Sternberg : Seehotel sieht sich auf gutem Weg

Die Geschicke des Sternberger Seehotels lenken seit dem 1. März Insolvenzverwalter Andreas Franz (r.) und Hoteldirektor Dennis Homrighausen. Beide wollen die Zimmerauslastung deutlich steigern und wieder Kultur ins Haus bringen.
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Die Geschicke des Sternberger Seehotels lenken seit dem 1. März Insolvenzverwalter Andreas Franz (r.) und Hoteldirektor Dennis Homrighausen. Beide wollen die Zimmerauslastung deutlich steigern und wieder Kultur ins Haus bringen.

Der Insolvenzverwalter und der neue Direktor wollen die Zimmerauslastung erhöhen sowie Tradition des Hauses aufleben lassen – Urlaub und Kultur in Sternberg.

svz.de von
31. März 2014, 17:37 Uhr

Die zweite Insolvenz innerhalb von drei Jahren: Hinter dem Sternberger Seehotel liegt wahrlich eine schwierige Zeit. Am 1. März hat Rechtsanwalt Andreas Franz aus Schwerin das Insolvenzverfahren eröffnet, nachdem es seit dem 9. Dezember noch den Zusatz „vorläufig“ trug.

Gleichzeitig wurde Dennis Homrighausen offiziell Hoteldirektor (SVZ berichtete). Er und Franz hatten sich zuvor eingehend mit dem Haus vertraut gemacht und es geschafft, dass das Restaurant am Valentinstag voll ausgebucht war, an vielen Tischen sogar in zwei Durchgängen. Mit dem vorherigen Wirtspaar Karsten H. Schröder und Ehefrau Angelika, das der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Jan Thomas Berg zum 1. Dezember geholt hatte, habe es, so Franz, „wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Sanierung des Hauses eine gütliche Trennung gegeben“.


Mitarbeiter mit Ideen und Einsatzbereitschaft


Die Geschäftsführung liegt nun erst einmal beim Insolvenzverwalter, Homrighausen leitet das Haus. Er stammt aus der Nähe der Karnevalshochburg Köln, hat Gastronomie wie Hotellerie „von der Pike auf gelernt“, lebt und arbeitet seit zweieinhalb Jahren in MV und leitete zuletzt zwei Hotels in Westmecklenburg. Diese hatte er in ähnlicher Situation übernommen und dort eine glückliche Hand bewiesen. Er brauche die Hotellerie „wie die Luft zum Atmen“, sagt der 34-Jährige über sich.

An erster Stelle stehe, die Hotelzimmer zu belegen. In der Vergangenheit sei dafür „nicht der richtige Weg gefunden“ worden, so Franz. Um die Auslastung kurz- und mittelfristig zu verbessern, stünden nun Partner zur Seite, die die neue Vermarktungsstrategie mitgehen. Konkreter wolle er nicht werden. Auch das Angebot im Internet wurde „innovativer“. Bei den Übernachtungen sei bereits „ein Zuwachs erkennbar“, stellt der Hotelchef fest. „Es wird besser. Wir sind längst nicht dort, wo wir hin wollen, haben aber die Zwischenziele erreicht.“ Eine Vermarktungsstrategie brauche Vorlauf, fügt der Insolvenzverwalter an. „Es ist ein schwieriges Thema, das sich nur Stück für Stück abarbeiten lässt.“ Es funktioniere nicht, „einmal mit dem Finger zu schnipsen“ und dann sei alles anders. „Doch wir sind auf einem guten Weg, so will ich das mal nennen“, sagt Franz.

Ein großes Problem habe vorne an gestanden: Vertrauen der Lieferanten zurückholen – aber auch das der Sternberger. „Wir haben ein schönes Restaurant mit einer sehr guten Küche. Davon habe ich mich selbst überzeugt. Die Belegung aber ging gegen Null. Wir wollen die Sternberger mitnehmen, das Seehotel ins Leben der Stadt einbinden“, betont Andreas Franz. „Wir haben drei junge, ambitionierte Köche. Das macht es einfach, was die Qualität der Speisen betrifft. Die Basis ist da, darauf können wir aufbauen. Das gilt auch für den Servicebereich. Die Mitarbeiter ziehen mit, suchen eigene Ideen, zeigen Einsatzbereitschaft. Wenn das nicht so wäre, würde unser Plan scheitern.“ Als Insolvenzverwalter habe er andere Situationen erlebt, lange nicht so günstig wie in Sternberg.


Von Landestheater bis zu Public Viewing


Im Restaurant werde es nun jeden Monat Aktionen geben, beispielsweise einen Schnitzel- oder Fischtag. Auch der Saal, der leider den Nachteil habe, nicht vom Hotelbereich entkoppelt zu sein, könne nicht die meiste Zeit „brach liegen bleiben“. Der Karneval Anfang März mache Hoffnung. „Beide Seiten haben sich an die Abmachungen gehalten. Die Abende liefen richtig gut“, freut sich der Hotelchef. „Und der Verein hat ein klasse Programm gezeigt.“

Mit den Übernachtungsgästen, an dem Wochenende „nicht die Masse“, allerdings zu 80 Prozent „Karnevalsflüchtlinge aus NRW“, habe er vorher gesprochen, sie zudem mit einem persönlichen Brief auf den Zimmern über die Veranstaltung informiert und sie dazu eingeladen. Ein Gast
habe sich unters Karnevalsvolk gemischt und den Aufenthalt bis Rosenmontag verlängert, ein Ehepaar erst gegessen und sich dann im Saal das Männerballett angeschaut. Beides müsse nicht kollidieren, findet der Hotelchef, wenngleich es ein schmaler Grat sei. Für die nächste Saison werde ein Arrangement geplant, das sich um den Karneval ranke. Dann sei die Erwartungshaltung der Gäste eine ganz andere.

Dies sei ein Kulturhaus gewesen, und diese Tradition solle wieder aufleben, kündigen Franz und Homrighausen an. Fest stehe schon die Vorstellung „Im weißen Rößl“ am 11. Mai, dem Muttertag, durch das Landestheater Parchim. Ab September sei dann jeden Monat ein Gastspiel der Bühne geplant. Ein großes Sommerfest im Freien soll es ebenso geben wie Filmabende oder Public Viewing während der Fußball-Weltmeisterschaft im Saal. Manches sei sicher noch im Stadium der Ideenfindung, auch Kabarett oder Bauerntheater. Urlaub und Kultur sollen sich in Sternberg jedenfalls noch mehr verbinden. Für Urlaub stehe die Region und für Kultur künftig auch das Seehotel.

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