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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. September 2017 | 00:29 Uhr

Sternberg : Schwarz specht-Bäume markiert

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Volker Günther hatte mit dem Reißhaken vier große T in die Rinde einer Buche gezogen, schwarz übersprayt und gut sichtbar die Nummer 831 mit einem Lackmalstift daneben geschrieben.

svz.de von
erstellt am 19.Nov.2011 | 04:44 Uhr

Weiße Krug | Noch einmal ein Blick in die Höhe und weiter gehts quer durch den Wald vor Weiße Krug. Volker Günther hatte mit dem Reißhaken vier große T in die Rinde einer Buche gezogen, schwarz übersprayt und gut sichtbar die Nummer 831 mit einem Lackmalstift daneben geschrieben.
Eben so viele Höhlenbäume des Schwarzspechts hat er bislang im Naturpark Sternberger Seenland ausfindig gemacht und markiert. Rund 8000 Hektar, über die Hälfte der Waldfläche, sind geschafft. Günther, der in Plau am See ein Ingenieurbüro für biologische Kartierungen betreibt und bereits 20 000 Hektar im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide durch hat, agiert bei dem Projekt, das hier nun im dritten Jahr läuft, als Alleinkämpfer.
Etwa bis zum aktuellen Stand ist die Finanzierung gesichert, die Planung reicht jedoch bis 2013. Die Schwarzspecht-Höhlenbäume sollen flächendeckend kartiert und gekennzeichnet werden, um ihre Verbreitung zu kennen, vor allem aber, um sie vor der Motorsäge zu bewahren. Die Wald besitzer erhalten die erfassten Daten samt Übersichtskarte als Arbeitshilfe, damit sie die Bäume nicht versehentlich fällen lassen. Diese stehen unter Naturschutz und dürfen nicht abgenommen werden. Ein privater Wald besitzer habe mal angefragt, ob er das vielleicht doch dürfe, weil der untere Teil des Stamms gutes Furnierholz sei. Doch da gäbe es keinerlei Spielraum, sagt der Diplom-Forstingenieur entschieden. "Die Bäume sind nicht geschützt, weil ich sie kartiert habe, sondern laut Gesetz", fügt er hinzu. Außerdem sei der Großteil der Höhlenbäume schon befallen und innen etwas hohl. Die meisten Waldbesitzer freuten sich über die Hilfe bei einer naturnahen Bewirtschaftung. Sie würden auf die Qualität des Holzes achten und wohin ein gefällter Baum fallen soll, aber kaum auf Höhlen des Schwarzspechtes, zeigt Günther Verständnis. Alle werden vorher informiert, einer Markierung der Höhlenbäume müssen sie zustimmen, nicht aber der Kartierung.

Das Bundesnaturschutzgesetz stuft den Schwarzspecht, größter Specht in Europa, als streng geschützte Vogelart ein. Zudem finden bis zu 60 andere, teils gefährdete Tierarten oder Insekten, wie Fledermaus, Schellente, Dohle, die recht seltene Hohltaube, Siebenschläfer, Raufußkauz und Hornisse, in alten Höhlen Unterschlupf, wenn der Schwarzspecht, der übrigens alte Buchenwälder mit viel Totholz bevorzugt, aber nahezu alle Waldgesellschaften besiedelt, sich ein neues Zuhause zimmert. Dafür benötigt er in der Regel mehrere Jahre. Deshalb gilt der Schutz schon im Anfangsstadium der Höhlen.

Diese befinden sich selten im Kronen bereich, sondern ein bis drei Meter unterhalb des ersten starken Astes oder einer Gabelung, Zwiesel genannt, in sechs bis 22 Meter Höhe. Der Stamm hat dort einen Durchmesser von mindestens 25 Zentimetern.

Anhand so genannter Forstgrundkarten nimmt Volker Günther von November bis März, wenn die Bäume kein Laub tragen, die Waldflächen systematisch in Augenschein. "Durchlaufen und gucken", nennt er lachend sein Arbeitsprinzip, das Erfahrung und ein gutes Auge einschließt; oft greift er zum Fernglas. 100 Hektar pro Tag zu schaffen, sei schon recht gut. Das hänge besonders davon ab, wie dicht das Unterholz samt Brombeeren ist. Ideal bei der Suche sei bedecktes Wetter. Sonne verdunkle den Stamm, und ihr ständig entgegen blinzeln zu müssen, sei genauso hinderlich. 100 bis 150 Hektar umfasse nach seinen Erfahrungen, so der Experte, das Revier eines Schwarzspechts. In dessen Kern rund um die Bruthöhle vertreibe er Artgenossen, bei der Nahrungssuche überschnitten sich die Reviere dagegen ohne Gezänk. Zu sehen bekommt Günther die Vögel, denen er so viel Gutes tut, recht selten. Doch ein lang gezogenes "kijäh" und dann die Flugrufe "krü, krü, krü" durchbrechen auf einmal die Stille. Volker Günther vermutet hier ein Männchen, das sich gestört fühlt. Gewöhnlich lassen sich die Laute von Männchen und Weibchen nicht unterscheiden.

Träger des Projektes im Sternberger Seenland sind die Verwaltung und der Förderverein des Naturparks, unterstützt unter anderem von Landesforst, weiteren staatlichen Einrichtungen und Ämtern sowie dem Naturschutzbund Parchim.

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