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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 01:18 Uhr

Sternberg : Schule von anno dazumal bis 1980

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Sonderausstellung 2015 im Sternberger Heimatmuseum: Wie wärs mit einer Unterrichtsstunde mit Schiefertafel und Schreibfeder?

von
erstellt am 01.Okt.2014 | 13:11 Uhr

Seit heute ist die Pforte geschlossen – das Sternberger Heimatmuseum geht bis April in die Winterpause. Gestern schauten u.a. die Güstrowerin Sigrun Matzke sowie ihre zu Besuch weilende Urlaubsbekanntschaft Sylvia Hahn aus Hohen Neuendorf bei Oranienburg vorbei. Der Schrank, eine Schnitzarbeit eines Schäfers aus Stieten um 1920, hatte es den beiden angetan. Und dann entdeckten sie „den Frisiertisch, der ist ja vollständig“, so Sylvia Hahn. Nur dass der Sternberger Friseur 1920 nach dem Haarschnitt bei Bedarf auch noch Zähne zog, ließ die Besucherinnen beim Gedanken daran und den ausliegenden Instrumenten schaudern.

Die Museumsmitarbeiterinnen Rosemari Hassel und Antje Kühl planen indes längst die Sonderausstellung 2015. „Diesmal geht es um ,Schule in Mecklenburg‘“, so Kühl, die hinzufügt: „Das Thema hatten wir schon zweimal, aber es gab mehrere Anfragen, ob wir es wieder machen könnten.“

Ein altes Klassenzimmer mit Tischen und Stühlen sowie Schiefertafel plus Schwamm auf den Plätzen befindet sich bekanntlich im Heimatmuseum. Auch liegen in den Regalen diverse Schulbücher und andere Utensilien vom Zeitraum zwischen 1860 bis 1980. Das älteste Dokument ist bisher das 1868 verlegte Schul-Choralbuch, daneben ein „Deutsches Lesebuch für die Septima“ der Grote’schen Verlagsbuchhandlung Berlin aus dem Jahr 1916 mit dem Zusatz „Für Vorschulen höherer Lehranstalten“.

Ähnlich wie der jährliche Waschtag im Museum für Kindergartenkinder und Grundschüler, „den wir weiterhin anbieten werden“, so Antje Kühl, schwebt der Museumsmitarbeiterin vor, die neue Sonderausstellung zum Mitmacherlebnis werden zu lassen. Kühl: „Es wäre toll, wenn eine Klasse eine Unterrichtsstunde in unserem Schulzimmer machen würde.“ Die Kinder könnten ausprobieren, womit ihre Urgroßeltern schrieben: auf der Schiefertafel sowie mit Schreibfeder und Tintenfass.“ Für die neue Sonderschau sucht das Museum allerdings noch Dokumente, seien es Einschulungsfotos, Hausaufgabenhefte oder alte Klassenbücher.

In diesem Jahr gab es als besondere Sache eine Spielzeugausstellung. „Die kam sehr gut an bei Alt und Jung“, betont Antje Kühl. Oma und Opa bzw. Mama und Papa entdeckten so manches wieder, was in ihrer Kindheit angesagt war. Und die Lütten von heute durften u.a. mit der alten Metall-Eisenbahn zum Aufziehen, die das Heimatmuseum inzwischen in die Sammlung aufgenommen hat, spielen.

Insgesamt war 2014 ein gutes Jahr, die Besucherzahlen stiegen um knapp 100 auf fast 900. Es waren viele Berliner, Sachsen „und natürlich auch wieder viele Holländer hier. Aber auch ein Paar aus Wien schaute sich um und fand es faszinierend“, so Antje Kühl. Das belegen auch die Einträge im Besucherbuch. „Eine wunderbare Zeitreise“, ist darin gleich mehrfach zu lesen.

Und einige kommen ganz gezielt. So wie jene knapp 50 Mitglieder zwischen 18 und 80 Jahren der Studentenverbindung „Turnerschaft Berlin“, die aus ganz Deutschland anreisten und mit roten Kappen auf dem Kopf sich in einer Sonderführung außerhalb der Öffnungszeiten für die hiesigen Burschenschaften interessierten. „Einige haben direkt nach Namen gesucht“, so Antje Kühl. Zu Zeiten des Sternberger Technikums zwischen 1895 und 1934 – die „Höhere Lehranstalt für Bauberufe“ zog danach nach Wismar um – gab es gleich fünf Burschenschaften: Obotritia, Teutonia, Germania, Arminia und Normannia. Von Teutonia liegt im Museum neben Kassen- und Semesterbuch auch das Trinkbuch von 1929 bis ’34 aus. Darin wurde penibel festgehalten, wer den Stiefel geschafft hatte. Von den anderen Sternberger Burschenschaften besitzt das Heimatmuseum hingegen kaum Dokumente.

Übrigens: Einer der letzten 14 Absolventen des Technikums war 1934 Dachdecker Walter Ritschel. Ein Nachkomme ist der Sternberger Dachdeckermeister Ulrich Ritschel. Dieser wirbt mit dem Slogan: „Ein Traditionsunternehmen seit 1869“.


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