Historische Orgeln in Ruchow : Ruchow durch Orgeln international

Mit 300 Rosen, die auf Bänken und Stühlen verteilt waren, weckten die Besucher des Festkonzerts in der Ruchower Kirche die beiden historischen Orgeln, die schon lange stumm waren und nun aufwändig restauriert wurden,symbolisch aus ihrem Dornröschenschlaf.  Fotos: Rüdiger Rump
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Mit 300 Rosen, die auf Bänken und Stühlen verteilt waren, weckten die Besucher des Festkonzerts in der Ruchower Kirche die beiden historischen Orgeln, die schon lange stumm waren und nun aufwändig restauriert wurden,symbolisch aus ihrem Dornröschenschlaf. Fotos: Rüdiger Rump

Die Jahrhunderte alten Instrumente in der Dorfkirche wurden feierlich gesegnet. Beim Festkonzert gab es anhaltenden Applaus und Bravo-Rufe.

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06. Juni 2016, 05:00 Uhr

Sie hatte das keinem erzählt, nicht mal ihrem Mann. Stefanie von Laer, Vorsitzende des Fördervereins „Historische Orgel zu Ruchow“, gelang die Überraschung: Freudig winkten die Besucher des Festkonzerts am Sonnabend in der voll besetzten Dorfkirche mit 300 Rosen, die eben zuvor auf den Bänken und Stühlen verteilt worden waren, und weckten die beiden Jahrhunderte alten Instrumente symbolisch aus ihrem Dornröschenschlaf. Das Richborn-Positiv von 1684, das auf der Empore von der Schmidt-Orgel aus dem Jahr 1796 umbaut war, steht jetzt im Altarraum.

Die Entdeckung des Positivs durch Friedrich Drese, Sachverständiger im Kirchenkreis Mecklenburg und Leiter des Orgelmuseums Malchow, galt in Fachkreisen als Sensation. In einem Punkt hat sich Drese leicht korrigiert. Da Jochim Richborn 1684 verstarb, hatte er den Bau des Instrumentes in dessen Hamburger Werkstatt einige Jahre vorher vermutet. Doch es sei im Todesjahr Richborns entstanden, wie festgestellt wurde. Damit bleibe es das älteste Barock-Positiv in Mecklenburg, doch die Orgel in Basedow bei Malchin habe ein Jahr mehr hinter sich.


Stefanie von Laer war „sehr überzeugend“


Beide Orgeln in der Ruchower Kirche waren schon lange stumm und wurden nun aufwändig saniert, das Positiv in der traditionsreichen Dresdner Firma Jehmlich, die von Schmidt in der Orgelbauwerkstatt Reinalt J. Klein in Lübeck. Sie erklangen nun zum ersten Mal wieder in ihrer ganzen Schönheit. Im ersten Teil des Konzertes hörten die Gäste das Richborn-Positiv, gespielt von Prof. Klaus Eichhorn, Orgelsachverständiger für Berlin und Brandenburg, Irina Kisselova auf der Violine und Sänger Georg Lutz, beide aus Berlin. Auf das letzte Stück mit Orgel, Violine und Bass folgte anhaltender Beifall. Den zweiten Teil bestritten Friedrich Drese auf der Schmidt-Orgel sowie Richard Weiß und Sebastian Böhmer aus Dresden, beide Trompete, in wunderbarer Harmonie, die dem Publikum Bravo-Rufe entlockte.

Die Schirmherrschaft über das Konzert hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) übernommen. Er freue sich, in dieser wunderschönen Kirche zu sein, sagte er in seinem Grußwort. Dies sei ein besonderer Tag für Ruchow und für die Musik. SVZ hatte gefragt, ob er sich an die erste Begegnung mit Stefanie von Laer vor knapp drei Jahren bei der Bürgersprechstunde im Sternberger Rathaus erinnere, als sie ihn um Hilfe für die Ruchower Orgeln ansprach: „Selbstverständlich, sie war sehr überzeugend.“ Auf seine Bemerkung, dass das Land gern helfe, wenn sich auch andere Unterstützer finden, habe sie entgegnet, „die habe ich schon“.

Zu drei Vierteln finanzierte der Bund die Sanierung , selbst „als Orgeln noch nicht als förderfähig galten“, wie der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU) sagte. Staatsminister Bernd Neumann, der für Sonnabend wegen Krankheit absagen musste, habe seinerzeit den verfügbaren Spielraum voll ausgenutzt. Kultur und Denkmalschutz seien
eigentlich keine Aufgabe des Bundes, sondern der Länder. Das könne ihn als haushaltspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, so Rehberg, vielleicht irgendwann einholen, doch das würde er „gern ertragen“. Zu Lebensqualität gehöre eine ausgewogene Kulturlandschaft. Inzwischen stünden im Bundeshaushalt fünf Millionen Euro für Orgeln zur Verfügung.

Oberkirchenrat Andreas Flade bestätigte gegenüber SVZ, dass ein so großer Anteil des Bundes eher eine Ausnahme sei. Ruchow stelle mit seinen beiden Orgeln aber auch eine Ausnahme dar, durch sie sei das kleine Dorf international geworden. Sie würden eine musikalische Verbindung in die ferne, weite Welt knüpfen. Das Positiv habe eine kleine Schwester in La Laguna auf Teneriffa, nach deren Vorbild es restauriert wurde. Zwei weitere Schwestern gebe es nördlich von Stockholm und in Lübeck. Das Richborn-Positiv, das über eine einzigartige Klangfarbigkeit verfüge, und die Schmidt-Orgel dürften allerdings nicht gemeinsam gespielt werden. Ihre Stimmungen würden sich reiben. Es gebe zwar Stücke, die auf beiden Orgeln gespielt werden könnten, die verlangten aber Perfektion der Organisten bei ihren versetzten Einsätzen.

Der Oberkirchenrat und Pastor Siegfried Rau hatten vor dem Konzert beide Orgeln feierlich gesegnet. Sie sollen noch vielen Zuhörern Freude bringen

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