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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. November 2017 | 10:35 Uhr

Gustävel : Rinder auf schwimmender Weide

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Agrargenossenschaft Gustävel nutzt mooriges Grünland zur Mutterkuhhaltung. Die diesjährige Kalbezeit steht kurz vor dem Abschluss.

svz.de von
erstellt am 09.Mai.2014 | 16:29 Uhr

Alles läuft nach Plan. Demnach steht die Kalbezeit in der Agrargenossenschaft Gustävel kurz vor dem Abschluss. Von Anfang
Januar bis etwa 20. Mai kommen die Kälber zur Welt. 20 werden jetzt noch erwartet. Das lasse sich ziemlich genau steuern, erklärt Vorstandsvorsitzender Roland Ohlendorf. Ab dem 25. März des Vorjahres werden die Bullen den Mutterkuhherden zugeteilt. Sie laufen dort ganz normal mit, insgesamt 21 gekörte Zuchtbullen, nach und nach erfolgt die Besamung durch natürlichen Decksprung, wie der Fachmann sagt. Damit ist spätestens am 20. August Schluss.


Am besten von jeder Kuh ein Kalb


Die Kühe haben eine Tragezeit von 283 Tagen. Nach ihrer Größe und von Rasse zu Rasse kann das bis zu zehn Tage variieren. 2013 war die Trächtigkeitsrate insgesamt recht gut, schätzt Ohlendorf ein. Von den 430 Kühen waren 16 nicht tragend, von den 80 Färsen, die zum ersten Mal ein Kalb zur Welt bringen, allerdings auch mehr als zehn. „Das lag am Bullen“, ist Ohlendorf überzeugt.

Wenn die Kuh ein gesundes Euter hat und jedes Jahr kalbt, kann sie schon mal 13,14 Jahre alt werden, erzählt Ohlendorf. Eine junge Kuh, die nicht tragend wird, erhält ihre zweite Chance, eine ältere muss kurz darauf zum Schlachter.

Die Kühe kalben unter Kontrolle im Stall. Danach werden männliche und weibliche Kälber sortiert, von Letzteren bis zum 10. März die zur Reproduktion ausgesucht. Das Verhältnis von weiblichen und männlichen Kälbern hält sich über die Jahre etwa die Waage. Derzeit liegen die „Mädchen“ mit 229 gegenüber 213 „Jungen“ knapp vorn. 30 Zwillingskalbungen gab es. „Wir hatten dabei glückliches Pech, 50 Kälber davon leben“, so Ohlendorf. Es seien meist Problemgeburten und die Kälber kleiner, schwächer. „Von jeder Kuh ein Kalb, das ist am besten.“

Ende Juli beginnt mit den männlichen Kälbern der Verkauf. Einen Monat später sind etwa zwei Drittel vermarktet. „In der Zeit bekommen wir die besten Preise. Nachher im Herbst bieten alle an“, weiß Ohlendorf aus langjähriger Erfahrung. Der Betrieb habe einen relativ festen Partner im Münsterland. Mäster würden gern einheitliche Partien nehmen, und die bekämen sie in Gustävel. Ab Ende September werden die weiblichen Kälber, die nicht für die Reproduktion des Bestands gebraucht werden, über den Rinderzuchtverband verkauft. Die Genossenschaft produziere zur Mast und Reproduktion, dazu etwa zehn Zuchtbullen im Jahr.

Bis 1. November soll „aufgeräumt“ sein. In der ersten Woche des Monats wird eingestallt, bei jedem Tier verbunden mit Blut- und Trächtigkeitsuntersuchung, Klauenpflege sowie Bekämpfung von Parasiten wie Leberegel und Lungenwürmer. Antibiotika, über die derzeit viel diskutiert wird, brauchten die Rinder nicht, sie seien gesund, betont der Agrarchef. Einen Grund sieht er darin, dass Mutterkühe nicht unter dem Leistungsdruck stehen wie Milchvieh. Sie lebten in den Tag hinein, seien mit sieben, acht Litern Milch am Tag allein für ihren Nachwuchs da.


Mit Mutterkühen nicht gut Kirschen essen


Allerdings wäre mit ihnen nicht gut Kirschen essen; eine Mutterkuh sei relativ wild, bei weitem nicht zahm wie ein Milchrind, das täglich zweimal gemolken werde und so ständig Kontakt zu Menschen habe. Mit einem Kalb werde sie noch aggressiver, verteidige den Nachwuchs, wenn sich
jemand respektlos nähere.

Der Bestand ist in 18 Herden aufgeteilt, von sechs Zuchtbullen, die noch auf ihren Einsatz warten, bis zu 160 Kühen und Kälbern auf einer Koppel, stets dem Futterangebot angepasst. Ist eine Fläche abgegrast, geht es auf die nächste. Zugefüttert wird auf der Weide nicht. Den Winter über im Stall gibt es Grassilage, Heu und Stroh, nach dem Kalben täglich eine kleine Ration Maissilage, diese nur für Nachzuchttiere generell. So kommt die Genossenschaft mit 30 Hektar Mais aus.


Drei Rassen und die zum Großteil hornlos


Weil sie bei ihrer Gründung keine Milchquote erhielt, aber über 500 Hektar natürliches Grünland verfügt, fiel die Entscheidung für die Mutterkuhhaltung. Rund 450 Hektar davon sind moorig, „schwimmendes Grünland“, wie Ohlendorf sagt. Deshalb könnten die Rinder nicht das ganze Jahr draußen bleiben. Gerate eine Herde mal richtig in Bewegung, bebe der ganze Boden.

Die aktuell 480 Mutterkühe gehören drei Rassen an: Uckermärker, Charolai und Fleckvieh. Jeweils 50 sind reinrassig, zur Zucht zugelassen und daher im Herdbuch. Ein Großteil wurde hornlos gezüchtet, was mehrere Vorteile habe. – Alles nach Plan.

 

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