Ludwigslust/Parchim : Rohrreinigung: Vorsicht, Abzocke!

Im häuslichen Abfluss, hier bei einer Dusche, kommt so manches zusammen. Vor allem bei Spülbecken oder Toilette passiert’s: Abflussrohr verstopft.
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Im häuslichen Abfluss, hier bei einer Dusche, kommt so manches zusammen. Vor allem bei Spülbecken oder Toilette passiert’s: Abflussrohr verstopft.

Abfluss verstopft – nicht immer klappt die Problembeseitigung allein und der Fachmann ist gefragt. Seriös oder „Schwarzes Schaf“?

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09. Februar 2018, 12:00 Uhr

Wenn der Abfluss verstopft ist und im Haushalt nichts mehr geht, dann herrscht nicht selten „Holland in Not“. Man kann es selbst mit den bekannten Hausmittelchen versuchen, wieder Fluss in den Abfluss zu bekommen. Doch nicht immer klappt es – und dann muss der Fachmann ran.

Dieses sagte sich auch eine Frau aus Westmecklenburg, die ungenannt bleiben will (Name ist der Redaktion bekannt). Sie rief die kostenlose Servicenummer an, die in einer entsprechenden Anzeige in der Januar-Ausgabe des Amtsblatts „Sternberger Seenlandschaft“ stand. Es seien dann auch zwei Mann gekommen. „Einer blieb im Auto, das so stand, dass ich das Nummernschild oder anderes vom Fahrzeug nicht erkennen konnte. Und der zweite Mann schickte erst eine Sonde durch die Leitung und dann hat er gefräst“, so die Frau. Die Arbeiten hätten insgesamt zweieinhalb Stunden gedauert. Am Ende forderte der Rohrreiniger über 1000 Euro, hatte auch gleich das entsprechende Gerät mit, damit die Frau per Karte sofort bezahlen konnte. Was diese auch tat, sie fühlte sich einfach überrumpelt.

Wenig später war sie regelrecht geschockt über die horrende Summe und versuchte über ihre Bank das Geld zurück zu bekommen. „Aber keine Chance“, so die Frau, die hinzufügte: „Ich bin drauf reingefallen“, sagte sie gestern am „Heißen Draht“ und will andere davor warnen.

SVZ-Recherchen ergaben, dass die besagte Firma aus dem hessischen Eschborn auf der „Schwarzen Liste“ des „Deutschen Notdienstanzeigers“ steht. Dabei handelt es sich laut Herausgeber Dietmar Isbaner (Frankfurt/Main), „um einen Zusammenschluss von mehreren Notdienstanbietern. Das gibt es seit 30 bis 40 Jahren.“ Ziel sei es gewesen, den Kunden seriöse Unternehmen in den Bereichen Rohrreinigung, Kammerjäger und Schlüsseldienste gegen ein Entgelt zu vermitteln. Doch seit einiger Zeit haben „die Angebote von Schwarzen Schafen im Internet geradezu Überhand angenommen“, so Isbaner auf Nachfrage. So gesehen habe man keine Chance mehr, „seriöse Unternehmen zu normalen Preisen anzubieten“. Und darum solle der Notdienstanzeiger demnächst im Internet abgeschaltet und nur noch die  „Weiße Liste“ veröffentlicht werden. Der bundesweit agierende „Deutsche Notdienstanzeiger sei laut Dietmar Isbaner „von der Stiftung Warentest 2004 in Sachen Auftragsvergabe als Testsieger“ bewertet worden.

Doch inzwischen gibt es im Internet solch eine Angebotsflut und Isbaners Erfahrung ist: Wenn man eine Sache im Web aufruft, etwa bei Rohrreinigern, fänden sich auf den ersten Seiten fast nur „Schwarze Schafe“.

Man habe vor einem viertel Jahr mit den Rubriken „Schwarze Schafe“ bzw. „Weiße Schafe“ bundesweit angefangen, „um den Bürger zu schützen“. Die Weiße Liste umfasst derzeit in den drei Bereichen an die 380 Unternehmen, „auch aus MV“, die Schwarze Liste bisher 160 Unternehmen. Darunter auch eine Firma, die laut Isbaner „eine ziemlich neue Ausgründung“ der zweifelhaften Firma in Eschborn sei. Über das Firmengeflecht wurde u.a. auch in der ARD-Sendung „Plusminus“ vom 5. Oktober 2017 berichtet.

Dass jetzt auch Anzeigen in Amtsblättern – die von Bürger als seriös angesehen werden –, erscheinen, ist für Isbaner „ein starkes Stück. Es ist für mich neu, dass sie soweit gehen“. Bei Schlüsseldiensten gebe es laut Isbaner übrigens „noch viel mehr schwarze Schafe“.

Bei Rohrreinigern liege eine Monteurs-Stunde laut dem Experten zufolge „zwischen 50 und 70 Euro. Und bei zweieinhalb Stunden hätte die Frau so um die 200 Euro zahlen müssen“. Dabei habe sie mit 1000 Euro „noch Glück gehabt. Ich kenne Fälle, da kam ’ne Null hinter…“

Wie man seriöse Anbieter erkennt, wird im Internet-Zeitalter schwieriger denn je. Eine Möglichkeit: Man sucht sich ein regionales Unternehmen und muss sich erkundigen. Eine Möglichkeit ist da: whitelist-weisseliste.de. PS: Bei Rohrreinigern sind hier z.B. Firmen aus Wismar und Güstrow gelistet.

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