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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 16:14 Uhr

Ruchow : Ruchower Orgel voller Spannung

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Das Richborn-Positiv aus dem 17. Jahrhundert, die älteste Orgel Mecklenburgs, wurde zum Restaurieren abgebaut. Künftig wird es von der Schmidt-Orgel getrennt sein.

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 15:45 Uhr

Pastor Siegfried Rau und Stefanie von Laer vom Förderverein „Historische Orgel zu Ruchow“ freuen sich beinahe um die Wette: Das so genannte Positiv, die älteste Orgel in Mecklenburg, die vermutlich 1675 von Joachim Richborn aus Hamburg gebaut wurde, sowie die ca. 120 Jahre jüngere Schmidt-Orgel können restauriert werden. Durch Umbauen des Positivs war aus beiden ein Instrument entstanden, das seit der Erneuerung der Kirchenempore 1995 jedoch keinen Ton mehr von sich gab. Diese Woche wurde es abgebaut. Das Positiv wird von der Dresdner Firma Jehmlich restauriert, die Schmidt-Orgel von der Orgelbauwerkstatt Reinalt J. Klein in Lübeck. „Das zu erleben, ist so ein schöner Moment“, sagt von Laer bewegt.

Behutsam wird Teil für Teil abgenommen und an die Seite gelegt. Die Orgelpfeifen stapeln sich nach Größe. „Die aus Holz sind sehr gut erhalten und mussten nur abgestaubt werden“, stellt Andreas Hahn aus Dresden fest. „Das ist schon erstaunlich, die haben mehr als 330 Jahre hinter sich. In massive Eiche geht eben kein Holzwurm.“ Die großen Pfeifen für die tiefen Töne seien dagegen „in Mischform“ gebaut, vermutlich um Geld zu sparen, denn Eiche sei schon damals teuer gewesen. „Bei denen ist das Nadelholz teils befallen“, so Hahn. Drei Holzpfeifen pro Register würden fehlen, weil die Stimmlage des Instruments „wohl irgendwann“ verändert worden sei. Die müsse er neu bauen ebenso wie etliche Metallpfeifen, sagt der Dresdner. Er ist in seiner Firma, die seit 1808 Orgelbau betreibt, für Restaurierungen zuständig. Hahn nimmt eine der kleinen Holzpfeifen zur Hand, bläst hinein und entlockt ihr einen hellen Ton. „Die funktionieren. Warum die
Orgel keinen Laut mehr von sich gab, weiß ich nicht.“

Für den Restaurator ist das „ein herausragender Auftrag“. Vor allem, weil das Instrument so alt ist. „Von Richborn aus dem 17. Jahrhundert gibt es nur noch wenig. Und dass zwei Orgeln auf diese Art zusammengefügt wurden, kannte ich überhaupt nicht. Das ist unheimlich spannend.“ Beide Instrumente werden nach der Restaurierung einzeln stehen, das Positiv im Altarraum. Ende Oktober 2015, so sei es angedacht, soll es fertig sein.

Genauso vorsichtig wie alles andere wird die Klaviatur geborgen. Die sei ebenfalls recht gut erhalten, wobei deutlich jünger, denn sie gehöre zur Schmidt-Orgel wie das Pedal, das es bei keinem Positiv gegeben habe. Dessen Originalklaviatur, die er nun nachbauen müsse, sei damals wahrscheinlich entsorgt worden. „Es ist ein glücklicher Umstand“, meint der Restaurator, dass Schmidt das Positiv verwendet hat. „Sonst wäre auch das verloren.“ Bis vor kurzem waren nur drei davon bekannt. Im Zuge der Recherchen habe er erfahren, so Hahn, dass auf Teneriffa ein viertes entdeckt worden sei.

Die Schmidt-Orgel kommt wieder an ihren alten Platz. Sie sei allerdings in einem „extrem desolaten Zustand“, sagt Reinalt Klein aus Lübeck. „So was habe ich noch nicht gesehen.“ Das Spielgehäuse werde an der Stelle, an der das Richborn-Positiv war, „in angepasstem Stil“ ergänzt, damit das aussieht, „als wäre es immer so gewesen“. Auch Register müssten neu gebaut werden. „Eins von 1939 (in dem Jahr wurde die Orgel restauriert / der Autor) gibt es noch in mittelmäßiger Qualität, das Prinzipal 8“, sagt Klein. Die Klaviatur versuche er zu restaurieren, „wenn wir was finden“. Ideal wäre es nach Schmidt, „auf jeden Fall ganz historisch“, fügt der Orgelbauer hinzu. „Wir arbeiten generell nach klassischen Prinzipien und versuchen zu erhalten, was möglich ist, bevor wir neu bauen.“ Der Lübecker Restaurator rechnet für die Schmidt-Orgel etwa ein halbes Jahr.

Für die Restaurierung sind 235 000 Euro veranschlagt. Der Bund trägt 175 000 Euro. Zudem beteiligen sich Land und Landeskirche zu gleichen Teilen. Auf die Kirchengemeinde entfallen 10 000 Euro Eigenmittel. Nach der Restaurierung der historischen Orgel, die 1794 von Fürstin Juliane zu Schaumburg-Lippe aus der Bützower Schlosskirche nach Ruchow in die damalige Patronatskirche für Tieplitz und Bolz geholt wurde, soll hier mehr Leben einziehen. Fünf Konzerte im Sommer, sind die erste Idee.

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