Brüel : Schaufenster weckt Erinnerungen

Im Schaufenster in der Schweriner Straße 11 erinnern Fotos an ein Stück Geschichte in diesem Haus.
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Im Schaufenster in der Schweriner Straße 11 erinnern Fotos an ein Stück Geschichte in diesem Haus.

Besonderer Hingucker sind Fotos vom Bekleidungsgeschäft in der Schweriner Straße in Brüel, das es hier bis 1978 gegeben hat

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16. Mai 2018, 12:00 Uhr

Auf einer alten Wäschemangel finden Blumen und ein Schäfchen Platz, auch ein Schmetterling hat sich hier niedergelassen. Noch mehr Blumen und Tiere gibt es auf einem Gartenstuhl.... Monika Göppinger hat ein Schaufenster in der Schweriner Straße 11 in Brüel passend zum Sommer dekoriert. Im Dezember 2014 hatte sie, in Brüel wohnend, mit einer Weihnachtsdekoration ihren Einstand gegeben. Wie SVZ berichtete, war die Wohnung in der Schweriner Straße, zu der auch das Schaufenster gehört, eine Zwischenlösung nach dem Umzug aus Franken. Sie und ihr Mann wollten eigentlich in Keez bauen, haben inzwischen aber in Neukloster ihr neues Haus bezogen. Das Dekorieren des Schaufensters werde sie aber wohl nicht mehr los, sagt sie und setzt nach, dass es ihr auch viel Spaß mache.

Wobei es dieses Mal einen besonderen Hingucker gibt: Schwarz-Weiß-Fotos aus dem ehemaligen Bekleidungsgeschäft, das Carl Schönbohm um 1911 hier eröffnete. „Als wir die Fotos aufgehängt haben, blieb gleich eine Frau stehen, die sich noch an das Geschäft erinnern konnte“, erzählt Monika Göppinger.

Zusammen mit ihrem ehemaligen Vermieter Michael Schönbohm, dem Eigentümer des Hauses, sei die Idee entstanden, Fotos zu vergrößern, zu rahmen und hier auszustellen.

„Das erste Bekleidungsgeschäft von meinem Großvater Carl Schönbohm war in der Sternberger Straße. Er hatte 1901 dort ein Haus gekauft und im Februar 1902 das Geschäft eröffnet. Um 1911 fand der Umzug in die Schweriner Straße statt“, weiß Michael Schönbohm (56). Er ist ein Enkel und wohnt mit seiner Familie seit 1993 in dem Haus.

„Das wurde mehrmals umgebaut und in den 1930er-Jahren vergrößert. Dann kam der Krieg und es gab nichts mehr“, weiß Michael Schönbohm aus Berichten seines Vaters, der wie der Großvater Carl hieß und nach dem Krieg das Geschäft übernahm.

Anfangs sei nichts im Laden gewesen. Es sei erzählt worden, so der 56-Jährige, dass der Vater mit einem Rucksack nach Berlin gezogen sei und dort Holzknöpfe geholt habe. „Wir hatten eine Knopfmaschine. Die Leute haben Stoff abgegeben und später ihre Knöpfe abgeholt. Über viele Jahre hatte mein Vater auch eine Federbettenreinigung.“

Michael Schönbohm kennt das Geschäft seit den 60er-Jahren, anfangs wurden nur Herrenbekleidung, Kunstblumen und Kurzwaren verkauft. „Ich habe meine Kindheit viel im Geschäft verbracht“, sagt er.

Carl Schönbohm arbeitete bis zu seinem 67. Geburtstag, im Dezember 1978. Nachfolger wurde die Handelsorganisation HO. „Mein Vater wollte ihr auch das Haus schenken, aber das wollte sie nicht. Aber 1990, da war noch einmal jemand da und fragte, ob das Angebot noch gilt“, erzählt der Brüeler und muss schmunzeln.

Er kehrte 1978 der Stadt den Rücken, für Lehre und Studium, und kam 1993 mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern zurück. „Die Eltern wohnten alleine hier, wir konnten aufgrund unserer Arbeit umziehen.“ Da war die HO aus dem Haus schon wieder ausgezogen, 1991/1992 die Drogeriekette Schlecker eingezogen. Deren Ende kam 2012.

Im vergangenen Jahr haben Michael Schönbohm und seine Frau einen Teil des früheren Geschäftes und Lagerraumes zu ihrer Wohnung umgebaut, sind aus der oberen Etage nach unten gezogen.

„Bei den Umbauarbeiten im Haus nimmt man alles noch einmal in die Hand, auch die alten Fotos. Uns sprechen sehr viele alte Leute auf den Laden an. Es kommt auch vor, dass jemand klingelt und etwas abgibt. Eine ältere Dame hat uns zum Beispiel einen Kleiderbügel mit der Aufschrift ,Geschäftshaus für Bekleidung und Aussteuern Carl Schönbom’ gebracht. Wir planen im Schaufenster auch einen Bilderwechsel“, so der Brüeler.

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