zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

17. Dezember 2017 | 20:31 Uhr

Gutshaus Neuhof : Sanierung, Kurse und Filmfestival

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Neue Eigentümer wollen Neuhofer Gutshaus mit kleinen Schritten herrichten.

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 16:00 Uhr

In Gedanken sieht Herbert Pils schon Gäste bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen vor sich. Im Mitteltrakt des Neuhofer Gutshauses soll ein kleines Galeriecafé mit 20 Plätzen entstehen, vor dem Gebäude unter Bäumen ein Rondell als Gästegarten. Zwei Herde stehen bereit und warten auf ihren Platz. Die Eingangshalle soll sich in einen Galerieraum verwandeln, um vor allem junge Künstler aus der Bildenden Kunst zu fördern. Pils denkt an eine „Nord-Süd-Achse“, an Wanderausstellungen abwechselnd in MV und Österreich.

„Es geht in die nächste Phase“, sagt Pils. Die Familie aus Oberösterreich hat das Herrenhaus im Oktober 2012 gekauft, es zunächst gesichert und viel Schutt wegfahren. Seit Dezember 2014 wohnen Pils’ darin (wir berichteten). „Wir machen viel selbst und mit Helfern aus dem künftigen Kulturverein.“ Dessen Gründung stehe bevor, er soll „Schloss Neuhoff“ heißen. Das „ff“ am Ende von einer früheren Schreibweise sei bewusst gewählt, um Verwechslungen mit einem gleichnamigen Herrenhaus unweit vom Schaalsee zu vermeiden.

Wer aus der Familie Luft habe, ob der Hausherr, Ehefrau Susanne, Tochter Nile oder Sohn Sebastian, lege Hand an, „und wenn es am Tag nur ein, zwei Stunden sind“, sagt Herbert Pils. „Wir wollen es ohne Bankkredite schaffen, deshalb die Taktik der kleinen Schritte.“ Erst einmal werden frühere Bausünden beseitigt, etwa mehrere Schichten Tapeten an den Wänden. In der Eingangshalle klebt darunter noch die Preußische Zeitung von 1903. In dem Jahr müsse zumindest dieser Raum restauriert worden sein. Auch den Terrazzoboden aus jüngerer Zeit hat Herbert Pils dort entfernt, damit die handgestrichenen, roten Ziegel um 1900 im Altformat zum Vorschein kommen. Der Farbe nach müssten sie aus dem Raum Ventschow sein, hat Pils erfahren. Es gebe in dem Gutshaus auch Passagen, in denen Brüeler Ziegel verarbeitet seien.

Alles soll mit historischen Baustoffen und möglichst in den Originalfarben hergerichtet werden. Den Ausschlag gebe die ursprünglich dominante Farbe, im Flur des Westtrakts zum Beispiel ein dunkelroter, leicht in Braun gehender Ton. „Wir arbeiten mit Spezialrotkalkmischungen, die der Denkmalschutz zulässt. Die schaffen eine homogene Einheit mit dem Lehm- oder Kalkuntergrund“, erklärt Pils. Das Barockgewölbe im Mitteltrakt werde mit Champagnerkalk behandelt. Dieser dürfe nicht industrie-, er müsse holzgebrannt und mindestens 48 Monate gelagert sein. „Wir beziehen den über eine Firma in Neukloster.“

1235 erstmals urkundlich erwähnt, spiegelten sich Jahrhunderte und Epochen in dem denkmalgeschützten Herrenhaus wider. Wobei der Osttrakt erst 1823 angefügt worden sei. „Wir gehen nach dem Zeitabriss vor; die Epoche, die am meisten dargestellt ist, wird präveriert“, so Pils. Ihm komme sicher zugute, „von Kindesbeinen an museal geprägt“ zu sein. Als Gymnasiast sei er im Museum seiner Heimatstadt Schärding, direkt am Inn an der Grenze zu Deutschland gelegen, tätig gewesen. Nun sei er nicht nur visueller Kommunikationswissenschaftler, sein Haupterwerb, sondern auch Umraumgestalter. Und weil seine Eltern beides „für brotlose Kunst“ gehalten hätten, habe er noch Lehramt für Kunsterziehung an Gymnasien studiert.

Alles zusammen treibe ihn an, anderen Menschen, die sich „in ein altes Gebäude verguckt haben und nicht so recht wissen, wie sie damit umgehen sollen“, praktische Anleitung in organischem Bauen anzubieten. Es gebe in der Region genug erhaltenswürdige historische Gemäuer. Bevor solche Praxisseminare im Neuhofer Gutshaus stattfinden, soll es klein losgehen – im Frühjahr mit einem zweitägigen Lehrgang für Kettensägen.

Ansonsten will sich Pils hinsichtlich von Terminen nicht festlegen. Dafür stehen zwei fest, die Tochter Nile organisiert. Vom 20. bis 22. Mai findet ein Lehrgang in Tierkommunikation statt mit Ilka Müller-
Erraoui, auf diesem Gebiet international anerkannt und im Herbst bereits zu einem Vortrag in Neuhof. An dem Wochenende gehe es um
Basiswissen, um mit den eigenen Tieren kommunizieren zu können. Eine Fortbildung soll später dazu führen, Tierkommunikation auch anzubieten. Erste Anmeldungen für Mai würden vorliegen.

Als Höhepunkt kündigt Nile Pils das erste deutsche Pferdefilmfestival vom 23. bis 26. Juni an – Open air mit einer riesigen Leinwand. In mehreren Kategorien werden Preisträger ermittelt: Spiel-, Kinder-, Trick- und Lehrfilm, Dokumentation und Werbespot. Pferde müssen darin eine Haupt- oder
Nebenrolle spielen. Als Besonderheit werde auch ein Hobbyfilmpreis vergeben. Jeder könne im Internet mit maximal drei Minuten teilnehmen. Die drei am besten bewerteten Filme werden in Neuhof gezeigt. Glanzvoller Abschluss soll ein Filmball sein. Auf das Pferdefilmfestival wird noch ausführlicher einzugehen sein. Doch schon jetzt seien Sponsoren und ehrenamtliche Helfer willkommen. Zuvor am 18. Juni beteiligen sich Pils’ an der Mittsommer-Remise – Nacht der nordischen Guts- und Herrenhäuser.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen