41 Kilo schwerer Fisch aus Kleinpritzer See : Riesenwels - der Fang seines Lebens

<strong>Nach 80 Minuten Drill</strong> hatte Claus Borchers (r.) den Fang seines Lebens im Boot. Ohne die Hilfe von Horst Biernoth, ebenfalls Dauercamper  in Kukuk, hätte er das  wohl nicht geschafft,  gesteht der erfahrene Angler. Der  Wels ist 1,74 Meter lang und 41 Kilogramm schwer, der größte   geangelte Fisch in MV seit 2008.  Seine größten Fänge zuvor waren ein Hecht mit 13 Kilogramm und ein acht Kilogramm schwerer Karpfen. Foto: Privat
Nach 80 Minuten Drill hatte Claus Borchers (r.) den Fang seines Lebens im Boot. Ohne die Hilfe von Horst Biernoth, ebenfalls Dauercamper in Kukuk, hätte er das wohl nicht geschafft, gesteht der erfahrene Angler. Der Wels ist 1,74 Meter lang und 41 Kilogramm schwer, der größte geangelte Fisch in MV seit 2008. Seine größten Fänge zuvor waren ein Hecht mit 13 Kilogramm und ein acht Kilogramm schwerer Karpfen. Foto: Privat

Der Wittenberger Claus Borchers holte bei einer Angeltour mit einem Freund auf dem Kleinpritzer See einen richtig dicken Brocken an Land: einen 1,74 Meter langen und 41 Kilo schweren Riesenwels.

svz.de von
30. Mai 2013, 08:19 Uhr

Kukuk | Auf Hecht wollte Claus Borchers Anfang der Woche gehen. Gegen 9 Uhr steigt er in sein kleines Boot und rudert auf den Kleinpritzer See. Einen Kilometer entfernt vom Zeltplatz in Kukuk wirft der passionierte Angler den Anker aus. Der Wittenberger, der knapp viereinhalb Jahrzehnte im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) als Kranschlosser gearbeitet hat, ist seit 44 Jahren Dauercamper und nun als Rentner von Mitte April bis Mitte Oktober hier. Angefangen hatte er mit einem Steilwandzelt, dann folgte nach Jahren Wartezeit ein Bastei, den nach der Wende ein Doppelachser abgelöst hat. Der steht am Badestrand mit Blick auf den See. "Ich habe schon einige Zeltplätze gesehen, bin aber immer in Kukuk geblieben. Der ist klein und schön ruhig."

Ruhig bleibt es auch an diesem Angelvormittag - kein Biss. Dann um 10.40 Uhr ein Ruck. Er habe auf die Uhr geschaut, sagt Borchers, deshalb wisse er die Zeit so genau. Das könnte ein Hecht sein, "ein verdammt großer Hecht", geht es ihm durch den Kopf. "Doch der schlägt anfangs mit dem Kopf zu beiden Seiten. Hier war das anders." Langsam ahnt der erfahrene Petrijünger, der seit seiner Kindheit angelt, dass ein Wels auf den kleinen Gummifisch mit nur einem Haken hereingefallen ist. Er wisse vom Dabeler Fischer, der den See bewirtschaftet, dass darin einige stattliche Exemplare von dieser Art sein müssen. Der wolle die am liebsten heraus haben, weil sie Schaden anrichten, doch bislang sei kaum einer an die Angel gegangen.

Jetzt heißt es kühlen Kopf bewahren. Auf der Rolle befindet sich nur eine geflochtene 20er Schnur, also 0,2 Millimeter dünn, ihre Tragfähigkeit ist mit neun Kilogramm angegeben. Der Fisch sucht die Flucht. Sein Kontrahent drückt den Daumen auf die Spule, um das Abwickeln der Schnur zu kontrollieren. Die Bremse darf er nicht zu fest stellen, sonst reißt der Fisch die dünne Angel sehne mit einem kräftigen Ruck kurz und klein. Es geht hin und her. Nach einer Dreiviertelstunde sieht Borchers das erste Mal den Wels, an der Oberfläche ist der aber noch nicht. Der Angler nimmt die Rute fest in eine Hand und greift mit der anderen zum Handy, um Horst Biernoth anzurufen; der Stralsunder ist ebenfalls Dauercamper in
Kukuk. Mehrmals legt Borchers sein Handy beiseite, weil er beide Hände für die Angel braucht. Endlich kann er seinem Kumpel klar machen, dass er kommen muss. Dieser hat auch nur ein einfaches Boot. Nach zehn bis 15 Minuten, die endlos erscheinen, trifft Biernoth ein und steigt um. Er soll das Prachtexemplar im richtigen Moment mit dem Gaff ins Boot hieven. "Das mache ich nicht", sagt der Kumpel. Ihm ist das zu riskant. Ob es nicht besser wäre, das Riesentier ans Ufer zu ziehen. Das ist Borchers eingedenk seines leichten Angelgeschirrs nicht geheuer. Bis zur Koppel wären es etwa 700 Meter, wer weiß, wo sich der Fisch unterwegs verfängt. An der Angelstelle ist der See drei Meter tief, aus dem schlammigen Grund steigen Luftblasen auf. Zudem hat der Wels nur kurz gehakt, das lässt sich mittlerweile erkennen. Mehrmals steigt er mit dem Kopf hoch, als wolle er sich aufbäumen und zeigen, wie viel Kraft er hat. Doch das Tier an der Angel wird offenbar müde.

Rollenwechsel auf dem Boot: Biernoth nimmt die Rute, Borchers sein Gaff, Marke Eigenbau , "ziemlich groß und stabil". Ersterer hält die Schnur straff und lehnt sich weit über die Bordwand gegenüber, damit der Kahn einigermaßen im Gleichgewicht bleibt und nicht umkippt. Mit Gaff und ganzer Kraft zieht Claus Borchers nach 80 Minuten Drill den Fang seines Lebens ins Boot. Er weiß, dass der Unterkiefer mit kleinen, bürstenartigen Zähnen "wie ein Bügel" ist und hält. Mit Lederhandschuhen könne er unbedenklich hinein fassen, da passiere nichts, doch die sind nicht zur Stelle. "Wir haben beide Hurra geschrien. So einen Fisch werde ich wohl nie wieder an die Angel bekommen", meint der 75-Jährige. "Doch als er da so lag, hat er mir ein bisschen leid getan. Am liebsten hätte ich ihn wieder ins Wasser geworfen. Wenn man älter wird, fühlt man mehr mit Tieren", sagt Borchers diesmal mit ernster Miene.

Der Wels ist 1,74 Meter lang und wiegt 41 Kilogramm. Wie SVZ auf Anfrage beim Landesanglerverband in Görslow erfährt, ist es der größte Fisch in Mecklenburg-Vorpommern seit 2008. In der Bestenliste für die Aktion "Fisch des Jahres", die Gerhard Hoffmann aus Hundorf bei Schwerin über 25 Jahre geführt hat, steht ein Wels mit 2,27 Metern und 60 Kilogramm. Der wurde 1996 in der Warnow bei Schwaan geangelt. Auch ein Zufallstreffer, der hatte gegen 13.30 Uhr gebissen, was auch ungewöhnlich sei, weil der Wels eher ein Nachtfisch sei, so Hoffmann. Er erinnert sich noch, dass der Angler am Ende mit mehreren Helfern viereinhalb Stunden brauchte, um den Fang zu bergen. Der sei dann auf einem Handwagen "in einem wahren Triumphzug" zum Großvater des jungen Anglers gebracht worden.

Auf dem Zeltplatz in Kukuk gibt es auch ein großes Hallo. Nach dem Zerlegen und Filetieren liegt da ein Riesenberg Fisch. Die großen schieren Stücke frieren Borchers und seine Lebensgefährtin ein, das meiste verschenken sie an sechs Fami lien. Am Mittwoch kommt die erste Mahlzeit von dem Wels auf den Tisch, zubereitet wie Lachs-Gratin mit Gemüse in einer Auflaufform. Noch mehrmals, wenn er die jetzt eingefrorenen Portionen isst, werden sie Claus Borchers an seinen Fang des Lebens erinnern.

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