DSL im Kreis Ludwigslust-Parchim : Schluss mit Schneckentempo?

Die Internet-Verbindungenlaufen in der ländlichen Region zum Teil im Schneckentempo.  Fotos: Uwe Zucchi-dpa/ Landkreis Ludwigslust-Parchim
Die Internet-Verbindungenlaufen in der ländlichen Region zum Teil im Schneckentempo. Fotos: Uwe Zucchi-dpa/ Landkreis Ludwigslust-Parchim

Hoffnung auf Dobrindt-Milliarden im Landkreis Ludwigslust-Parchim / Für drei Gebiete werden in dieser Woche Förderanträge gestellt

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27. Januar 2016, 12:00 Uhr

Ein Vater in Parchim schaut sich in hoher Bildauflösung ein Fußballspiel aus Spanien über Internet an, die Mutter hört gleichzeitig ihre Lieblingsmusik über einen Sender aus Jamaika, und der Sohn spielt mit Bekannten in London ein rasantes Computerspiel.

Was im städtischen Raum funktioniert, ist auf vielen Dörfern Zukunftsmusik. Hier gibt es nur Schneckentempo im Internet. In Städten wird eine Downloadgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde und mehr zum Standard, auf den Dörfern gibt es oft nur einen Bruchteil dieser Leistung. Grund für das Stadt-Land-Gefälle: Für die Telekommunaktionsunternehmen rechnet es sich in vielen Fällen nicht, in dünn besiedelte Räume zu investieren.


Region um Sternberg ist ein Förderprojekt


Drei Regionen im Landkreis Ludwigslust-Parchim können jetzt auf Besserung hoffen, wenn sie die Hürden einer Förderung über das jüngste Bundesprogramm zum Breitbandausbau nehmen. Zum ersten geht es um große Teile des Amtes Eldenburg-Lübz mit den Gemeinden Tessenow, Suckow, Siggelkow, Passow, Kreien, Kritzow, Gischow, Gehlsbach, Gallin-Kuppentin einschließlich Barkhagen und Ganzlin im Amt Plau.

Zum zweiten um große Teile des Amtes Sternberger Seenlandschaft (Sternberg, Borkow, Kobrow, Mustin, Blankenberg, Weitendorf, Hohen Pritz, Langen Jarchow, Zahrensdorf). Zum Dritten um eine Region zwischen der Landesgrenze und Schwerin: Wittendörp (Amt Wittenburg), Kogel (Amt Zarrentin), Dümmer, Stralendorf, Warsow, Schossin, Zülow (Amt Stralendorf).

Diese drei Gebiete hat der Landkreis in Zusammenarbeit mit dem Breitbandkompetenzzentrum des Landes für die erste Runde im Ringen um die Bundesförderung ausgewählt, erfährt SVZ von Joachim Müller, Fachdienstleiter Regionalmanagement und Europa in der Kreisverwaltung Ludwigslust-Parchim. Es seien diejenigen mit der schlechtesten Internetversorgung. Regionen, die bei der Bewertung für das Bundesprogramm aus dem Ministerium von Alexander Dobrindt eine hohe Punktzahl bekommen. So zählt, in welcher Gemeinde der Anteil der Kunden, die mit weniger als 16 Megabit versorgt werden, am niedrigsten ist. „Wir fangen mit den aussichtsreichsten und den bedürftigsten an“, so Müller. Erklärtes Ziel sei es, möglichst viele von den so genannten Dobrindt-Milliarden, ins Land und in den Kreis zu holen.

Dazu wurde für die Gemeinden nicht nur der Versorgungsgrad mit schnellem Internet ermittelt sondern beispielsweise auch, in welchen Gegenden Telekommunikationsanbieter in den nächsten Jahren ohnehin investieren wollen. Letztere haben keine Chance auf die Aufnahme in das Bundesprogramm.

Für die drei Projektgebiete im Kreis gab es so genannte Interessenbekundungsverfahren, eine Art Vorausschreibung. Da ging es um Ausbaukosten, um die Wirtschaftlichkeitslücke für die Telekommunaktionsunternehmen und um technische Parameter. „Es sind für jedes Projektgebiet Bekundungen eingegangen“, erklärte Müller gestern gegenüber unserer Zeitung. Zum 31. Januar werden die Anträge in Berlin gestellt. Er rechne nicht vor Ende März mit der Nachricht, ob die Projekte bewilligt sind, so Müller. Es gebe aber keinen Grund, nicht optimistisch zu sein.

Parallel werden bereits die nächsten Anträge für neue Gebiete vorbereitet – für eine zweite Runde. Dazu gab es Gespräche. Analysiert wird u.a. ein mögliches Projektgebiet, das Teile des Amtes Parchimer Umland und Ortsteile der Kreisstadt umfasst. Es gebe einen offenen Wettbewerb um die Dobrindt-Milliarden. So lange, bis die Fördermittel aufgebraucht sind, gibt es neue Antragsrunden, so Müller.

Es existieren viele weiße Flecken bei der schnellen Internetversorgung im Landkreis. Laut Müller gibt es auch aus nicht wenigen Gewerbegebieten Klagen. Diese profitieren aber nur dann von dem Bundesprogramm, wenn sie in den Gemeindegrenzen liegen, die zu den Projektgebieten gehören. Für Gewerbegebiete könnten eventuell andere Programme genutzt werden, erklärt Müller. Stark hänge dort der Ausbau auch davon ab, wie sich die Gemeinden engagieren.

Auch wenn sich mit den Dorbindt-Milliarden allein kein flächendeckendes schnelles Internet aufbauen lässt, sei das „ein verdammt guter Anfang“, so Müller. „Wir kriegen endlich Bewegung rein.“ Er verweist auf die Initiativen, mit denen sowohl das Land als auch der Kreis den Breitbandausbau voran treiben. Er sei froh über die gute Zusammenarbeit mit dem MV-Energieministerium. Langfristiges Ziel müsse, so Müller, der Glasfaserausbau bis in jedes Gebäude im Landkreis sein. Durch die Bundes- und Landesförderung wird derzeit davon ausgegangen, dass sich die Kommunen mit zehn Prozent an dem Förderprogramm beteiligen. Auch das dürfte in vielen Fällen noch einmal eine große Summe sein.  

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