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Neuhof in der Gemeinde Bibow : „Schrott“ erzählt Heimatgeschichte

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der Bibower Bürgermeister präsentierte am Tag des offenen Denkmals denkwürdige Fundstücke von Schloss Neuhoff.

Dass es zum alljährlichen Tag des offenen Denkmals in der Region auch an eher versteckt liegenden Orten ganz viel zu entdecken gibt, sagten sich am Sonntag ein paar Dutzend Ausflügler und fanden Überraschendes im heutzutage abseits der Verkehrsströme ruhenden Dörfchen Neuhof in der Gemeinde Bibow.

Am ehemaligen Gutshaus, welches von seinem Freundeskreis liebevoll und hintersinnig „Schloss Neuhoff“ genannt wird, erwartete die Besucher nicht nur ein kleines, aber feines Markttreiben mit historisch-romantischem Flair und selbst gemachtem Imbiss nebst erlesenen Weinen aus Österreich. Die aus dem Alpenländle stammende Familie Pils – welche das seit Anfang der 1990er-Jahre leer stehende Anwesen 2013 erwarb und seitdem systematisch wiederbelebt – bot gemeinsam mit Freunden und Gleichgesinnten ein sympathisches Rahmenprogramm rund um die beinahe 800jährige belegte Geschichte.

So füllten u.a. interessante Vorträge und teils augenzwinkernde Lesungen sowie eine sehenswerte Reiter-Show die Zeit zwischen den Führungen durch das an diesem Tage offene Denkmal und seinen verwunschen anmutenden Park. Im neogotischen Haupthaus waren neben vielen verstreuten Hintergrundinformationen u.a. eine künstlerische Fotoausstellung sowie eine Nische mit historischem Kinderspielzeug wie der (heute noch mittels Teelichten funktionstüchtigen) Puppenküche nach dem Vorbild einer bis Mitte des vorigen Jahrhunderts noch vielfach gebräuchlichen „Kochmaschine“ zu entdecken.

Mitgebracht hatte das Schmuckstück Dettlef Lukat, der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Bibow. Doch dieser lenkte die Aufmerksamkeit der Besucher gern auch auf ein paar außergewöhnlich geschichtsträchtige Fundstücke, welche er in den 90ern auf einem Schrottplatz in der Nachbarschaft aufgestöbert hatte.

„Ich hatte wie schon öfter eine Ladung Haushaltsschrott bei Wilfried Schulz in Friedrichshof abgeliefert und – statt von ihm Geld anzunehmen – vereinbarungsgemäß nach für mich Interessantem gesucht“, erinnerte Lukat. In einem offenbar erst kürzlich beim Schrotthändler angelieferten Container entdeckte er ein Blechstück, das einer Krone ähnlich sah, und er begann zu stöbern. Nach einer Weile – inzwischen war der Schrottplatzinhaber aufmerksam geworden und zu Hilfe gekommen – traten unter dem Altmetall noch ein paar ähnliche Blechteile zum Vorschein. Bei näherer Betrachtung entpuppten sich jene vermeintlichen Schrottbleche als Sachzeugnisse der bewegten Gemeindegeschichte. Neben Wappen der Familie von Langen (Schlossherren auf Neuhoff und Patrone der Kirche zu Bibow zwischen 1823 und 1945) sowie dem imposanten Keiler als Symbol der uralten Mecklenburger Adelsfamilie von Bassewitz fand sich dort auch eine noch lesbare Inschrift. „Johann Barthold von Bassewitz, Erbherr auf Neuhoff, Bibow, Jarchow, Holldorf, Hasenwinkel pp“, entzifferte der geschichtsinteressierte Finder. Die allerdings schwerer zu lesenden Lebensdaten darunter könnten 1745 und 1819 heißen. Das würde womöglich auf einen der sieben Söhne der Davidia Eleonore Dorothea von Bülow mit dem legendären Obristenleutnant Dethlof Hans von Bassewitz hindeuten, welcher 1744 Neuhoff nebst umliegenden Gütern von einem Verwandten erwarb.

Nach Meinung des Entdeckers und der heutigen Schlossbesitzer gehörten die fein gearbeiteten Beschläge mutmaßlich zu einer Grablege, deren Verortung allerdings noch auf sich warten lässt. Beim Schrotthändler jedenfalls sei seinerzeit nichts Näheres über die Herkunft der Teile im Container herauszubekommen gewesen, bedauert nicht nur Dettlef Lukat.

Wer sich für die vom Finder bewusst im Fundzustand belassenen und hier erstmals wieder öffentlich gezeigten Teile interessiert und eventuell zur Aufklärung dieser Spur unmittelbarer Heimatgeschichte beitragen kann, wende sich bitte direkt an den Bürgermeister von Bibow.


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