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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. November 2017 | 02:08 Uhr

Witzin : Rückschlag bei Kita-Erweiterung

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Wegen eines Baumangels muss der fertige Fußboden samt Heizung wieder heraus. Zufällige Duplizität: Sozialministerin Stefanie Drese besucht am Mittwoch Witzin.

von
erstellt am 23.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Im Gemeinderaum, in dem die „Witziner Weltentdecker“ für die Zeit der Bauarbeiten in ihren Räumen untergebracht sind, führt die Puppenbühne „Kleines Theater“ Märchen der Gebrüder Grimm auf. Das gehört nicht zu dem Besuchsprogramm für Sozialministerin Stefanie Drese. Diese lugt nur einmal durchs Fenster und sieht, wie die Kleinen gespannt die Aufführung verfolgen. Ihre Informationsreisen durch alle Landkreise setzt die Ministerin gestern in Ludwigslust-Parchim fort, am Vormittag in Witzin, nach dem Mittag in der Werkstatt für behinderte Menschen in Ludwigslust, die zur Lewitz-Werkstätten gGmbH gehört.

Bis auf Fußbodenbelag und Türen alles fertig

Zufällige Duplizität wie die Puppenbühne ist auch der Baulärm, der aus den Kita-Räumen tönt. Eigentlich sollte der längst vorbei sein. „Es fehlten bloß noch der Fußbodenbelag und die Türen“, sagt Jana Ruder, Kita-Leiterin sowie Geschäftsführerin für zwölf Kindertagesstätten des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Schwerin-Parchim, und verdreht die Augen. Dann kam unvermittelt der Rückschlag bei der Erweiterung der Einrichtung, die dringend mehr Plätze braucht. Als der (glücklicherweise) gründliche Fußbodenleger die Feuchtigkeit des Betons prüfte, fiel ihm auf, dass etwas nicht stimmt. Deshalb wurden an drei Stellen Bohrkerne entnommen, um die Festigkeit festzustellen. „Oben waren etwa zwei Zentimeter in Ordnung, darunter bröckelte es aber unterschiedlich“, erklärt Bürgermeister Hans Hüller gegenüber SVZ. Deshalb musste der fertige Fußboden samt Heizleitungen wieder heraus. Am Mittwoch hat die Estrichbaufirma damit begonnen, dank Unterstützung von Helfern aus der Gemeinde ging es zügig voran. Es sei Dauerfrost gewesen, bei dem Zement herauskristallisiere, wehrt sich der Estrichbauer auf SVZ-Nachfrage gegen den Vorwurf, dass unzulässig gespart worden sei. „Der Fußboden hätte 100 Jahre gehalten, aber die geforderte Druckfestigkeit fehlte, und deshalb kommt alles raus.“

Mit den Beteiligten sei eine Lösung gefunden worden, dass der Gemeinde keine zusätzlichen Kosten entstehen, sagt der Bürgermeister. Dennoch ärgert er sich mächtig. „Wir hätten eine Punktlandung gehabt, vom Termin und den Kosten her.“ Die für April geplante Übergabe der neuen Räumlichkeiten müsse nun um Wochen verschoben werden. „Wir können die Physik nicht außer Kraft setzen“, so Hüller.

Die Einrichtung sollte von 28 auf 36 Plätze aufgestockt werden (wir berichteten). Wegen starker Nachfrage und dem Zuzug weiterer junger
Familien habe das Jugendamt aber noch während der Umbauarbeiten zugestimmt, die Kapazität weiter auf nun 39 Plätze zu erhöhen. Und die seien schon jetzt restlos vergeben, freut sich Jana Ruder.

Die Ministerin hört aufmerksam zu, geht vorsichtig über heraus gestemmte Betonbrocken und zeigt sich angetan von der Entwicklung dieser Land-Kita, die nach dem Aus durch die Volkssolidarität Güstrow der ASB Schwerin-Parchim als neuer Träger im Dezember 2012 mit einem Kind wieder eröffnet hat. Eine kurze Stippvisite gilt noch der Skaterhalle in dem gleichen Gebäude und gleich daneben dem Feuerwehrhaus. Neben der Kita-Erweiterung ermögliche der Einbau einer modernen Heizungsanlage, künftig das ganze Gemeindehaus mit Wärme zu versorgen, gibt Hans Hüller der Ministerin noch mit auf den Weg. Er verspreche sich eine Energieeinsparung von ca. 20 Prozent.

Im Hotel „Gulbis“ geht es um die Dörpschaft, 2016 von mehr als 900 vorgeschlagenen Bewerbern in der Kategorie „Generationen verbinden“ für ihre ehrenamtliche Arbeit mit dem Deutschen Engagement-Preis ausgezeichnet. Der Verein, der in der Gemeinde vielfältige Veranstaltungen organisiert und auch durch seine Volkstanzgruppe bekannt ist, beteiligt sich nun auch aktiv an der Vorbereitung der 800-Jahr-Feier 2022. Die ersten 14 Tafeln für eine „Lebendige Chronik“, die an markanten Stellen Einheimische wie Besucher über Witzin informieren soll, seien gerade eingetroffen, so Vereinsvorsitzender Willfried Thomä. Etwa 35 sollen es bis zu dem großen Jubiläum werden. Und für Dörpschafts-Mitglied Antje Pöhls ist noch sehr wichtig, dass es „kein Gegeneinander unter den Vereinen gibt“. Anfang des Jahres würden sie sogar ihre Termine miteinander abstimmen.

Auch Antonia Stefer vom Heimatverband MV findet in Witzin aktive Mitstreiter. Sie leitet seit Januar das Projekt „Heimatschatzkiste“, die mit Materialien von gestern und heute zur Heimatbildung beitragen und diese in Niederdeutsch vermitteln will.

Mit Witzin Brücken für andere Gemeinden

Sie sei „schwer beeindruckt“ von dem bürgerlichen Engagement, sagt die Ministerin. Und wer eine Idee habe, setze sich dafür auch den Hut auf. Woanders sei oft zu hören, „man müsste mal, aber dann ist die Idee schon tot“.

Auf die SVZ-Frage, ob ihre Informationsreisen nicht besser dorthin führen sollten, wo es klemmt und eher die Hilfe einer Ministerin gebraucht werde, findet Drese eine Antwort, die den Witzinern wie Öl herunter gehen dürfte: Sie wolle nicht nur Leuchttürme besuchen, sei aber bewusst hierher gefahren, um anderen Gemeinden Brücken zu bauen, Anstöße zu geben, wie solches Ehrenamt der Bürger funktioniert und Verantwortung verteilt wird.

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