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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 14:27 Uhr

Kobrow : Schönheitskur für Streuobstwiese

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Projekt des Landschaftspflegeverbandes: Vergreister Baumbestand auf einer Fläche in Kobrow fachgerecht ausgeschnitten

von
erstellt am 03.Mär.2017 | 23:34 Uhr

Der Baum braucht eine Mitte und Licht, eine klare Struktur, erklärt Mirko Lunau. Er betreibt in Ahrensboek am Ostufer des Schweriner Sees eine Mosterei & Imkerei. Als zertifizierter Obstbaumpfleger bietet er über den Pomologenverein einmal im Jahr einen Kurs an. Der von 2017 sei vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Und auf der Streuobstwiese des Landschaftspflegeverbandes Sternberger Endmoränengebiet (LSE) vor dessen Haustür in Kobrow II hat der Fachmann einen naturnahen Winterschnitt vorgenommen.

Das Streuobst-Projekt startete vor gut einem Jahr damit, solcherlei Pflanzungen mit unterschiedlichen Arten und Sorten im gesamten Sternberger Seenland zu erfassen und kartieren – alte Plantagen, die seit langem nicht mehr bewirtschaftet werden und teils zugewachsen sind, kleinere Flächen in oder am Rande von Städten und Dörfern
sowie Baumreihen an Straßen und Wegen. Ab 15 Bäumen, ob als Gruppe oder linear stehend, wird von einer Streuobstwiese gesprochen.


Genehmigung vom Land für vorzeitigen Beginn


Anja Hansen, studierte Biologin aus Rostock, wurde für das Projekt befristet eingestellt, finanziert durch Leader-Mittel. Leader steht für Regionalentwicklung, die es Menschen vor Ort ermöglicht, Prozesse mitzugestalten

Jetzt soll sich die Betreuung der erfassten Standorte anschließen. Der LSE hat das Projekt für 2017 beantragt. Die Bewilligung werde zwar noch erwartet, die Genehmigung vom Land für einen vorzeitigen Beginn der Maßnahme liege jedoch vor, so Hansen. Das bedeutete zumindest grünes Licht für den wichtigen Winterschnitt, der laut Fachmann Lunau etwa bis Mitte März fertig sein sollte.

Die Fläche am Pastiner Weg, ca. 5000 Quadratmeter – einen halben Hektar – groß, war für Gärten parzelliert, berichtet Hansen. Doch wie diese gibt es auch den Wohnblock dahinter lange nicht mehr; um die Obstbäume kümmerte sich niemand. Es sind rund 40, Apfel, Birne, Mirabelle, Süß- und Sauerkirsche. Einige Sorten konnten Pomologen bereits bestimmen, Croncels, Boskop und Carola bei den Äpfeln, Gräfin von Paris und Marianne bei den Birnen. Um hier mit dem Projekt beginnen zu können, hat der LSE das brach liegende Stück von der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (Stewo) gepachtet. Zudem sollen Streuobstwiesen gemeinsam mit deren Eigentümern betreut werden, sagt Hansen.

„Das sind Inseln der Artenvielfalt, Hotspots des Lebens“, gerät Lunau beinahe ins Schwärmen. Nach Hochrechnungen lebten auf einer Streuobstwiese 3500 bis 5000 Tierarten, von Insekten über Amphibien und Vögel bis zu Kleinsäugern. Die Bäume erzeugten ein optimales Mikroklima, so Lunau. Das mache den Wert der Wiese aus, nicht die Menge der geernteten Früchte in Kilogramm.

Auf der Fläche in Kobrow II sei jahrelang kein Baumschnitt erfolgt, so dass sich im oberen Bereich über drei Etagen, die mittlerweile wie ein Schirm das Licht abhielten, Früchte bildeten, während unten alles verkahlt sei, erklärt Lunau. Das führe zur Überalterung. Ohne Pflege würden selbst junge Bäume früh vergreisen. Er habe daher zu Lasten der Frucht oben weggeschnitten und die Spitze frei gemacht, „damit die Kraft, die der Baum sonst nur nach oben pumpt, jetzt auch nach unten verteilt und das hormonelle Gleichgewicht hergestellt ist“. Ob er nach der langen Vernachlässigung Erfolg hatte, werde sich Ende des Jahres zeigen. Aus seiner Erfahrung würde es die Hälfte schaffen, wieder aufzuleben, ein Viertel quäle sich lange, bevor der Durchbruch gelinge, ein Viertel sterbe ab, überschlägt Lunau.

Anja Hansen hofft natürlich, dass alle Bäume durchkommen. So oder so ist vorgesehen, im Herbst alte Sorten nachzupflanzen. Und Sitzgelegenheiten sollen zum Verweilen einladen, zumal die Streuobstwiese an der Radwanderroute „Bienenstraße“ liegt.

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