bei der Fördermitteleinwerbung über den Verein hätte es aber zwingend eines Nutzungsvertrages von zwölf Jahren bedurft, verweist Kunst auf die rechtliche Seite.

Man habe mit Döschers „sehr viel geredet“. Offensichtlich gelang es aber nicht, Eckart und Brigitte Döscher die ihnen vorgelegte Vereinssatzung so zu erläutern, dass diese auch die Sinnhaftigkeit nachvollziehen konnten.

Hinzu kam eine zweite Sache, wonach bei den Dabeler Dorffestspielen Anfang Juli Eckart Döscher Mühlenführungen für zehn Euro macht. Döscher wusste von dem nichts, las es in einer Ankündigung und war geschockt. „Was, willst du auf die alten Tage reich werden“, gibt der Senior die Worte von Dabelern wieder. „Kein Dabeler wäre mehr gekommen“, ist sich Brigitte Döscher sicher. Es schlug den beiden regelrecht auf den Magen, so im Dorfgespräch zu sein, und brachte letztlich das (Mühlenvereins-)Fass zum Überlaufen. Döscher: „Ich nehme fünf Euro wie gehabt und nicht mehr.“ Die Eheleute sehen den Ex-Verein hinter den zehn Euro. Kunst widerspricht vehement: „Das kam nicht von uns als Verein!“

Wie es weitergeht in Sachen der notwendigen Mühlensanierung, steht in den Sternen. „Vielleicht gründen wir einen eigenen Verein in der Familie“, meint Brigitte Döscher…

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