zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. November 2017 | 12:34 Uhr

Sternberg : Schonraum für Kinder mit Sorgen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

In der Schule mit den Förderschwerpunkten Lernen und Geistige Entwicklung ist viel Geduld gefordert.

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2015 | 16:44 Uhr

Wer alles sehen möchte, muss für einen Rundgang durch die – so der offizielle Name – „Schule mit den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung“ Am Berge  Zeit mitbringen. Objektiv beurteilt steht anschließend: Was es hier zu sehen gibt, ist beeindruckend. In der auf zwei separate Gebäude aufgeteilten Einrichtung werden insgesamt 95 Kinder in  elf Klassen betreut, die entweder „nur“ Probleme mit dem Lernen haben oder auch geistig/körperlich behindert sind.

Als Ziel Berufsreife nach der zehnten Klasse Erstgenannte besuchen die Schule von Klasse 3 bis 10, wobei das zehnte Jahr freiwillig ist. Bis 2020 wird dies mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Ziel ist, so die Berufsreife zu erlangen. Früher war das letzte von der Schule ausgestellte Zeugnis kein anerkannter Abschluss. „Ohne die zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel würde es nicht gehen“, sagt Schulleiterin Annett Laß. „Allerdings bedeutet die Inanspruchnahme eine Menge Schreibarbeit, die im Schweriner Schulamt vorgelegt werden muss, von wo aus die Unterlagen ins Bildungsministerium gehen.“ 2014 wurde das Projekt in Sternberg zum ersten Mal umgesetzt. Sechs Mädchen und Jungen schafften den Abschluss. Das laufende Jahr beurteilt Annett Laß zurückhaltend: „Diesmal sind mehrere Kinder, die  aus Regionalen Schulen zu uns kamen,  darunter. Sie bringen leider nicht das Engagement mit, wie wir es gewohnt sind. Das ist vor allem auch darauf zurück zu führen, dass sich unsere Schüler schon länger in diesem Schonraum mit individueller Zuwendung und nicht zu großen Klassen aufhalten.“

Die geistig/körperlich behinderten Kinder besuchen  die Einrichtung  von der Einschulung bis zur Abschlussstufe nach 12 Jahren. Bei ihnen sorgen sich zwei Lehrer um sechs bis höchstens zehn Mädchen und Jungen (im Lernbereich ein Lehrer für acht bis 12), auf Antrag der Eltern kommt zeitweise ein Integrationshelfer für diejenigen hinzu, die besonders intensive Zuneigung und Pflege benötigen.

Im von der Straße aus sichtbaren Altbau, in der früher der Rat des Kreises residierte, ist seit 18 Jahren die Lernförderung untergebracht, in der rückwärtigen, einstigen Kfz-Zulassung seit 2001 der andere Bereich. Der umfangreichen Ausstattung mit normalen Unterrichts-, Werk-, Computer-, Spiel- und Fachräumen, Turnhalle und Küchen unter anderem für Hauswirtschaftsunterricht ist anzusehen, dass der damalige Landkreis Parchim als Träger tief in die Tasche gegriffen hat. Erstaunlich: Obwohl täglich benutzt, ist fast alles noch Erstausstattung. „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass sorgsam damit umgegangen wird“, so Annett Laß.

Wechsel vom Tischler zum Heilerzieher  Auch bei denen, die die Kinder betreuen, gibt es zumindest auf den ersten Blick ungewöhnliche berufliche Karrieren. In einem Werkraum im Bereich Förderschwerpunkt geistige Entwicklung kümmert sich seit längerer Zeit beispielsweise Axel Hirch um die Schüler. Er hat zunächst Tischler gelernt, merkte dann jedoch, dass dies nicht das Richtige war und ließ sich dann noch zum Heilerzieher ausbilden: „Es gab Tage, da haben wir nur geschleppt – egal, ob Gipskartonplatten oder Fensterrahmen. Ich dachte irgendwann: Was hat das mit Tischler zu tun? Als Rückenschmerzen dazukamen, war klar, etwas anderes zu machen. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hier ist große Klasse.“

Schon absolviert hat die Schule den Adventsbasar im benachbarten Seniorenzen-trum (wir berichteten). Am 15. Dezember kommt die Kita Am Berge zum Weihnachtsmärchen „Die Goldene Gans“, das die Abschlussstufe Geistige Entwicklung darbietet. Nur einen Tag später führen Kinder vom Förderschwerpunkt Lernen ein anderes Programm bei den Senioren auf und einmal im Jahr sind  Mädchen und Jungen aus beiden Bereichen schon traditionell in der benachbarten Verbundenen Regionalen Schule und im Gymnasium „David Franck“ mit einem Weihnachtsprogramm zu Gast – in diesem Jahr am 17. Dezember um 10 Uhr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen