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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 10:30 Uhr

Sternberg : Seit 25 Jahren Bürgermeister

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Jochen Quandt übernahm am 1. Juni 1990 sein Amt in Sternberg. Besonders stolz ist er auf die Sanierung der Altstadt Zum Dienstjubiläum hat er sein kleines Bäckerei-Geheimnis gelüftet.

von
erstellt am 29.Mai.2015 | 21:21 Uhr

Eigentlich soll es ein normaler Arbeitstag werden. Eigentlich, Jochen Quandt hat aber schon mitbekommen, dass im Haus heimlich was für Montag vorbereitet wird. Denn am 1. Juni ist er 25 Jahre Bürgermeister in Sternberg. Ein rundes Jubiläum, das 2015 mehrfach vorkommt: Währungsunion und Wiedervereinigung, Gründung von Mecklenburg-Vorpommern... Auch die Städtepartnerschaft Sternbergs mit Lütjenburg besteht exakt so lange und wurde bereits im Januar gebührend gefeiert. Die ersten Neugründungen von Firmen und anderer Selbstständigkeit liegen ebenso ein Vierteljahrhundert zurück.


Amtskollege plauderte auf Neujahrsempfang


Doch genau diese Zeitspanne immer auf dem gleichen Stuhl im Rathaus, 1990 und 1994 von der Stadtvertretung und bei den folgenden Kommunalwahlen direkt gewählt, das hat Seltenheitswert. Er kenne keinen hauptamtlichen Bürgermeister, auf den das zutreffe, sagt Quandt. Gudrun Stein in Lübz und dem Parchimer Bernd Rolly fehlten ein Jahr oder mehr. Ehrenamtliche Bürgermeister seien ihm dagegen voraus: Bernd Knoll aus Weitendorf mit mehr als 30 Jahren, Herbert Rohde aus Dabel und der Zahrensdorfer Alfred Nuklies.

Jochen Quandt hat über sein Dienstjubiläum nie öffentlich gesprochen. Er würde so was „nicht vorneweg tragen“. Amtskollege Dirk Sohn aus der Partnerstadt machte in seiner Grußrede auf dem Neujahrsempfang allerdings kein Geheimnis daraus.

„Gedrängelt“ habe er sich seinerzeit nicht, sagt Quandt in seiner ruhigen Art. Parteifreunde aus der CDU, der er seit 1976 angehört, hatten ihn angesprochen, als Spitzenkandidat anzutreten. Und als sich das herumgesprochen hatte, hätten ihn zahlreiche ältere Sternberger ermutigt. Er stamme doch aus der Stadt und kenne die Leute. „Von der Partei vorgeschlagen zu werden, ist eine Seite der Medaille. Viel wichtiger ist der Rückhalt bei den Bürgern“, betont der 64-Jährige. Das Wahlergebnis bestärkte ihn: Mit 1398 Stimmen lag er weit vor allen anderen Kandidaten für die Stadtvertretung. Das zweitbeste Resultat erreichte übrigens der heutige Bürgervorsteher Eckhard Fichelmann (723). Vier Jahre später, als Sternberg den Kreisstadtstatus verlor, fuhr Quandt bei der Wahl zur Stadtvertretung noch mehr Stimmen ein (2303) und vergrößerte den Vorsprung auf sage und schreibe 1839. Von Vorteil sei sicher gewesen, räumt Quandt ein, dass er in Sternberg geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und auch vom Segeln bekannt sei. Seit 1960 gehe er diesem Sport mit großer Leidenschaft nach, wurde 1975 Sektionsleiter der BSG Aufbau und nach der Wende mit der Gründung des Seglervereins dessen Vorsitzender.

Von den Mitstreitern im Rathaus, die ihn Anfang Juni 1990 erwarteten, seien heute noch drei angestellt. Außerdem fast alle damaligen Amtsleiter, doch sie hätten erst am 1. Juli nach einer Ausschreibung begonnen.

Ausgerechnet seinen ersten Arbeitstag verbrachte der neue Bürgermeister nicht im Sternberger Rathaus, sondern bei der Wobau in Kiel, dem Sanierungsträger für die Partnerstadt. Durch die Kontakte nach Lütjenburg kam Sternberg frühzeitig mit Städtesanierung in Berührung. „Es gab noch die DDR, keine Länder, alles war im Fluss. Aber wir waren überzeugt, dass es auch hier ein Programm zur Städtesanierung geben wird. Und da müssen wir rein, sagten wir uns“, blickt Quandt zurück. Wie das läuft, wie Anträge zu stellen sind, hätten Wobau-Verantwortliche erklärt. „Es gab noch kein Programm, doch wir arbeiteten darauf hin und gehörten 1991 zu den ersten Städten, die Fördergelder bekamen.“ Ein Höhepunkt sei dann die Gründung der Sternberg Immobilien GmbH & Co. KG, kurz Immo, gewesen. Ein Glücksfall für Sternberg, dass ein privater Investor aus der Region und die Stadt zu gleichberechtigten Partnern wurden. Im Land sei so eine Konstellation „auf jeden Fall einmalig“, darüber hinaus wahrscheinlich auch.


Immo hat 40 Häuser saniert oder neu gebaut


„Wir hatten die Chance und haben sie genutzt“, sagt der Bürgermeister. Was nütze eine erneuerte Infrastruktur mit schicken Straßen, wenn die Häuser verfallen. Rund 40 habe die Immo inzwischen saniert oder neu gebaut. Auch private Eigentümer hätten Mittel aus der Städtebauförderung genutzt. Auf die schmuck gewordene Altstadt sei er besonders stolz, sagt Quandt.

Ebenso darauf, dass auf dem Gelände des ehemaligen Holzbauses, das zu veröden drohte, Neues entstand. Die Stadt hatte eine Zwangsversteigerung beantragt und das Areal beräumt. Dass es zur Ansiedlung von EcoMotion an dem Standort auch andere Meinungen gab, wisse er. Der Bürgermeister setzte sich durch. Er sei dankbar, dass das Unternehmen für die Geruchsbelästigung, die sich prompt einstellte, nach einer Lösung suchte und mit dem Biobeet auch weitgehend fand.

Beim Bau der Großbäckerei im Gewerbegebiet Rachower Moor habe er ein kleines Geheimnis gehütet. Die Investition einer Hamburger Bäckerei sei vollmundig angekündigt gewesen, die Baugenehmigung erteilt. Doch kurz vor dem ersten Spatenstich habe sich der Mutterkonzern in den USA quer gestellt. Quandt, unmittelbar vor seinem Sommerurlaub, vereinbarte mit dem Hamburger Geschäftspartner, „erstmal den Mund zu halten“. Nach dem Urlaub, der kein richtiger gewesen sei, die überraschende Kehrtwende: Es konnte doch gebaut werden. Dass nach mehreren Besitzerwechseln die Backöfen nun kalt bleiben, tue sehr weh, sagt Quandt.

Situationen mit der Frage, „warum tust du dir das an?“, gäbe es zuweilen in jedem Beruf und jeder Verantwortung. Doch die enge Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung, „in der es nicht vordergründig parteipolitisch zugeht“, mit den Bürgermeistern im Amt, der Verwaltung und nicht zuletzt der Rückhalt in der Familie hätten immer darüber hinweg geholfen.

Jochen Quandt ist bis 2021 als Bürgermeister gewählt. Dass er sein Amt vorher abgeben wolle, habe er nie verheimlicht. Doch darüber Gedanken zu verlieren, sei zum 1. Juni nicht der passende Zeitpunkt.

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