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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. November 2017 | 12:29 Uhr

Ruchower : Ruchower Kirche wieder komplett

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Nach dem restaurierten Richborn-Positiv aus dem 17. Jahrhundert kehrt auch die Schmidt-Orgel von 1796 aus der Werkstatt zurück.

svz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 17:46 Uhr

Die Einzelteile stehen oder liegen überall in der Kirche. Bis vorigen Mittwoch war die Schmidt-Orgel noch in der Werkstatt von Reinalt J. Klein in Lübeck aufgebaut, wurde dann an zwei Tagen zerlegt, damit sie wieder an ihren Platz in der Ruchower Kirche kommt. Die Teile wurden am Montag gebracht, gestern Vormittag begann der Wiederaufbau auf der Empore.

„Zuerst mussten wir das Niveau des Bodens feststellen und die Unebenheiten ausgleichen. Hier war alles schief“, sagt Orgelbauer Tobias Rühl. Das sei anscheinend passiert, als das Instrument aus dem Jahr 1796 bei der in guter Absicht erfolgten Erneuerung der Empore 1995 verschoben wurde. Seitdem habe die Orgel „keinen Pieps“ mehr von sich gegeben, fügt Stefanie von Laer vom Förderverein „Historische Orgel zu Ruchow“ an.

Bis Freitag werde der Aufbau größtenteils geschafft sein. Dann ist die Kirche wieder komplett. In der nächsten Woche würden die Feinarbeiten erfolgen, erklärt Rühl. Gespielt werden könne das Instrument dann aber noch nicht. „Wir müssen auf die Pfeifen warten. Die werden vorintoniert und gestimmt. Das macht der Meister selbst. Es ist seine große Leidenschaft. Und er hat mehr Erfahrung als wir vier Leute hier zusammen“, sagt Rühl.

Die Schmidt-Orgel war vorher um ein Richborn-Positiv gebaut, das in der Dresdner Firma Jehmlich restauriert wurde, seit Anfang November im Altarraum steht und die Einspielprobe hinter sich hat. Ein seltene Kostbarkeit, 1684 in der Werkstatt von Jochim Richborn in Hamburg erbaut und damit die älteste Orgel in ganz Mecklenburg, wie Friedrich Drese, Sachverständiger im Kirchenkreis Mecklenburg und Leiter des Orgelmuseums Malchow, 2013 herausfand. Für ihn ist es „eine besondere Leistung, dass nun beide Orgeln in dieser kleinen Dorfkirche überhaupt restauriert wurden, und dann in dieser kurzen Zeit.“ Und das Diapositiv sei eine so große Besonderheit, dass es aus der Umbauung herausgelöst wurde und seine Authentizität zurück erhielt. Es erklinge wieder wie vor 330 Jahren, schwärmt der Fachmann. Die Schmidt-Orgel hingegen sei nach den heutigen technischen Möglichkeiten konzipiert worden. „Alles was brauchbar war, wird wieder verwendet, die Blasebälge, zum Teil die Mechanik und das Gehäuse nahezu komplett“, erklärt Drese. „Nur Pfeifen von Schmidt gibt es nicht mehr.“

Den Platz, an dem das Richborn-Positiv stand, füllt eine kleine Windlade, erläutert
Tobias Rühl. Die habe die Besonderheit, dass sie einseitig konisch, auf der C-Seite gefächert gebaut sei, um mehr Pfeifen unterzubringen. Da diese einen hohen Bleianteil haben und daher stark nachdunkeln, seien die im Prospekt, „also die, die sichtbar sind, mit hochwertiger Zinnfolie überzogen, hauchdünn wie woanders Blattgold“.

Die Schmidt-Orgel hätte sich durchaus auf kleinerem Raum bauen lassen, erklärt Rühl. Sie habe ein enormes Ausmaß, die Technik darin sei jedoch eher „minimalistisch, schlicht und einfach“. Doch auf der Empore müssten die Proportionen stimmen.

Beide Instrumente hatten dort zusammen sieben Register, die Schmidt-Orgel kommt nun allein auf sechs, „die weit klangvoller“ sind als die zuvor, wie Friedrich Drese sagt, das Diapositiv im Altarraum hat fünf.

Beim weihnachtlichen Gottesdienst am 24. Dezember um 14 Uhr spielt Stefanie von Laer auf dem Richborn-Positiv. „Das ist für mich das Schönste an den Weihnachtstagen“, bekennt sie. Orgelweihe, Kirchenführung und ein großes Konzert sind am 4. Juni 2016 geplant.

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