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Selfies mit den Pötten : „Schiffe-Gucker“ aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Wismarer Schiffbauer im Ruhestand verpasst kaum einen Moment

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Noch einen Moment wartet Helmut Berndt (79), bis sich der vorbeifahrende Frachter in bester Foto-Position befindet. Dann hält er seine kleine Digitalkamera so weit weg, wie es der ausgestreckte Arm erlaubt. Schon ist das eigene Konterfrei samt Hintergrundobjekt fertig. „Selfie“ heißt der neuzeitliche Begriff und steht für Selbstporträt.

Neugierig wird sein Treiben mit der Minikamera auch von anderen beobachtet. Mit besonderer Eitelkeit des Seniors hat dies nichts zu tun. Der einstige Schiffbauer ist leidenschaftlicher „Schiffegucker“ und hält zur Erinnerung, was an der Wendorfer Seebrücke an besonderen schwimmenden Objekten vorbeizieht, seit Jahr und Tag im Bild fest. „Nur sind die Schiffe manchmal nicht so pünktlich, wie die Hinweise oder Informationen, die ich vorher einhole“, räumt der rüstige und unternehmungslustige Ruheständler ein. Am Ende wird seine Geduld wieder mit einem weiteren Erinnerungsfoto für seine Sammlung belohnt.

Ein wenig wählerisch ist er trotzdem. So macht sich der „Schiffsfotograf“ gar nicht erst auf den Weg, wenn der vorbeiziehende „Pott“ nicht eine gewisse Dimension aufweist: „Ich nehme nur die Schiffe über 100 Meter Länge auf, die kleinen Dinger nicht.“ Doch keine Regel ohne Ausnahme: Spezialschiffe oder historische Segler interessieren ihn auch.

Wer wie er, ein halbes Leben lang, oder gar noch länger, im Schiffbau tätig war, den lässt das maritime Geschehen nicht los. Gut 40 Jahre dürften es gewesen sein, die der Hansestädter auf der Werft verbrachte. So etwas prägt, macht stolz und ist für ihn auch der Grund, sich weiterhin Seefahrts relevanten Dingen zu widmen. Vielleicht rührt daher auch sein Spitzname Käpt’n Berndt.

Und das, obwohl er nie zur See gefahren ist. Allerdings war er dicht davor, hatte sogar schon ein Seefahrtsbuch. „Da kam allerdings meine damalige junge Frau dazwischen“, erinnert er sich auch nach 53 Ehejahren gern. Deshalb akzeptiert er heute noch, dass sie damals ganz klar den künftigen Ehekurs vorgab – entweder sie oder die Seefahrt. Als Ersatz erlebten beide inzwischen etliche erlebnisreiche Seereisen zu schönen Zielen in der Ferne. Zum Beweis präsentiert er etliche Chipkarten-Bordausweise von Kreuzfahrtschiffen, die an solche Momente erinnern.

So ging es bereits quer durch die Ostsee, dann durch das Nordmeer vom Nordkap bis nach Schottland und Island und durch das Mittelmeer. Als prägend nennt er die persönliche Bekanntschaft mit Kapitän Friedhelm Hoppert von der AIDA-Flotte. „Das ist ein ganz Netter und der hat sogar einen Doktortitel“, gerät er fast etwas ins Schwärmen.

Was es jährlich Neues in Sachen Kreuzfahrtgeschehen gibt, entnimmt er einem schlauen Buch. „Berlitz Cruise-Guide heißt die Lektüre“, erklärt Helmut Berndt. „Dort steht vom britischen Kreuzfahrt-Experten Douglas Ward alles drin und der verteilt auch die Sterne.“

Eine andere Plastikkarte ist ihm übrigens nicht weniger wichtig: Die jährlich neue Mitgliedskarte als Förderer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzrS).

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