Millionenprojekt : Ruhematten für 8000-Liter-Kühe

Im September ziehen die schwarzbunten Milchkühe in den neuen Stall um.
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Im September ziehen die schwarzbunten Milchkühe in den neuen Stall um.

Agrarprodukte e.G. Kleekamp baut für 1,7 Millionen Euro einen neuen Stall.

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27. Juli 2015, 22:46 Uhr

In der Endphase befindet sich  der Neubau der Agrarprodukte e.G. Kleekamp. Für 1,5 bis 1,7 Millionen Euro  entsteht im Ventschower Ortsteil ein neuer Stall von 33 mal 87 Metern für 338 Kühe. Die  Investition  soll und muss sich „in zehn bis zwölf Jahre amortisieren“, sagt Vorstandsvorsitzender Dieter Gebhardt. Der 1. Bauabschnitt soll im September beendet sein, anschließend kommt noch ein neuer Melkstand dran. Bereits im Vorjahr wurde  ein Güllebehälter mit einem Fassungsvermögen von 6000 m3 errichtet. Damit haben wir dann neun Monate Lagerkapazität“, so der Agrarprodukte-Chef.

Das Besondere an der Kleekamper Baustelle: Das neue Objekt,  welches an Stelle des alten Betonstalls aus dem Jahr 1957 (Anfang der 90er zu einem Kälberstall umgebaut)  errichtet wird,  liegt gerade so noch außerhalb des Vogelschutzgebietes „Schweriner Seen“. Der Güllebehälter hingegen befindet sich bereits „zu einem Drittel im Vogelschutzgebiet“, sagt Gebhardt. Das machte eine Ausnahmeregelung notwendig. „Zwei Jahre wurde geplant, bis die StALU-Genehmigung vorlag. StALU steht für Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt.  Allein die Unterlagen für die FFH-Verträglichkeitsprüfung (Flora-Fauna-Habitat) waren beim Kuhstall-Projekt um die 140 Seiten dick. Vor dem eigentlichen Baubeginn habe man so  schon „50 000 bis 60 000 Euro ausgegeben“.

Inzwischen ist der Millionenbau weit gediehen. Zur Zeit läuft der Innenausbau, die Jesendorfer Firma Haese verlegte die Elektrik. Der Neubau wird gegenüber seinem Nachbarstall laut Gebhardt nicht nur  vogelsicher gemacht. Die Lüftung erfolgt automatisch; mittels Sensor werden Wind und Temperatur erfasst. „Damit wird nicht nur die Luft im  gesamten Haltungsbereich besser sein, sondern das Tierwohl allgemein“, so der 50-Jährige. Dazu zählt er u.a. auch den speziellen Ruhebereich für seine schwarzbunten Hochleistungskühe. Diese finden oberhalb des Einstreubereichs auf Spalt eine so genannte Hochbox mit   KKM-Gummimatten vor, um hier künftig „Kuh-Siesta“ zu halten.

Gebhardt verspricht sich von den besseren Bedingungen eine „Steigerung der Tierleistung. Gut 500 bis 1000 Liter  je Kuh soll drauf   kommen“. Zur Zeit geben seine Schwarzbunten um die 8000 Liter im Jahr; bei der Wende waren es zum Vergleich 3500 Liter.

Die  Agrarprodukte e.G. baut auf ihren insgesamt 780 Hektar Ackerflächen in den Gemarkungen Kleekamp, Ventschow und Dämelow bis auf die Eiweißkomponenten das Futter selbst an. „Da weiß man, was man hat“, so Gebhardt.

Während die Milchkühe  „die letzten 30 bis 40 Tage in der Laktation auf die Weide kommen, kommen die Jungrinder 8, 9 Monate, mindestens aber einen Sommer lang raus. Das ist für die Tiere besser, wir haben viel Grünland.“

Mit der Reklame-Idylle von glücklichen Kühen  auf grüner Wiese hätten Milchleistungen von 8000 l/Jahr nichts gemein. Das gehe nur mit Silage statt Grünfutter. Bei solch einer Milchmenge müsse die Futterration genauestens  dosiert sein.  Zudem habe man mit den  tiefen Milchpreisen zu kämpfen. Im Juni bekamen die Kleekamper 27,5 Cent  ausgezahlt: Gebhardt: „Das ist schlecht. Vor Jahresfrist waren es noch 9 Cent mehr!“ Und so versuche man nach dem Fall der Milchquote  gegenzusteuern: mit noch mehr Tieren und Leistung je Kuh. Der neue  Stall bietet 50 Rindern mehr Platz  als  der Nachbarstall.

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