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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. September 2017 | 15:19 Uhr

Rückstand auf Feldern fast aufgeholt

vom

svz.de von
erstellt am 15.Jun.2013 | 04:22 Uhr

Kuhlen | Die Frühjahrsbestellung hatte sich in diesem Jahr um einige Wochen verzögert. Für Landwirt Christian Nagel aus Kuhlen kein Thema, denn er betreibt reinen Ackerbau, die Felder werden alle im Herbst bestellt. Dennoch hat sich der lange Winter auch bei ihm ausgewirkt: Die nach einer gut verlaufenen Aussaat recht gleichmäßig entwickelten Bestände seien einfach nicht in Schwung gekommen.

Nagel hatte auf seinem Acker ein bis zwei Wochen Rückstand ausgemacht.

"Hauptproblem war die anhaltende Kälte, die Kulturen kamen nicht in Gang, sie blieben regelrecht stehen", so Nagel. Ab fünf Grad beginne das Wachstum, bei dieser Temperatur sei davon allerdings noch nichts zu sehen. Als es richtig warm wurde, hätten die Pflanzen buchstäblich einen Satz gemacht. Die Natur hole dann schnell wieder auf, das Getreide habe jetzt kaum noch Rückstand. Das sei allerdings auch gefährlich. "Weil die Wintergerste in die Höhe geschossen ist und mit der Kornfüllung anfängt, wird sie kopflastig und legt sich bei Regen", erklärt der 36-Jährige. Das habe sich mancherorts schon bei kräftigen Güssen zuvor gezeigt. "Heute Morgen (Freitag/d. Red.) habe ich gesehen, dass es mehr geworden ist." In seinen

Beständen gäbe es bislang lediglich Nester von Lagergetreide, woanders aber auch größere Flächen. Der Landwirt sei in dieser Situation machtlos, für Wachstums regulatoren, die das so genannte Überwachsen der Pflanzen sonst verhindern, sei es zu spät.

Der ergiebige Regen am Abend und in der Nacht zuvor war indes "richtig gut, Gold wert", sagt der Kuhlener Landwirt. Er hatte zwar noch keine Trockenschäden festgestellt, der Boden sei aber zusammengetrocknet und an vielen Stellen gerissen gewesen. Und da das Wasser von oben den Deichen an der Elbe offenbar nicht geschadet hat, sei die Freude darüber ungetrübt.

Gerade nach dem Regen brauche das Getreide allerdings Schutz vor Pilzkrankheiten. Der Weizen blühe jetzt, und die Spelze, die die Blüte umschließt, öffne sich; dadurch hätten die Sporen des Schimmelpilzes freie Bahn. Dieser habe sich auf den Stoppeln aus dem Vorjahr eingenistet oder komme aus der Luft. Befallen Pilzsporen das wachsende Korn, setzen sie ein Gift frei, das den Weizen unverkäuflich mache. Dieser dürfe nicht in die Nahrungskette gelangen, bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte auch nicht in Tierfutter. Das Mittel gegen die Pilzkrankheit werde von der Pflanze abgebaut. Deshalb gäbe es eine reichlich bemessene Karenzzeit fürs Ausbringen.

Mitte bis Ende Juli rechnet Nagel mit dem Erntebeginn, eigentlich wie immer. Es sei auch schon mal Anfang Juli in die Wintergerste gegangen, doch dann habe eine längere Trockenperiode davor gelegen. Wenn das Wetter nicht noch verrückt spiele, seien die Ertragsaussichten recht ordentlich. Ein Wermutstropfen: Angesichts guter Prognosen weltweit fielen die Preise für die neue Ernte. Für Brotweizen lägen sie derzeit bei 18 bis 19 Euro pro Dezitonne, Anfang Mai seien es 20 bis 21 Euro gewesen. "Und die kamen von noch höheren Preisen, so zwischen 23 und 24 Euro im Vorjahr", sagt der Kuhlener. Er hat wie in der Branche üblich einen Teil der diesjährigen Ernte bereits im Herbst vorverkauft, zu besseren Preisen als jetzt. "Das darf man aber nicht übertreiben. Sonst hat man sich schnell verzockt und macht eine Bauchlandung, wenn die Kulturen nicht gut über den Winter kommen. Wer die Kontrakte dann nicht erfüllen kann, sieht ziemlich alt aus." Der Winter sei stets ein Unsicherheitsfaktor. Je näher die Ernte heran rücke, desto geringer werde die Ungewissheit. Die Vermarktung der Ernte beschäftige ihn das ganze Jahr, so Nagel. Jeder Bauer habe da seine eigene Philosophie und er den letzten Weizen von 2012 im Mai verkauft. Das große Geschäft sei das wegen der gefallenen Preise aber nicht gewesen.

Christian Nagel, der Landwirt gelernt und studiert hat, bewirtschaftet mit zwei Angestellten 650 Hektar Acker. Grünland und Wald seien nicht der Rede wert. Er übernahm den Betrieb 2008 von seinem Vater, der ihn nach der Wende mit etwa der Hälfte der Fläche des vorherigen volkseigenen Gutes neu aufgebaut hatte. Wobei Flächen von Kuhlen schon früher im Besitz der Familie gewesen seien. Die Fruchtfolge bestehe aus einem Drittel Raps, rund 40 Prozent Weizen sowie Wintergerste und Roggen. Mais, dessen verstärkter Anbau oft in der Kritik steht, fehlt ganz. "Wir haben keine Tierproduktion und keine Biogasanlage. Nur um ihn zu verkaufen, brauche ich keinen Mais anzubauen", so Nagel. Zudem passe er nicht richtig in die Fruchtfolge. Die sei jetzt aus ökonomischer Sicht am sinnvollsten.

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